Eklat in Frankfurt am Main Offenbach verhängt Stadionverbot gegen antisemitische Fans

"Zyklon-B für die SGE": Anhänger von Kickers Offenbach haben beim Derby gegen Eintracht Frankfurt II antisemitische Parolen skandiert. Der Verein spricht von einem großen Imageschaden, die Fans von Gewaltproblemen in den eigenen Reihen.
OFC-Anhänger: Hässlicher Auftritt beim kleinen Derby

OFC-Anhänger: Hässlicher Auftritt beim kleinen Derby

Foto: DPA

Hamburg - Eintracht Frankfurt gegen Nachbar Kickers Offenbach. Dieses Duell steht für Rivalität, für packende Spiele, für Emotionen pur. Und es steht auch immer wieder für Gewalt und hässliche Szenen auf den Rängen. So auch am vergangenen Wochenende beim kleinen Derby, bei dem die Kickers in der Regionalliga Südwest auf die zweite Mannschaft der Eintracht trafen (Endstand 3:1 für Frankfurt).

Während des Spiels skandierte ein Teil der OFC-Anhänger antisemitische Parolen wie "Zyklon-B für die SGE" und "Judenschweine", was auf einem YouTube-Video deutlich zu hören ist.  Im Anschluss an die Niederlage stürmte ein Teil dieser Fans den Platz und versuchte, die Frankfurter Spieler zu attackieren. Diese flüchteten in den Spielertunnel.

Der OFC verurteilt die Ausfälle der eigenen Anhänger. "Wir distanzieren uns ausdrücklich von Gewalt sowie antisemitischen und rassistischen Parolen", sagt Geschäftsführer David Fischer SPIEGEL ONLINE. "Wir haben bereits in Zusammenarbeit mit der Polizei einen Teil der Störer ermittelt und Stadionverbot gegen die entsprechenden Personen verhängt", so Fischer weiter.

Gewaltmonopol für rechte Anhänger

Der Vereinsoffizielle spricht von einer Gruppe von 15 bis 20 Personen, aus der die antisemitischen Gesänge kamen. "Ein kleiner Personenkreis hat dem Verein einen großen Imageschaden zugefügt", sagt Fischer. Dass diese Einschätzung deutlich untertrieben ist, zeigt nicht nur das bei YouTube eingestellte Video. Augenzeugen, die bei dem Spiel vor Ort waren, sprechen von 40 bis 50 Pöblern.

"Es ist bekannt, dass ein Teil unserer Fans leider immer wieder diese unsäglichen Parolen im Derby skandiert. Eine solche Massivität hätte ich allerdings nicht erwartet", sagt ein Fanprojekt-Mitarbeiter. Laut Fischer gibt es dennoch kein größeres Problem mit Gewalt und Rechtsradikalismus bei den Kickers.

Auch in diesem Punkt gibt es andere Aussagen. Ein OFC-Fan, dessen Name der Redaktion bekannt ist, spricht von einem "Bedrohungsszenario" in der eigenen Fanszene. Rechte Anhänger hätten ein Gewaltmonopol in der Kurve, das viele gemäßigte Fans abschrecke. Der Verein tue zu wenig gegen das Problem.

Das sieht Fischer anders. "Wir als Verein gehen rigoros gegen diese Tendenzen vor, damit es gar keinen Nährboden für Antisemitismus oder rechte Gewalt gibt." Dabei verweist Fischer auf die gute Arbeit des Fanprojekts.

"Wir begrüßen, dass sich der Verein sich so positioniert", heißt es dazu aus dem Fanprojekt.