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Held im Derby: Klose trifft und wird gefeiert

Foto: Claudio Onorati/ dpa

Kloses Derby-Erfolg mit Lazio Neuer Held im Skandalclub

Lazio feiert Miroslav Klose. Der Ex-Bayer hat das Stadtderby in Rom durch einen Treffer in der Nachspielzeit entschieden und seinen Club damit von einem langen Fluch befreit. Doch auf dem Triumph liegt ein Schatten: Rechtsradikale Fans wollen Klose für sich vereinnahmen.

Hamburg - Miroslav Klose konnte einem leidtun. Gerade hatte der Stürmer Lazio Rom zum Sieg im Derby gegen den AS Rom geschossen, da wurde er von seinen Mitspielern in der Jubeltraube beinahe erdrückt. Die Zeit, die zwischen seinem Treffer und der Umarmungsorgie lag, reichte nicht mal für seinen üblichen Tor-Salto.

Dabei wäre die Einlage passend nach diesem Spiel gewesen, das Lazio im letzten Moment gedreht hatte. Die favorisierte Roma führte zur Pause durch einen frühen Treffer von Pablo Osvaldo (6.), es sah danach aus, als würde AS mal wieder ein Derby für sich entscheiden. Dann zog der ehemalige Wolfsburger Simon Kjaer im Strafraum die Notbremse gegen Cristian Brocchi und flog vom Platz. Den fälligen Elfmeter verwandelte Hernanes in der 52. Minute.

Lazio drückte, doch Romas Abwehr stand sicher - bis zur Nachspielzeit. Drei Minuten Nachschlag liefen bereits, als Matuzalem den Ball von der Strafraumgrenze zu Klose auf den Elfmeterpunkt schlenzte. Der ehemalige Bayern-Angreifer zeigte ungewohnte Schwächen in der Ballannahme, aber die gewohnte Stärke im Abschluss und schob zum 2:1 ein. Mit dem Schlusspfiff das Stadtderby zu drehen - viel mehr geht nicht für einen Fußballer. Nach fünf Derby-Pleiten in Serie bescherte der Routinier, der vor der Saison ablösefrei nach Italien gewechselt war, Lazio so den wichtigsten Sieg der Saison.

"Klose ist der Held. Er ist der wahre König Roms", schrieb die römische Sporttageszeitung "Corriere dello Sport". "Der beste Spieler des Derbys" titelte "La Repubblica". "Der Deutsche mit dem eisigen Blick und dem warmen Herz hat die Lazio-Fans mit seiner Persönlichkeit, seinem Teamgeist und seinen Toren erobert. Ein Tor bei einem Derby gleicht einer Krönung", schrieb die "Gazzetta dello Sport".

Immer wieder Faschismusskandale

Sein sechstes Tor im achten Pflichtspiel bedeutete für Lazio nicht nur den Sprung auf Platz vier, sondern sicherte dem deutschen Nationalstürmer auch einen Platz im Herzen der Fans. Dabei möchte man bei Lazio gar nicht alle Fans glücklich machen. Ein Teil der Anhänger macht keinen Hehl aus seiner Sympathie für den Faschismus. Bis zu seinem Karriereende 2006 vergötterten die Anhänger Paolo Di Canio, der mehrfach beim Torjubel den faschistischen Gruß zeigte und dafür bestraft wurde.

Immer wieder fiel ein Teil des Lazio-Anhangs in Derbys durch antisemitische Parolen negativ auf, bei der Partie am Sonntag widmeten sie Klose einen Doppelhalter der ganz besonderen Art. Auf Deutsch war darauf zu lesen: "KloSe mit unS", wobei Runenschrift verwendet wurde, die auch die Nationalsozialisten benutzten, unter anderem als Abkürzung für die paramilitärische Naziorganisation Schutzstaffel (SS).

Immer wieder wird Lazios Vereinsbossen vorgeworfen, nicht energisch gegen den rechtsradikalen Teil der Anhänger, der sich als Gruppe "Irriducibili" (Unbeugsame) nennt, vorzugehen. Klose täte auf jeden Fall gut daran, sich von dieser Gruppe nicht zum Helden stilisieren zu lassen. Eine heikle Aufgabe, denn wer sich distanziert, kann es sich bei den mächtigen Anhängern schnell verscherzen. Diese Erfahrung machte bereits in seiner kurzen Zeit bei Lazio Thomas Hitzlsperger, der sich seit Jahren gegen Rechtsradikalismus engagiert.

Kloses Teamkollege Stefano Mauri schwärmt derweil von dem 33-Jährigen in den höchsten Tönen und träumt schon von mehr: "Mit einem Spieler wie Klose haben wir realistische Chancen, um den Titel mitzuspielen."

Mit Material vom sid
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