Huntelaar beim FC Schalke 04 Jäger am Scheideweg

Klaas-Jan Huntelaar galt bei Schalke 04 lange als unantastbar. Dann musste der Niederländer anderen den Vortritt lassen. Die Degradierung des Stürmers könnte für Trainer Breitenreiter fatale Folgen haben.

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Klaas-Jan Huntelaar hat in seiner Karriere schon alles erlebt. Nachdem ihm in jungen Jahren in der niederländischen Eredivisie der Durchbruch gelungen war, zog es ihn 2009 zu Real Madrid. Das sechsmonatige Intermezzo: das erste große Missverständnis.

Auch in Mailand wurde er nicht glücklich, weshalb ihn Felix Magath 2010 relativ schnell von einem Wechsel zum FC Schalke 04 überzeugen konnte. Dort verlief alles nach Plan, denn Huntelaar tat das, was er am besten kann: Tore schießen.

Jetzt hat er auch in Gelsenkirchen seinen Stammplatz verloren. Und das hat er noch nicht erlebt. An den vergangenen beiden Spieltagen gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Ingolstadt musste er Franco Di Santo den Vortritt lassen. Trainer André Breitenreiter hatte zuletzt mehrfach betont, dass unter ihm "kein Spieler eine Stammplatzgarantie habe".

Die Personalie gilt auf Schalke jedoch als brisant. Huntelaar wird von den Zuschauern für seinen Einsatz geschätzt. Der mittlerweile 32-Jährige ist mit 76 Treffern der zweitbeste Torschütze der Vereinshistorie und hat erst kürzlich Ebbe Sand überholt (Klaus Fischer liegt uneinholbar mit 182 Toren vorn). Statistisch gesehen trifft Huntelaar für Königsblau in jedem zweiten Spiel, in Abwesenheit von Benedikt Höwedes trägt er sogar die Kapitänsbinde. Eine Verbannung auf die Ersatzbank ergibt eigentlich überhaupt keinen Sinn.

Schalkes Probleme im Sturm

Doch die anhaltende Erfolglosigkeit seines Teams hat Breitenreiter nachdenklich gestimmt. Und er scheint nun auch vor großen Namen nicht zurückzuschrecken. Seit seinem Wechsel zu Schalke vor sechs Jahren saß Huntelaar erst dreimal über 90 Minuten auf der Bank - jedes Mal hieß der Trainer Breitenreiter. Aber noch schlimmer aus Sicht des Niederländers: Alle drei Partien ohne sein Mitwirken endeten erfolgreich. Es stellt sich die Frage: Ist Schalke noch auf die Dienste des 76-fachen Nationalspielers angewiesen?

Huntelaar wirkt bei der Degradierung wie ein klassisches Bauernopfer. Mit acht Saisontoren ist er Schalkes bester Torjäger, auch vor wenigen Wochen bei Siegen in Köln und gegen den HSV stellte er seine Abschlussqualitäten noch unter Beweis. Ganz im Gegensatz zu seinen Sturmkollegen. Diese befinden sich allesamt in tiefen Formkrisen und lieferten bislang kaum Argumente für einen Startelf-Einsatz.

Klangvolle Namen kämpfen momentan um einen Platz in der Anfangsformation: Franco Di Santo, Eric Maxim Choupo-Moting und Leroy Sané. Letzterer startete gut in die Saison und wurde wenig später mit seinem Debüt in der Nationalmannschaft belohnt, in den vergangenen Wochen schwankten die Leistungen des 20-jährigen Eigengewächses allerdings zunehmend.

Choupo-Moting, im vergangenen Jahr noch ein verlässlicher Scorer (neun Tore, sieben Assists), absolvierte in dieser Saison 22 Spiele, in denen er nur drei Tore erzielte. Noch schlechter lief es für Di Santo. Der ehemalige argentinische Nationalspieler, der im Sommer nach einem langen Transferstreit von Werder Bremen verpflichtet wurde, kommt auf zwei Tore. Eine erschreckende Bilanz.

