DFB-Pokalfinale Maßanzug gegen Kampfmontur

Wenn im DFB-Pokal Bayern München und Borussia Dortmund gegeneinander spielen, ist das auch das Duell der beiden Supertrainer der Liga. Die Rollen sind verteilt: Josep Guardiola angespannt, Jürgen Klopp locker.

Aus Berlin berichtet


SPIEGEL ONLINE Fußball
In Zeiten, in denen Fußball zuweilen beinahe staatspolitische Bedeutung zukommt, wird jedes Detail wichtig. Josep Guardiolas Garderobe zum Beispiel. Normalerweise trägt der Bayern-Trainer elegante, stilvolle Anzüge nach Maß, zur gemeinsamen Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky) erschien der Katalane allerdings im Trainingsoutfit. Man kann das als Zeichen deuten, dass der FC Bayern im Kampfanzug in Berlin erschienen ist.

Im Vorfeld dieses Spiels, in Deutschland so etwas wie das Spiel des Jahres, ist der BVB ziemlich unvermittelt in die Favoritenrolle gerutscht. Oder anders formuliert: Die Bayern haben ihre natürliche Favoritenstellung nach dem Champions-League-Aus gegen Madrid und der Heimpleite in der Liga gegen Dortmund abgegeben. So kommt es zu der merkwürdigen Konstellation, dass der Verein, der in der Liga am Ende 19 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Dortmund aufwies, im direkten Aufeinandertreffen plötzlich als leichter Außenseiter gilt. Eigentlich ist das absurd.

Oder "vollkommen wurscht", wie Bayern-Kapitän Philipp Lahm, neben Guardiola, BVB-Coach Jürgen Klopp und dessen Spielführer Sebastian Kehl auf dem Podium, es ausdrückt. "Wir sind in guter Form, die Dortmunder sind in guter Form - wer da Favorit ist, kann ich nicht beantworten." Schließlich handele es sich bei den beiden Teams "einfach um die zwei besten in Deutschland".

Von Feindschaft zwischen den Klubs nichts zu spüren

Viel ist im Vorfeld über Rivalität bis hin zu Abneigung zwischen den beiden Klubs geschrieben worden, die Vorstände Karl Hopfner und Hans-Joachim Watzke haben dafür einiges getan. Die Trainer dagegen versuchten am Freitag alles, jedes Gift aus der Partie herauszunehmen. Aber auch in ihnen, in Jürgen Klopp und Josep Guardiola, spiegelt sich derzeit die neue Gewichtsverteilung der beiden Teams wider.

In Sachen Selbstbewusstsein zumindest haben die Dortmunder tatsächlich leichte Feldvorteile. Klopp, diesmal der Anzugträger in der Runde, spielt sein launiges Spiel mit den Journalisten, lässt den einen locker auflaufen, um mit dem Nächsten zu scherzen, erzählt kleine Anekdoten über die alten Treter von Dortmunds früherer Stürmer-Ikone Norbert Dickel.

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Pokal-Finale: Guardiolas Problemfälle
Anspannung - zumindest nach außen lässt der Dortmunder Trainer nichts davon raus. Auch wenn er sagt: "Dieses Spiel ist das Größte, was unter den derzeitigen Umständen zu spielen ist." Klopp behauptet immer gerne, sich auf ein Spiel "so richtig zu freuen", diesmal tut er es wohl wirklich. Noch ein Triumph über den FC Bayern, und der BVB hätte die Münchner in vier Partien dieser Saison dreimal geschlagen. Was will man dann noch mehr?

Für Guardiola ist die Situation eine ernstere, die Stimmung in München ist in den vergangenen sechs Wochen gekippt, und das ließ sich der Trainer auch anmerken. Seine Mittelfeldstrategen Bastian Schweinsteiger und Thiago fallen in jedem Fall aus, Mittelstürmer Mario Mandzukic, dessen Tage in München wohl gezählt sind, ließ er aus freien Stücken daheim. Befragt, warum er das getan habe, sagte Guardiola nur: "Das ist meine Entscheidung."

Mandzukic scheint keine Zukunft mehr zu haben

Mandzukic, der Stürmer, der nie Guardiolas Idealvorstellung von Offensivspiel entsprach, der den Bayern durch seine Treffer aber trotzdem so viele Punkte gesichert hat, dürfte keine Zukunft mehr bei seinem Trainer haben. Schon wird über einen Deal mit dem FC Chelsea spekuliert, nach dem die Londoner ihren Abwehrmann David Luiz nach München ziehen lassen und im Gegenzug Mandzukic bekommen sollen. "Das ist nicht der Ort und die Zeit, dazu Stellung zu nehmen", sagt Guardiola. Der Mann ist in Verteidigungshaltung.

Das hat natürlich auch sein Gegenüber Jürgen Klopp längst gemerkt. Und nutzt die Chance, dem Bayern-Trainer, dem dreifachen Champions-League-Gewinner gönnerhaft zur Seite zu springen: "Deutscher Meister werden, das reicht auch schon. Das ist eine tolle Sache. Lass dir nix von den Leuten erzählen."

