Kicken in Katar Zwanziger fordert Überprüfung der WM-Vergabe

Rückendeckung für den umstrittenen Fifa-Boss: DFB-Chef Theo Zwanziger hat sich kurz vor der Vorsitzendenwahl eindeutig zu Sepp Blatter bekannt. Dagegen hegt Zwanziger erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der WM-Vergabe an Katar. 
Fifa-Boss Blatter, DFB-Chef Zwanziger: Deutsche Unterstützung für den Schweizer

Fifa-Boss Blatter, DFB-Chef Zwanziger: Deutsche Unterstützung für den Schweizer

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Hamburg - DFB-Chef Theo Zwanziger hat erhebliche Zweifel daran angemeldet, ob die WM-Vergabe an Katar mit rechten Dingen zugegangen ist. Zwanziger, der am heutigen Mittwoch in das einflussreiche Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes Fifa gewählt werden soll, verlangte im ZDF-Morgenmagazin, die "Vergabe der WM aufgrund eines beachtlichen Grades an Verdächtigungen noch einmal zu überprüfen". Gleichzeitig sagte er dem schwer in der Kritik stehenden Fifa-Vorsitzenden Joseph Blatter Unterstützung zu.

So werde der DFB-Boss am Mittwoch auf dem Fifa-Kongress in Zürich Blatter trotz der massiven Korruptionsvorwürfe, mit denen die Fifa dieser Tage konfrontiert wird, seine Stimme zur Wiederwahl des Vorsitzenden geben. "Ich kann doch nicht allein aufgrund von Verdachtsmomenten sagen: Der ist nicht mehr wählbar", so der 65-jährige DFB-Chef über Blatter.

Dem Wunsch des englischen Verbandes, die Vorsitzendenwahl zunächst zu verschieben, erteilte er eine Absage: "Wenn wir das jetzt machen, dann wäre die Fifa führungslos." Eine Einschätzung, der auch der Großteil der Fifa-Delegierten folgte. Der englische Antrag auf Verschiebung der Wahl wurde am Vormittag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt: 172 der 208 Delegierten stimmten dafür, dass wie geplant am Mittwoch gewählt wird.

Allerdings sprach sich Zwanziger dafür aus, die Wahl, zu der Blatter als einziger Kandidat antritt, geheim durchführen zu lassen. Die Fifa sei gut beraten, "wenn das Ganze in einer geheimen Abstimmung geschieht", sagte er. "Was in den letzten Wochen passiert ist, ist ein Skandal, den wir uns so nicht vorstellen konnten", ergänzte der DFB-Chef. Man müsse sehen, dass "die Fifa ganz unterschiedliche Menschen mit ebenso unterschiedlichen Einstellungen zu unserem rechtsstaatlichen System" vereine.

Verwirrung um US-Funktionär Blazer

"Wir brauchen andere Strukturen, bessere Strukturen", sagte Zwanziger. "Was jetzt zu tun ist, ist eine Auflösung des Skandals." Korruption könne nur durch Transparenz bekämpft werden, hier wolle er gerne in der Fifa-Exekutive mitarbeiten.

Zahlreiche Mitglieder der 24-köpfigen Fifa-Exekutive stehen mittlerweile unter Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit. Die beiden Fifa-Vizepräsidenten Mohamed Bin Hammam aus Katar und Jack Warner aus Trinidad und Tobago wurden am Sonntag von der sogenannten Fifa-Ethikkommission vorläufig suspendiert, Blatter selbst von allen Vorwürfen freigesprochen.

Warners Verband, der Nord- und Zentralamerikanische Fußballverband (Concacaf), ist derweil durch die Korruptionsaffäre tief gespalten. So kündigte Warners Stellverteter, Lisle Austin, zunächst an, den Generalsekretär des Verbands, Chuck Blazer, entlassen zu haben. Der US-Amerikaner Blazer, selbst Mitglied der Fifa-Exekutive, hatte die Suspendierung von Bin Hammam und Warner ins Rollen gebracht, nachdem er Korruptionsvorwürfe gegen die beiden an die Fifa weitergeleitet hatte.

Für Havelange ist alles nur "Eifersucht und Neid"

Blazers Verhalten sei "unentschuldbar und eine schwere Pflichtverletzung", sagte Austin. Ob Austin zur Abberufung des Generalsekretärs überhaupt berechtigt ist, war allerdings unklar. Blazer selbst hält die Entlassung für unrechtmäßig. In einer Stellungnahme des Verbandes heißt es, Austins Vorgehen sei "nicht autorisiert" gewesen.

Blatters Vorgänger im Amt, der mittlerweile 95-jährige João Havelange, hat alle Kritik an seinem Nachfolger als "durch Eifersucht und Neid begründet" abgetan. Der Brasilianer, Ehrengast des Fifa-Kongresses, sagte: "Jeder guckt nur nach Fehlern Blatters, weil jeder am liebsten selbst auf seinem Stuhl sitzen möchte." Der Weltfußball habe sich unter Blatter enorm weiterentwickelt, "sowohl technisch als auch finanziell".

Der frühere Fifa-Manager Guido Tognoni sieht Deutschland in der Verantwortung, eine Neuordnung des Fußball-Weltverbandes voranzubringen. "Deutschland hätte es in der Hand. Deutschland sollte die Lokomotive sein für eine Reform der Fifa und sollte sich nicht einfach hinten anstellen und alles applaudieren", sagte der einstige Pressesprecher der Fifa am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Tognoni kritisierte vor der Präsidentenwahl, die führenden Verbände säßen einfach da und schwiegen oder sagten, der Verband mache einen wunderbaren Job. "Die Fifa besteht ja nicht aus Journalisten und kritischen Beobachtern. Sondern die Fifa besteht aus 208 Verbänden, von denen es sehr vielen eigentlich egal ist, wer vorne die Eröffnungsrede hält und wer gewählt wird, solange das Geld noch fließt."

Blatter selbst eröffnet den Wahltag des Kongresses mit den Worten: "Wir alle fahren auf diesem Schiff namens Fifa und bewegen uns in turbulenten Gewässern. Aber wir sind dennoch auf einem guten Kurs. Und ich als Kapitän dieses Schiffes habe die Verantwortung, dies weiter zu gewährleisten", sagte der 75-Jährige. Seinem suspendierten Stellvertreter Bin Hammam wurde der Einlass zum Kongress verweigert. "Ich bin sehr traurig und enttäuscht und werde niemals akzeptieren, wie mein Name und mein Ruf beschädigt wurden", so der Katarer in einer Stellungnahme vom Vormittag.

aha/rtr/dpa
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