Huntelaars Zukunft ungewiss

Die ständigen Rotationen im Offensivbereich könnten auch andere Gründe haben. Im Sommer kommt mit Christian Heidel ein neuer Manager. Möglicherweise hat der Noch-Mainzer bereits signalisiert, dass er Huntelaar von der Gehaltsliste streichen und noch eine Ablösesumme kassieren will. Hat der Abschied schon begonnen?

Fragen in diese Richtung blockt der Trainer noch ab. "Aktuell stellt sich diese Frage für mich gar nicht. Klaas-Jan ist ein super Profi mit einer Top-Einstellung, für mich ein ganz wichtiger Ansprechpartner und Spieler", sagt Breitenreiter. Doch schon bald werden Antworten folgen müssen. Huntelaars und Choupo-Motings Verträge laufen 2017 aus, an einen Verbleib von Sané glauben wohl nur noch die größten Optimisten. Hinzu kommt ein völlig verunsicherter Di Santo.

Auf Experimente darf sich Breitenreiter nicht einlassen. Die Saisonziele sind in Gefahr, vor dem so wichtigen Derby gegen Borussia Dortmund (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) liegt Schalke auf dem siebten Platz. Sollte der Klub die internationalen Plätze verpassen, wird es auch für Breitenreiter eng.

Gegen den BVB sollte der Coach jedenfalls nicht auf Huntelaar verzichten. Im Hinspiel traf er gleich doppelt. Wenn er Schalke zu einem Sieg gegen den großen Rivalen schießen sollte, würde er womöglich nicht nur seine eigene Zukunft beim FC Schalke sichern.



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Joinme66 08.04.2016
1.
Warum sollte das Folgen haben. Er nimmt einen Torjäger raus und man sieht schon in der Bezeichnung das er das nicht mehr tut: Tore jagen/schießen. War er jemals ein Torjäger? Ich mag ihn ja aber wenn selbst meine Kollegen die Schalker sind, sich fragen was er noch auf dem Feld zu suchen hat und ich ihn dann verteidigen muss, ist es schlussendlich nur konsequent vom Trainer. Allerdings habe ich mir persönlich auch viel mehr von Breitenreiter versprochen und sein Job wird endlich sein.
Bee1976 08.04.2016
2. Nix für ungut
Herr Midasch, aber Ihr Artikel ist schon etwas seltsam. Zum einen schätzen die Fans natürlich den Hunter. Aner genauso wir in den verschiedenen Fanforen rund um Schalke, sowie auch im Stadion durchaus diskutiert über die Personalie Huntelaar. Denn auch den Fans vom S04 ist klar, das der Hunter sehr viel Geld bindet, und man wenn man mit ihm spielt das Spiel deutlich auch ihn zuschneiden muss. So richtig modern ist das nicht. Das der Hunter wirklich unzufrieden ist, glaube ich ebenfalls nicht. Kommt er von der Bank, rennt und ackert er genauso, versuht anzutreiben, läuft an und freut sich wie ein Schneekönig wenn ein anderer Schalker ne Bude macht. Wenn er unzufrieden ist, dann vermutlich weil er selber öfter netzen möchte und die auch von sich selbst erwartet.
aurichter 09.04.2016
3. Der Hunter
bei aller Liebe, die man ihm entgegen bringt und auch die Leistungen aus der Vergangenheit würdigt, so ist doch schon seit längerer Zeit ein Leistungsabfall zu sehen bei Ihm wie auch im Spiel, in der Anbindung. Das Spiel, die Ausrichtung mit Huntelaar ist und wirkt antiquiert, klinkt vielleicht komisch, ist aber so. Es muss ein Umbruch erfolgen mit den jungen Leuten im Team und selbst da stört auch ein di Santo. Auch der Junge passt auf Schalke nicht (mehr). Somit muss man sich, ist so im Leben, auch mal von alten Gewohnheiten (alten Spielern) trennen, was durchaus schmerzhaft sein kann. Jetzt, zum Ende der Saison müssen die Weichen für die neue Saison gestellt werden. Jetzt müssen Personalien geklärt werden, ansonsten schleppt man diese Altlasten auch in der Saisonvorbereitung mit in die Saison16/17 was wiederum Auswirkungen hat. Huntelaar sollte seine Karriere in Holland ausklingen lassen. Noch 1/2/3 Jahre erste Liga und gut ist.
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