Kick It Danke, FC Bayern

Wer behauptet, der FC Bayern München habe die Spannung in der Fußballbundesliga auf sanfte Weise von Beginn an gekillt, irrt. Man muss es einfach hedonistisch sehen.

Von Katrin Weber-Klüver


"Wir haben schon ein bisschen Spaß"
AFP

"Wir haben schon ein bisschen Spaß"

Spannung, Spannung, Spannung - nichts ist langweiliger. Was ist das schon gewesen in den letzten Jahren, die Spannung um die Meisterschaft? Nichts als das Warten darauf, wann Leverkusen die Nerven verlieren würden. Und spannend ist das mit Bayer nicht, man wartet ja nie umsonst, wenn auch schon mal bis zum 34. Spieltag. Diesmal aber nur bis zum zweiten.

Ebenfalls schwankende Gestalten sind derzeit die des Hamburger SV. Bei Hertha weiß man nichts Genaues, darf aber mit allem rechnen. Auch so in Stuttgart. München 1860 vergessen sogar die eigenen Zuschauer bei allerschönstem Wetter. Wer also sind die spitzen Spitzenclubs?

Hat vielleicht der Wechsel des zum klugen Manne reifenden Andreas Möller Schalke 04 und den BVB auf einen Schlag wieder nach oben katapultiert? Immerhin: Die Rivalen sind als einzige mit zwei Siegen gestartet. Moment, natürlich gibt es einen dritten Unbezwingbaren, den FC Bayern München, den Spannungskiller.

Man muss das verstehen. Spannung ist Stress, und Stress macht krank. Niemand weiß das besser als Ottmar Hitzfeld, der immer sehr schlecht aussah, als er noch in Dortmund arbeitete und dachte, im Fußball ginge es nicht um wichtige Dinge, sondern um Leben und Tod.

Inzwischen weiß Hitzfeld, dass man als Trainer alles übersteht - solange man so erfolgreich ist wie er. Von dieser exquisiten Erkenntnis sind ihm nach dem Gewinn diverser Meisterschaften, des DFB-Pokals und der Champions League zwar die Falten nicht mehr verschwunden, aber Magendruck und Dauerpanik leicht zurückgegangen. Das wird so bleiben. Seine Mannschaft wird ja sowieso Meister.

Man muss das hedonistisch sehen. Fußballerisch betrachtet gibt es an diesem Kader nichts mehr zu meckern. Es ist fast egal, wer auf dem Platz steht und wer gerade in der Reha steckt. Allenfalls wird das Spiel der Bayern mit Effenberg noch ein bisschen schöner werden, als es mit Fink ist, und mit Elber noch ein bisschen spaßiger als mit Santa Cruz. Andererseits hat inzwischen sogar Carsten Jancker ein elegantes Repertoire mit Hackentricks und solcherlei. Und selbstlos spielt er noch dazu.

Entfesselt jubelte der Stürmer in Bochum über Santa Cruz' erstes Saisontor, ebenda lobte Scholl Janckers Spiel als phantastisch, Jancker gab das Lob an die Mannschaft zurück, die er überragend fand. Dabei grinsten und strahlten sie alle. Jancker sagt: "Wir haben schon ein bisschen Spaß." Sehr schön. Es gibt nur eines, was das ändern könnte: Dass es ihnen selbst langweilig wird.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.