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Volker Finke: Die Freiburger Ikone

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Köln-Sportchef Finke Der Spalter

Sportdirektor Volker Finke wird am Samstag wohl ein letztes Mal als Trainer des 1. FC Köln auftreten. Seine ungeschickte Vorgehensweise beim Konflikt mit Vorgänger Frank Schaefer entzweit die FC-Fans noch immer - Mobbing steht allerdings kaum dahinter.

Am Kölner Geißbockheim lässt sich dieser Tage das Ende der Trainer-Legende Volker Finke beobachten. Wenn der Norweger Stale Solbakken wie erwartet verpflichtet wird, dann leitet der Fußball-Lehrer letztmals Übungen auf dem Trainingsplatz. Die Kiebitze im Kölner Westen empfinden keine Wehmut bei diesem Anblick. Im Gegenteil. Für die meisten Anhänger in der Rheinmetropole ist Finke nur noch der Mann, der verhindert hat, dass der zurückgetretene Trainer Frank Schaefer den Club in eine glorreiche Zukunft führt.

Es ist offenkundig ein Merkmal des späten Volker Finke, dass er polarisiert. Als er vor vier Jahren in Freiburg entlassen wurde, hinterließ er eine gespaltene Stadt - auf der einen Seite die Leute, die für seinen Verbleib demonstrierten, auf der anderen eine große Fraktion, die über die Jahre eine tiefe Abneigung gegen den ewigen Trainer entwickelt hatte. In Köln ist die Gruppe seiner Befürworter ziemlich klein.

Schon auf der Jahreshauptversammlung im vorigen Herbst, als der Vorstand nicht entlastet wurde und dem damaligen Manager Michael Meier der blanke Hass entgegen schlug, war Schaefer der einzige Clubvertreter, dem die Mitglieder huldigten. Nicht wegen seiner guten Arbeit - Schaefer hatte gerade ein Heimspiel 0:4 gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach verloren - sondern einfach, weil er ein Kölscher ist. Ein sympathischer, ein ehrlicher Typ. Und weil er seit Menschengedenken für den FC arbeitet.

Attacken aus dem Hinterhalt

Als Schaefer dann auch noch das eigentlich entzweite Sturmduo Podolski/Novakovic in Schwung brachte und die Mannschaft zu einer historischen Serie von sieben Heimsiegen hintereinander coachte, hätten ihm die Kölner gerne einen Platz in der Galerie der ewigen Helden freigeräumt. Direkt neben Franz Kremer, Christoph Daum, Wolfgang Overath und Lukas Podolski.

Finke jedoch war gar nicht glücklich mit der Arbeit des Trainers - das lässt sich ziemlich deutlich herauslesen aus der Summe seiner Aussagen. Noch während der Serie erfolgreicher Heimspiele monierte der Sportdirektor eine "negative Tendenz" in der Qualität des Spiels. In einer Videoanalyse vor der Mannschaft fühlte er sich gar veranlasst, Schaefers offenbar unzureichende Erläuterungen zu ergänzen - manche sagen auch: zu verbessern. "Zweifellos ist Volker Finke ein Visionär. Doch er ist stets Lehrer geblieben", hat die "Süddeutsche Zeitung" einmal geschrieben.

Außerdem kam Schaefer offenbar nicht klar mit den älteren Spielern, die hatten "Probleme damit, dass Frank 27 Jahre im Ausbildungsbetrieb gearbeitet hat", sagte Finke am vergangenen Samstag im Aktuellen Sportstudio, wo ihm sein Unbehagen an der Situation deutlich anzumerken war. Er zweifelte an der Bundesligatauglichkeit Schaefers, Schaefer selbst konnte sich nicht zu einem Bekenntnis durchringen, die Profimannschaft des FC trainieren zu wollen. Nun musste Finke einer Stadt beibringen, dass der verherrlichte Trainer vielleicht doch nicht so großartig ist wie alle glauben.

Finkes folgenschwerer Fehler

Das war sein Job als Sportdirektor, und da machte Finke seinen großen Fehler. Er erzählte Journalisten von seinen fachlichen Zweifeln an dem Fußball-Lehrer, der sein ganzes Leben lang nur mit Jugendspielern gearbeitet hatte. Darüber hinaus deutete er an, dass es dem Baptisten Schaefer möglicherweise schwer falle, seine Religiosität mit den Gepflogenheiten des Profifußballs in Einklang zu bringen. Wahrscheinlich wollte Finke vor allem das unter den Fans verklärte Bild des Trainer-Messias Schaefer ins rechte Licht rücken.

Denn mit irrationalen Urteilen hat der strategisch denkende Fußballmensch Finke ein Problem. Er konnte nur schwer ertragen, wie dieser Trainer, von dem er selbst immer weniger überzeugt war, in den Status eines Superhelden gehievt wird. "Sehr ehrgeizig" müsse der Trainer des FC sein, aber auch "taktisch und spieltaktisch auf dem modernsten Stand", sagt Finke. Beides gilt für den zögerlichen Schaefer, dem einige FC-Profis vorwerfen, er trainiere sie "wie A-Jugendspieler", in den Augen Finkes nur bedingt. Zutreffen soll das Profil dagegen auf Stale Solbakken. Nach einem Bericht des norwegischen Fernsehsenders TV2 steht die Vertragsunterzeichnung mit dem derzeitigen Coach des FC Kopenhagen unmittelbar bevor.

Von außen ist schwer zu beurteilen, ob Finke wirklich einen fähigen und modernen Trainer weggemobbt hat. Der Blick in die Vergangenheit spricht allerdings gegen diese Theorie. Denn der ehemalige Gymnasiallehrer ist eigentlich nie ein Mensch gewesen, der sich hinterlistige Strategien ausdachte. Zwar hat er auch in Freiburg immer wieder Leute verletzt, aber eher durch mangelnde Empathie als durch Bösartigkeit.

Jedenfalls hat der 63-Jährige immer im Interesse seiner Clubs gearbeitet, und auch in Köln gibt es kein klares Indiz dafür, dass er gegen die sportlichen Interessen des Vereins agierte. Der Gedanke, dass Schaefer einfach nicht taugt, um den Verein in die herbeigesehnte Erfolgszukunft zu führen, scheint in Köln tabu zu sein. Und Finke hatte - vielleicht auch unter dem Einfluss des nicht entlasteten Vorstandes - nicht den Mut, diese Überzeugung offen und fachlich fundiert zu kommunizieren.

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