Fortuna Düsseldorfs Stöger Der beste Bundesligaspieler, den kaum jemand kennt

Gute Übersicht und Pässe des Spielgestalters, schnelle Mitspieler im Sturm - fertig ist der Düsseldorfer Aufschwung. Im Zentrum steht Mittelfeldspieler Kevin Stöger.

Kevin Stöger (r.)
Marius Becker/ DPA

Kevin Stöger (r.)

Von Tobias Escher


Als Kevin Stöger in der 26. Minute gegen Hertha BSC den Ball am Mittelkreis erhielt, schien es wenige Sekunden so, als wäre Xabi Alonso in die Bundesliga zurückgekehrt. Stöger blickte über den Rasen und als er sah, dass sein Teamkollege Dodi Lukebakio zum Lauf hinter die Abwehr ansetzte, passte er sofort.

35 Meter flog der Ball durch die Luft, vom Mittelkreis bis an den Elfmeterpunkt. Er landete perfekt im Lauf von Lukebakio - ein Pass, wie ihn der frühere Bayern-Star Alonso nicht besser hätte spielen können. Nur Lukebakio verzog den Abschluss, der Ball flog weit über das Tor. Ansonsten wäre Stögers Traumpass zur Attraktion des vergangenen Bundesligaspieltags geworden.

Stöger dürfte aktuell der beste Unbekannte der Liga sein. Seine Pässe sind ein gewichtiger Grund, warum Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in der Rückrunde ins gesicherte Mittelfeld vorstieß - und den Ligaverbleib vor dem Heimduell gegen den FC Bayern (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bereits sicher hat. Vor allem dank Trainer Friedhelm Funkel konnte der Spielmacher sein facettenreiches Spiel noch einmal weiterentwickeln.

Vom Zehner zum Sechser

Vergangene Saison spielte Stöger noch in der zweiten Liga. Bei seinem Ex-Klub VfL Bochum kam er meist als Zehner zum Einsatz, als Spielgestalter hinter den Spitzen. Stöger wies dort regelmäßig die höchsten Laufwerte seines Teams vor. Schon zu jener Zeit ließ er sich häufig in tiefere Räume fallen, um aktiv in den Spielaufbau eingreifen zu können.

Fortunas Trainer Friedhelm Funkel versteht es, die Übersicht des Österreichers noch besser einzusetzen. In Düsseldorf spielt Stöger zumeist auf der Achter- oder sogar Sechserposition. "Die Rolle etwas tiefer in der Aufstellung passt mir etwas besser", sagte Stöger. "Da habe ich das ganze Spiel vor mir."

Funkel forderte von seinem Schützling zudem mehr Ruhe. Stöger habe zu häufig die risikoreiche Aktion gewählt, zu schnell den Ball abgegeben. Dabei habe er doch die Übersicht und zugleich die technische Klasse, um den Ball zunächst zu sichern und dann weiterzuspielen. In der Rückrunde zeigt Stöger nun mehr Aktionen im Stile eines Alonsos: Ruhig, fast bedächtig führt Stöger den Ball in der Tiefe des Raumes, um dann mit seinem starken linken Fuß den Pass in die Spitze zu spielen.

Symbiose zwischen Stöger und Fortunas Stürmern

Stögers Pässe fügen sich perfekt in das Spielsystem der Fortuna ein. Funkel hat seinem Tean einen vertikal ausgerichteten Stil gegeben. Während die Sturmspitze, zuletzt meist Rouwen Hennings, lange Bälle verarbeiten soll, sind die Außenstürmer für das Toreschießen verantwortlich. Lukebakio und der ebenfalls schnelle Benito Raman hebeln Abwehrketten mit ihrer Geschwindigkeit aus. Sie sind die optimalen Abnehmer für Stögers lange Bälle.

Stöger beherrscht nicht nur Pässe aus der Tiefe, der Österreicher ist auch dynamisch und dribbelstark genug, um in den engeren Zonen weiter vorne auf dem Spielfeld zu bestehen. Häufig sprintet Stöger auf den linken Flügel, um von dort Flanken auf seine Teamkollegen zu schlagen. Stöger spielt gerne den eröffnenden Pass, aber auch den letzten vor der Torchance.

Ein Blick in die Statistiken unterlegt diese Stärken. Pro Spiel legt er 2,5 Schüsse für seine Teamkollegen auf. Nur Bundesliga-Spitzenspieler wie James Rodríguez (3,2), Julian Brandt (3,2) oder Kerem Demirbay (2,9) weisen im Kalenderjahr 2019 höhere Werte vor, Stöger befindet sich auf einem Niveau mit Max Kruse (2,5) und Jadon Sancho (2,3). Seine Werte im Bereich der Chancenkreation gehören zu den höchsten der Liga. Insgesamt steht Stöger bei sechs Torvorlagen, zum Vergleich: Sanchos Pässe verwerten die Mitspieler beim BVB besser - der Engländer steht bei 17 Torvorlagen, das ist der Topwert in der Bundesliga.

Mit dem Toreschießen will es für Stöger noch nicht so recht klappen. Er erarbeitet sich Chancen, die Härte im Schuss fehlt aber. Erst kürzlich hatte Funkel seinen Spielmacher angestachelt, als er in einem Interview sagte, er nehme Stöger erst ernst, wenn dieser einen Bundesligatreffer erzielt. Prompt gelang ihm ein Tor beim 3:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach. Man darf den Österreicher nicht unterschätzen. Bayern München ist gewarnt, vor Düsseldorf sowieso, das Hinspiel endete 3:3 und war der Tiefpunkt der damaligen Münchner Krise. Stöger kam damals allerdings auf keine Torbeteiligung..



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Antila 14.04.2019
1. Das dürfte sich ab 15:30 Uhr relativieren.
Ich gehe n i c h t davon aus, dass Fortuna Düsseldorf das Spiel heute gegen Bayern München gewinnt. Mit Direktvergleich Stöger / Kimmich.
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