Fotostrecke

Lukas Podolski: Ätzende Kritik, Hohn und Spott

Foto: dapd

Klopp vs. Podolski Lektion für den Meistermacher

Jürgen Klopp gilt als ebenso begnadeter Trainer wie Rhetoriker. Nun zieht Dortmunds Meistermacher ausgerechnet im verbalen Schlagabtausch mit Lukas Podolski den Kürzeren. Der Streit mit dem ehemaligen Wunschspieler offenbart, wie sehr die jüngste Ergebniskrise am BVB-Coach nagt.

"Lukas Podolski ist ein super Junge. Schnell, schussstark und immer fröhlich. Es ist geil, ihm zuzuschauen." Vor einem Jahr hätte Jürgen Klopp wahrscheinlich noch genau so auf die Frage nach einem potentiellen Interesse von Borussia Dortmund an Lukas Podolski geantwortet. Doch am Sonntag wählte der 44-Jährige Worte, die vermuten lassen, dass die vergangenen Monate nicht spurlos am Nervenkostüm des BVB-Trainers vorbeigegangen sind.

Zwar räumte Klopp ein, dass "Lukas ein außergewöhnlicher Spieler" sei, setzte anschließend jedoch zu ungewohnt harscher Kritik an: "Aber ich glaube, er wird in Köln so sehr gehypt, dass es schwer ist, regelmäßig Leistung abzurufen. Mit seinem Potential muss er einer der besten Stürmer, wenn nicht der beste Stürmer, in der Bundesliga sein - das ist er nicht. Das liegt daran, dass er seine Leistung nicht oft genug abruft. Und dann ist es uns zu teuer - für alle paar Wochen."

Klopp, als charmant, charismatisch und wortgewandt bekannt, vergriff sich nach dem 1:1 (1:0) seiner Borussia gegen den Drittletzten 1. FC Kaiserslautern im Ton. Dass Bundesliga-Trainer kritisch über Spieler urteilen, die nicht in ihrer Mannschaft spielen, ist selten. Noch seltener ist ein derart persönlicher Angriff. Klopps Worte wirkten wie eine Abrechnung mit Podolski, der den Trainer gleich zweimal abblitzen ließ.

Podolski sagte Dortmund zweimal ab

Bereits 2009, als der heutige Kölner noch beim FC Bayern München spielte, lobte Klopp ihn, wo er konnte. Der BVB-Trainer unternahm damals mehrere Versuche, Podolski von einem Wechsel nach Dortmund zu überzeugen. Erfolglos. Klopp nahm es gelassen hin, verpflichtete stattdessen Lucas Barrios und wurde mit dem argentinischen Stürmer in der vergangenen Saison Deutscher Meister. Doch schon im Februar 2011 probierte es Klopp erneut. Wieder sagte Podolski ab.

Wie aus Dortmunder Kreisen zu hören ist, kam ein Transfer ausschließlich aufgrund horrender Gehalts- und Handgeldforderungen nicht zustande. Bereits nach Nennung der ersten Zahlen soll der BVB die Gespräche abgebrochen haben. Klopp scheint das nicht vergessen zu haben. Und Podolski auch nicht, der die Vergangenheit als willkommene Steilvorlage für seinen Konter nutzte. "Das sind ja reizende Aussagen von Herrn Klopp. Vielleicht ist er etwas traurig, weil ich ihm schon zweimal abgesagt habe", sagte der Stürmer im "Express".

Die Kölner Kultfigur ist zum ersten Mal seit langem in einer Position, in der solche Aussagen nicht deplatziert wirken, weil seine sportlichen Leistungen endlich stimmen. Beim FC spielt er seine bisher beste Bundesliga-Saison. Seine beiden Tore beim 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg am vergangenen Samstag waren die Treffer 12 und 13 in dieser Spielzeit. Dazu kommen fünf Vorlagen. Insgesamt ist er damit an mehr als der Hälfte aller Kölner Tore direkt beteiligt.

Stich ins BVB-Herz

Dank Podolski findet sich der allenfalls durchschnittlich besetzte Club derzeit im Tabellenmittelfeld wieder. Am Dienstag, im Nachholspiel gegen Mainz 05 (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), ist der Sprung auf Platz sieben möglich. Das dürfte Podolskis derzeit sowieso schon riesiges Selbstbewusstsein noch größer werden lassen. Eineinhalb Jahre vor seinem Vertragsende in Köln interessieren sich offenbar gleich mehrere Top-Vereine für den Nationalspieler, darunter auch der FC Schalke und der FC Arsenal. Der Torjäger kann sich seinen nächsten Club ganz in Ruhe aussuchen.

So etwas streichelt die Seele. Und so positioniert sich der Offensivspieler auch abseits des Platzes neu: abgeklärt, zielstrebig, schlagfertig. Der Konter für Klopp passt da bestens ins Bild. Und Podolski trat noch einmal nach. "Andererseits hat er aber auch recht: Ich bin dem BVB tatsächlich zu teuer, weil ja nun die Champions-League-Einnahmen fehlen. Wo sie doch jetzt als Gruppenletzter ausgeschieden sind, kann ich verstehen, dass sich das nicht lohnt", sagte der Nationalspieler und traf damit einen Nerv.

Das Dortmunder Champions-League-Aus hat bei Klopp Spuren hinterlassen, genau wie die zwei aufeinanderfolgenden Remis in der Liga. Der Trainer wirkte in den vergangenen Wochen zunehmend gereizter, watschte in Gesprächen immer häufiger auch bei kritischen Fragen die Journalisten ab. Die Lockerheit früherer Tage war kaum noch zu spüren.

Dortmund und Podolski - das hätte passen können

Podolski hingegen, die Stimme seines Clubs, beherrscht die profitable Selbstinszenierung inzwischen deutlich besser als früher. Nach dem triumphalen Sieg im Rhein-Derby gegen Bayer Leverkusen (4:1) Mitte September äußerte er sich betont vernünftig: "Wir sollten nach diesem einen Spiel jetzt nicht anfangen zu träumen, sondern weiter arbeiten", sagte er damals.

Anfang Dezember, bei einem Interview im ZDF, zeigte sich Podolski professionell, zurückhaltend, unaufgeregt. Ein Vereinswechsel? "Anfragen sind ganz normal, aber damit beschäftige ich mich jetzt nicht." Nun, mit Beginn der heißen Phase im Vertragspoker, gibt er sich angriffslustiger. Am Wochenende kassierte nicht nur Klopp, sondern auch der eigene Sportchef verbale Kloppe.

Auf Volker Finkes Aussage, man werde nicht "mit einem Lukas Podolski in die neue Saison gehen, der seinen Vertrag noch nicht verlängert" habe, sagte er: "Ich habe noch anderthalb Jahre Vertrag. Wenn der Verein nicht mit mir in die neue Saison gehen will, muss ich vielleicht in der zweiten Mannschaft spielen oder auf der Tribüne sitzen."

Das kann sich Köln genauso wenig leisten wie Dortmund eine Verpflichtung des auf rund 15 Millionen Euro taxierten Podolski. Am Ende ist das vielleicht sogar für beide Parteien schade. Auf der einen Seite ein Verein auf dauerhaftem Champions League-Kurs, aber mit dem Makel der schwachen Chancenverwertung. Auf der anderen Seite Podolski, vor dem gegnerischen Tor so cool wie kaum jemand in der Bundesliga. Podolski und der BVB, das hätte passen können.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.