Schalkes Stürmer Huntelaar Zeit für Helden

Klaas-Jan Huntelaar stand bei Schalke 04 vor dem Abschied. Dann kam mit Markus Weinzierl ein Trainer, der auf die Qualitäten des Stürmers setzt. Es soll der Beginn einer erfolgreichen Ära sein.

Klaas-Jan Huntelaar
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Klaas-Jan Huntelaar


Vorige Woche hat Klaas-Jan Huntelaar einen Facebook-Post veröffentlicht, in dem er effektvoll an sein erstes Spiel in der niederländischen Nationalmannschaft erinnerte. "16.08.2006 Dublin. Mein Debüt! 2 Tore und 2 Assists. Vor zehn Jahren", schrieb der Stürmer von Schalke 04, und stellte ein Bild von jenem Abend dazu. Verständlicherweise ist er immer noch sehr stolz auf diesen großen Tag.

Eine Weltkarriere bahnte sich an, Huntelaar war eines der begehrtesten Stürmertalente Europas, spielte einige Zeit später bei Real Madrid, dann beim damals noch hoch ambitionierten AC Mailand, und erreichte 2011 in seiner ersten Saison beim FC Schalke das Halbfinale der Champions League. Gewonnen hat er seither aber nur einen einzigen Titel: den DFB-Pokal 2011. Kein Wunder, dass der mittlerweile 33-Jährige nach weiteren Trophäen dürstet.

Er würde "alles tun, um das noch einmal zu erleben", sagte Huntelaar in einem Interview mit der "WAZ". Es liegt nahe, dass der Stürmer innerlich hadert mit den vergangenen Jahren, auch wenn er das wohl nie offen zugeben würde. Seine Zeit als Fußballer hat er auf Schalke verbracht, an einem Standort, wo immer eine äußerst teure Mannschaft spielte, wo aber so viel Unruhe herrschte, sodass die ganz großen Erfolge ausblieben.

Aufbruchstimmung in Gelsenkirchen

Zudem glaubten in dieser Zeit einige Experten ernsthaft, klassische Strafraumstürmer mit den Eigenschaften Huntelaars würden nicht mehr gebraucht. Huntelaar wurde immer geschätzt, ein Held, wie es Ebbe Sand einst war, ist er aber eher nicht.

Aber das kann sich ja noch ändern. Neuerdings suchen wieder alle händeringend nach Angreifern, deren liebster Aufenthaltsort der Strafraum ist, und die Chancen stehen ganz gut, dass die düstere Zeit des Dauerchaos tatsächlich zu Ende geht. Huntelaar spricht von einer "Aufbruchstimmung", die entstanden sei, und die sich anders anfühle, als die Neuanfänge nach den vielen Trainerwechseln der vergangenen Jahre. Sieben Chefcoaches hat der Niederländer in seinen sechs Jahren erlebt, diesmal sei der Einschnitt aber erheblich tiefer, "weil auch ein neuer Manager da ist", sagt er. Man könne das an vielen kleinen Details erkennen.

Mit dem Ziel, konzentrierter arbeiten und besser kommunizieren zu können, wurde der Kabinentrakt umgebaut. Der aus Mainz nach Gelsenkirchen gewechselte Manager Christian Heidel bemüht sich um eine neue Offenheit in allen Abteilungen, auch das Scouting soll professionalisiert werden, und der mitunter etwas übereifrige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat gelobt, sich zurückzunehmen. Zudem hat Markus Weinzierl Veränderungen vorgenommen, die Huntelaar gefallen.

Der neue Trainer ist dabei, eine neue Offensivstrategie zu entwickeln, das komme ihm sehr entgegen, sagt Huntelaar, der Weinzierls Fußball mit dem Stil von Ralf Rangnick vergleicht. Es geht um Aktivität und um Balleroberungen in bestimmten, bewusst herbeigeführten Konstellationen. Es sollen wieder mehr Bälle in den Strafraum gespielt werden, die einer wie Huntelaar braucht.

