Klinsmann-Interview "Da wächst was Tolles zusammen"

Zwölf Tage vor dem WM-Start ist Jürgen Klinsmanns Optimismus scheinbar größer denn je. Das Team arbeitet gut im Trainingslager, die Chemie in der Truppe stimmt und auch der Fußballzwerg Luxemburg wurde deutlich besiegt. Den Bundestrainer plagen nur marginale Sorgen bei der Mannschaftsaufstellung.


Frage: Jürgen Klinsmann, wie zufrieden waren Sie mit dem Auftritt der Mannschaft nach zwei Wochen Training?

Jürgen Klinsmann: Die Spieler haben das, was wir ihnen vorgegeben haben, schnell in die Spitze zu spielen, auch umgesetzt. Auch wenn klar war, dass nach dem harten Training etwas Müdigkeit da ist, hat die Mannschaft Engagement gezeigt und vor Spielfreude gesprüht.

Frage: Welche Erkenntnisse können Sie aus so einem Spiel ziehen?

Klinsmann: Das war ein nettes Spielchen und nur eine kleine Etappe. Wir wissen, dass noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns liegt. Wir müssen die Mannschaft auf Gegner vorbereiten, die ein ganz anderes Kaliber haben. Wir wollen bei der WM ja sieben Spiele bestreiten.

Bundestrainer Klinsmann: "Nettes Spielchen"
REUTERS

Bundestrainer Klinsmann: "Nettes Spielchen"

Frage: Wie bewerten Sie die Leistung Ihres Sturmduos Klose/Podolski?

Klinsmann: Die wachsen immer mehr zusammen. Lukas genießt es, dass er geführt wird. Miro ist als Führungsspieler sehr wichtig. Er versucht Lukas die Sicherheit zu geben. Es ist ein Lernprozess, die Laufwege abzustimmen. Es wird immer besser.

Frage: Im Mittelfeld ist offenbar nur noch ein Platz frei, um den sich Bastian Schweinsteiger und Tim Borowski streiten. Wie sehen Sie die Situation?

Klinsmann: Der Kampf im Mittelfeld ist heftig. Tim hat sich hervorragend entwickelt. Er klopft da dran und kann verschiedene Positionen spielen. Bei Schweini sieht man, dass er sich wohlfühlt. Er genießt den Zusammenhalt in der jungen Truppe.

Frage: Wie hat sich der Teamgeist in den vergangenen zwei Wochen entwickelt?

Klinsmann: Ich sehe das sehr, sehr positiv. Wenn wir fast zwei Monate zusammen sind, ist der Teamgeist fundamental. Gerade in Phasen, in denen es nicht so läuft, müssen wir zusammenhalten. Ich denke, da wächst etwas Tolles zusammen.

Frage: Die Abwehr agierte selbst gegen Luxemburg nicht so souverän. Wie haben Sie die Leistung, gerade der beiden Außenverteidiger Arne Friedrich und Marcell Jansen gesehen?

Klinsmann: Sie haben zuletzt viel getan. Gerade bei Eins-gegen-Eins-Situationen muss man spritzig sein. Diese Spritzigkeit können sie noch nicht haben.

Frage: Warum hat Jens Nowotny nicht gespielt?

Klinsmann: Jens spielt weiter eine wichtige Rolle in unseren Überlegungen. Aber wir wollten Christoph Metzelder nach seiner Verletzung die Möglichkeit über 90 Minuten geben, seinen Rhythmus zu finden. Auch Robert Huth sollte sich präsentieren. Wir wollen in den Länderspielen vor der WM aber jedem die Möglichkeit geben, zu spielen.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus (sid)



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