Guardiola lächelt, aber es ist ein etwas gequältes Lächeln. Wahrscheinlich hat er schon in diesem Moment realisiert, dass Klopp in Form eines Komplimentes soeben den Dortmundern den Pokalsieg zugesprochen hat.

Borussia Dortmund - FC Bayern München (20.30 Uhr)
(Voraussichtliche Aufstellungen)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Jojic, Sahin - Mchitarjan, Reus, Großkreutz - Lewandowski
FC Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm, Martínez, Kroos - Robben, Müller, Götze
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)

insgesamt 41 Beiträge
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Tom Joad 16.05.2014
1. Pokal
Als einigermaßen neutraler Beobachter werde ich dem BVB die Daumen drücken. Sollte Dortmund Pokalsieger werden, würden die Spieler beider Mannschaften mit einem gewissen Erfolgsgefühl, aber auch noch mit Hunger zur WM fahren. Den Ausgang des Endspiels sehe ich absolut offen, da ist keiner Favorit - oder beide.
singliketroubardix 16.05.2014
2. Der doppelte Klopp mal wieder
Zitat von sysopDPAWenn im DFB-Pokal Bayern München und Borussia Dortmund gegeneinander spielen, ist das auch das Duell der beiden Supertrainer der Liga. Die Rollen sind verteilt: Josep Guardiola angespannt, Jürgen Klopp locker. http://www.spiegel.de/sport/fussball/klopp-und-guardiola-auf-der-pk-vor-dem-dfb-pokalfinale-a-969870.html
Da hatte die Presse mal wieder Gelegenheit mit Dr. Jekyll zu plaudern. Mal sehen, wann er wieder in Mr. Hyde mutiert. Denn dass das passieren wird, ist so sicher wie der Papst katholisch ist. Dann wird er wieder Journalisten anpöbeln, SR anmachen und überall die große Ungerechtigkeit wittern. Ich habe Respekt vor seiner fachlichen Kompetenz und vor dem, was er damit erreicht hat. Privat kenne ich ihn nicht. Doch er hat menschlich, sofern es sein Verhalten im beruflich-öffentlichen Raum betrifft, noch viel Luft nach oben. Aber er hat ja auch noch etwas Zeit.
aurichter 16.05.2014
3. Mandzukic wechselt zu Chelsea
weil er eigentlich hervorragend zur Philosophie eines Mourinho passt. Torres hat nicht den Rückhalt, was man auch an den Einsatzzeiten sieht, die bisweilen noch seltener sind als bei Schürrle. Lewandowski wäre nach TSO eigentlich die Idealbesetzung. Ob allerdings Luiz so einfach einen Freifahrtschein zu Bayern bekommt - sehr fraglich. Dann stellt sich auch noch die Frage, will er oder will er nicht? Für Bayern ein Glücks Treffer, ähnlich wie Dante. Aber wie schon gesagt, lässt Mourinho ihn gehen, ich denke eher nicht.
matthäuspassion 16.05.2014
4. Neue Mikrofone
braucht das Land, nämlich solche mit welchen die Trainer nicht ständig kollidieren, nachdem kluge Reporter unkluge Fragen stellen und die Trainer mit ihren kreisenden Oberkörpern ständig auf Kollisonskurs gehen mit diesen eigenartigen Tischschilfrohren. Pep hatte größere Schwierigkeiten als Klopp, den Fragen mit Muppetsmimik noch inhaltliche Substanz zu verleihen. Nur das öffentlich Wiegen bei Schwegewichtsweltmeisterschaftsterminen ist noch unterhaltsamer als Fragen zu anstehenden Fußballendspielen ergebnisbefriedigend zu beantworten. Doch nun zu den "Fakten". Die Info-Bombe platzte nicht, aber es sieht so aus als habe es einen Eklat zwischen Mandzukic und Pep gegeben, der zu einer Flucht eines kroatischen Fußballspielers vom Trainingsplatz des FCB geführt hat. Das ist mal 'ne Meldung, wenn sie dann so kommt. Also Unruhe im Bayernlager, während Klopp lässig in die Runde grinste und jokte, als hätte er das Finale schon gewonnen. Also stimmungstechnisch zeigt das Baromenter BVB an, alles ruhig intern, Lewandowski kann spielen. Man bräuchte jetzt doch mal schnell ein paar Mikros Modell "NSA" im Bayernlager … uiuiui, es ist was los bei Bayern München auf allen Etagen ...
stefan kaitschick 16.05.2014
5.
---Zitat--- So kommt es zu der merkwürdigen Konstellation, dass ein Verein, der in der Liga am Ende 19 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Dortmund aufwies, im direkten Aufeinandertreffen plötzlich als leichter Außenseiter gilt. Eigentlich ist das absurd. ---Zitatende--- Vor allem ist es absurd das zu behaupten. Die Buchmacher zahlen für einen BVB Sieg fast doppelt soviel wie für einen Bayern Sieg. Wo gilt Dortmund als Favorit? In der Eck-Kneipe des Autors?
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