Weinziel überzeugte Huntelaar zu bleiben

Schon viele Trainer haben hier fußballerische Neuanfänge propagiert und am Ende einen von Angst und Zweifel geprägten Durchschnittsfußball spielen lassen. Doch den neuen Führungsleuten ist es offensichtlich ernst mit dem Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft, das lässt sich zum Beispiel am Umgang mit dem körperlichen Zustand der Spieler erkennen.

Huntelaar hat in den Sommertrainingslagern vier Kilo abgenommen, bei Johannes Geis sollen es sogar noch mehr sein. "Die Mannschaft fitter und athletischer zu machen, war ein Ansatzpunkt in der Vorbereitung", sagt Weinzierl, und Huntelaars Physis war ihm dabei besonders wichtig. Denn der Trainer hat den Routinier früh als tragende Säule seines neuen Teams identifiziert. Kurz nach dem Ende der vergangenen Saison hat Weinzierl Huntelaar angerufen, um für sein Projekt zu werben.

Damals liebäugelte der Niederländer mit einem Wechsel zu Ajax Amsterdam, dann habe der neue Trainer erklärt, "was er von mir verlangt und gesagt, dass ich in seinen Planungen eine wichtige Rolle spiele", erzählt der Torjäger. "Dazu hatte ich auch mit unserem neuen Manager Christian Heidel gute Gespräche. Das war für mich entscheidend dafür, dass ich auf Schalke geblieben bin." Tragisch wäre ja, wenn Huntelaar genau in dem Moment gegangen wäre, in dem die Wende zum Besseren gelingt. Sein Name wäre auf ewig mit den Chaosjahren zwischen 2011 und 2016 verbunden gewesen.

Sein Vertrag läuft noch bis 2017, verlängert sich aber angeblich automatisch, wenn er die Hälfte der Pflichtspiele der kommenden Saison absolviert. "Ich bin noch nicht fertig hier auf Schalke", sagt Huntelaar, der hofft, dass auch sein Spätwerk noch Erinnerungen hervorbringen wird, die irgendwann einen Jubiläums-Post auf Facebook wert sind.



insgesamt 19 Beiträge
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totalmayhem 23.08.2016
1.
Das ist jetzt gefuehlt der zwanzigste angekuendigte "Beginn einer erfolgreichen Ära" auf Schalke in den letzten guenf Jahren. ;)
rexromanus 23.08.2016
2. Hiermit
wünsche ich dem FC Schalke 04 in der nun beginnenden Ära ebenso viel Erfolg wie in den vergangenen. Irgendwie muss ich jetzt spontan wieder an 2001 denken. Herzlichst, ein Roter aus dem Süden
orangutanklaus77 23.08.2016
3. Chaos
Es gibt einige Vereine (der HSV oder Bremen wären hier zu nennen), die sich über das sog. "Chaos" bei Schalke in den letzten Jahren gefreut hätten. 15 europäische Teilnahmen in den letzten 16 Jahren sind jetzt ja so schlecht nicht.
thrashmail 23.08.2016
4.
Zitat von orangutanklaus77Es gibt einige Vereine (der HSV oder Bremen wären hier zu nennen), die sich über das sog. "Chaos" bei Schalke in den letzten Jahren gefreut hätten. 15 europäische Teilnahmen in den letzten 16 Jahren sind jetzt ja so schlecht nicht.
Richtig. Schalke wird gut abschneiden diese Saison. HSV und Werder bleibt das Chaos treu.
awqreqr 23.08.2016
5. Die Medien...
haben immer ihren Teil dazu beigetragen, dass die letzten Jahre auf Schalke als chaotisch wahrgenommen wurden und ich denke nicht, dass sich das ändern wird. Daher denke ich, dass die neuen Verantwortlichen eher einen Kampf gegen Windmühlen austragen werden...
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