Köln - Hertha Cullmanns goldener Schädel

Nach einem keineswegs berauschendem Fußballspiel am Samstagabend hat der 1. FC Köln wieder Anschluss an das obere Mittelfeld gefunden.


Archils langes Bein: Vergeblich versucht Herthas Tretschok den Ball an Kölns Arweladse vorbeizuzirkeln
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Archils langes Bein: Vergeblich versucht Herthas Tretschok den Ball an Kölns Arweladse vorbeizuzirkeln

Köln - Dem Zittersieg folgte der Dank an den Fan mit dem guten Draht nach oben: "Der Beistand von Kardinal Joachim Meisner hat uns geholfen", kommentierte Albert Caspers, der Vereins-Präsident von Aufsteiger 1. FC Köln, den schwer erkämpften 1:0 (0:0)-Erfolg über Hertha BSC Berlin, womit nach vier Partien ohne Sieg im Müngersdorfer Stadion der Heimfluch beendet wurde. Meisner zitterte in Begleitung von zwei Bischöfen mit FC-Schal um den Hals auf der Tribüne mit.

"Wieder als Mannschaft aufgetreten"


Der erste Bundesliga-Champion kehrte mit alten Tugenden auf den Erfolgspfad zurück und präsentierte sich als starkes Kollektiv. "Jeder ist für jeden gelaufen. Wir sind wieder als Mannschaft auftreten, so kommen die individuellen Stärken jedes Einzelnen auch besser zur Geltung. Wir können nun in Bochum befreiter auftreten", analysierte Kapitän Dirk Lottner, der mit seiner Elf zuletzt daheim 228 Minuten ohne Torerfolg geblieben war.

Mit jetzt 33 Punkten haben die `Geißböcke" den Abstand auf die Abstiegsränge auf wieder sieben Zähler ausgebaut. "Wenn die Kölner gegen uns verloren hätten, wäre es für sie nochmal eng geworden. Aber jetzt sieht es im Kampf gegen den Abstieg sehr günstig für sie aus", so Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Auch FC-Trainer Ewald Lienen war nach dem Sieg sichtlich erleichtert. "Wir haben die Punkte wirklich nötiger als Berlin gebraucht. Drei Zähler waren nach zwei Heimniederlagen lebenswichtig. Schließlich haben die anderen Mannschaften zuletzt kräftig gepunktet und sind rangekommen."

"Das war krass"


Carsten Cullmann, Sohn von Nationalspieler Bernd Cullmann, krönte seine großartige Leistung vor 34.500 frierenden Zuschauern mit seinem dritten Saisontor zum entscheidenen 1:0 in der 48. Minute. Danach besaßen zweimal Markus Kurth und Christian Springer noch drei Hundertprozentchancen zur Resultatserhöhung, aber sie vergaben. "Wir hätten uns das Zittern sparen können", stellte Lienen ärgerlich fest: "Das war krass. Eine von diesen Chancen musste zum 2:0 führen." Kurth kleinlaut: "Ich weiß selbst, dass ich ein Tor machen musste."

Allerdings stellte sich der Kölner Stürmer ebenso wie "U21"-Nationalspieler Christian Timm voll in den Dienst der Mannschaft. Sie rackerten und kämpften, absolvierten ein riesiges Laufpensum. Lienen bescheinigte Timm eine "hervorragende Leistung", auch wenn der Ex-Dortmunder seit 885 Minuten nicht mehr getroffen hat. "Ich bewerte einen Spieler nicht nach seinen Toren, das sollen andere tun", meinte der Kölner Coach. Lienen warnt allerdings vor zu großer Euphorie rund ums Geißbockheim. Seiner Meinung nach wird die kommende Aufgabe beim Tabellenletzten VfL Bochum keineswegs einfacher. "Was heißt hier leichter? Wir spielen in Bochum. Jedes Spiel bleibt ein Endspiel, das wird alles noch sehr spannend", sagte Lienen fast wütend.

Während die Rheinländer mit starker Willenskraft den Erfolg erzwangen, fehlte es den Gästen von der Spree in einigen Szenen an der nötigen mentalen Stärke. So übte Trainer Jürgen Röber Kritik am Griechen Kostas Konstandinidis, der beim Stande von 0:0 kurz nach der Halbzeit mit einem Lattenkopfball das Berliner Führungstor verpasste. Im Gegenzug machte die Kölner das 1:0.

"Die Kölner hatten doch die Hosen voll"


"Kostas hätte das Tor machen müssen, aber er war nicht entschlossen genug, es auch machen zu wollen." Manager Hoeneß trauerte den vergebenen Punkten nach: "Wir habe eine große Chance verpasst." Schließlich hätten die Herthaner in Köln sowie in den bevorstehenden Heimspielen am Mittwoch gegen Unterhaching und am Samstag gegen Rostock einen großen Schritt in der Tabelle nach vorne machen können. Hoeneß verärgert: "In der ersten Halbzeit hatten die Kölner doch die Hosen voll, das war unsere Chance."

Von Christoph Fischer, sid

1. FC Köln - Hertha BSC Berlin 1:0 (0:0)
1:0 Cullman (48.)
Köln: Pröll - Cullmann, Sichone, Dziwior, Keller - Kreuz (87. Scherz), Lottner, Springer - Timm (90. Baranek), Kurth, Arweladse (83. Bulajic)
Berlin: Kiraly - Rehmer, Maas (62. Dardai), van Burik, Hartmann - Schmidt, Konstantinidis (62. Sverrisson), Tretschok (79. Daei) - Wosz - Alves, Preetz
Schiedsrichter: Dr. Wack (Biberbach)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Sverrisson



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