Köln-Star Podolski Abmarsch des Prinzen

Lukas Podolski wird den 1. FC Köln nach dieser Saison verlassen, das gilt als sicher. Die Fans befürchten den sportlichen Absturz, der Verein muss sich nun neu erfinden. Der Verkauf der Club-Ikone könnte aber weit weniger Geld bringen als gewünscht.

DPA

Aus Köln berichtet


Gut gelaunt betritt Lukas Podolski die Kölner Geschäftsstelle, schlendert locker in der Jogginghose durch die Flure. Ein Lächeln hier, ein nettes Wort da. Der 26-Jährige setzt sein breitestes Grinsen auf und begrüßt die zwei Empfangsdamen namentlich. Der Daumen ist hochgereckt. Podolski sagt: "Der FC steigt nicht ab, auf keinen Fall." Wieder grinst er. Wenn er ernst guckt, dann meist, wenn es um die Frage geht, ob er in der kommenden Saison noch für die Kölner stürmen wird: "Dazu äußere ich mich nicht."

Podolski schweigt zu seiner Zukunft. Die "Bild"-Zeitung hat inzwischen über eine vermeintliche Einigung zwischen Podolski und dem Premier-League-Club FC Arsenal berichtet. Inoffiziell ist aus dem Geißbockheim zu hören, dass man sich keine echten Hoffnungen auf einen Verbleib des Stars mehr macht. Der Verein hofft nur noch, eine möglichst hohe Ablösesumme herauszuschlagen.

Dazu gilt es allerdings, erst einmal die Klasse zu erhalten. Derzeit ist Köln auf dem 14. Tabellenplatz. Im Abstiegsfall existiert für Podolski laut "Bild"-Zeitung eine Ausstiegsklausel. Er könnte für eine vergleichsweise lächerliche Transfersumme von sechs Millionen Euro gehen.

Podolskis Abgang bedeutet eine Zäsur beim FC

Der Abgang Podolskis würde eine Zäsur einläuten, manche sprechen schon von der "Vor-Poldi"- und "Nach-Poldi"-Zeit. Die Stadt brauchte immer ihre Heilsbringer, von Konrad Adenauer über Willy Millowitsch bis Wolfgang Overath. Podolski hat seinen Platz in dieser Reihe. Köln würde weinen, wenn er geht.

Der Sportdirektor allerdings kann mit solchen Sentimentalitäten nicht viel anfangen. "Wir sind nicht bestrebt, irgendeinen Personenkult fortzuführen oder neu aufzubauen. Das kann man sowieso nicht erzwingen. Stars oder Fanlieblinge entstehen nicht am Reißbrett", sagt Volker Finke. Der 63-Jährige plant vielmehr, wie er den Wegfall des mit 16 Toren und fünf Vorlagen besten Torschützen der Kölner sportlich auffangen kann.

"Bei den zukünftigen Transfers geht es nicht um einen einzigen Podolski-Ersatz. Barcelona könnte Messi auch nicht eins zu eins ersetzen", sagt Finke. Er will zukünftig viel mehr auf junge, selbst ausgebildete Spieler setzen, die von ein, zwei Neuverpflichtungen umrahmt werden sollen: "Unser Jugendkonzept ist Teil einer langfristigen Konsolidierung", sagt Finke.

92 Neuverpflichtungen in fünfeinhalb Jahren

Für die Kölner ist das ein völlig neuer Weg. Denn seit 2006 wechselten jährlich mindestens elf Spieler vor der Saison in den Profikader, insgesamt waren es in den vergangenen fünfeinhalb Jahren 92 Akteure. Der Gesamttransferwert lag dabei bei über 80 Millionen Euro, die Einnahmen tendierten hingegen Richtung null.

"Bei vielen der in den vergangenen Jahren geholten Spielern stimmte das Preis-Leistungsverhältnis einfach nicht", sagt Finke. "Unsere Idealvorstellung wäre es, jemanden für eine Ausbildungsentschädigung zu kaufen und irgendwann für 20 Millionen zu verkaufen." Bisher war es in Köln gerne umgekehrt.

Mit der neuen Philosophie will der FC einem Ligatrend folgen, geprägt von Mannschaften wie den beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach, die auf junge Talente setzen. Es gehört zur Ironie, dass es Podolski selbst ist, der durch seinen Verkauf diesen Weg nun ebnet. Schließlich hatte der Star immer wieder das Fehlen einer klaren Vereins-Philosophie beklagt.

Wieviel Geld ein Podolski-Deal wirklich in die Kölner Kassen spült, hängt nicht nur von der Summe ab, die ins Rheinland überwiesen wird, sondern auch davon, wie viele Besitzansprüche von dritten Personen darauf gestellt werden. Denn beim Transfer von Podolski aus München nach Köln waren zwei Investoren beteiligt, die nun deshalb jeweils zehn Prozent der jetzigen Ablösesumme erhalten könnten. Zudem hat der FC Bayern ein Anrecht auf zehn weitere Prozent, da Podolski vor Ablauf seines Vertrags Köln verlässt.

Macht zusammen 30 Prozent, die für den FC von der Ablösesumme wegfallen könnten. In konkreten Zahlen heißt das: Von 15 Millionen Euro würden Köln im schlechtesten Fall nur 10,5 Millionen bleiben. Das Feilschen um die Ablösesumme ist noch in vollem Gange, bis zur Einigung kann es dauern.

"Es geht hier ja um Menschen und nicht um Notstromaggregate, die man nach Belieben ein- und ausschaltet", sagt Finke. Angebote für neuen Spieler will er erst abgeben, wenn er Klarheit in Sachen Podolski hat. Danach hat man in Köln die Chance zu zeigen, dass beim FC auch mal Systeme vor Personen stehen können.

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Bee1976 06.03.2012
1. Was plant er denn ?
Zitat von sysopDPALukas Podolski wird den 1. FC Köln nach dieser Saison verlassen, das gilt als sicher. Die Fans befürchten den sportlichen Absturz, der Verein muss sich nun neu erfinden. Der Verkauf der Club-Ikone könnte aber weit weniger Geld bringen als gewünscht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,819523,00.html
Der gute Volker Finke ? Spieler zu kaufen die Solbakken eh nicht aufstellt ? Das Poldi geht wird ihm wohl keiner verdenken, mit seinen ambitionen und als Nationalspieler sollte er schon bei einem club spielen der mindestens in der EL spielt. Wenn er nach England geht wird er aber Probleme haben sich da durchzusetzen. Für mich haette es den vorteil er würde aus dem öffentlichen blick hier verschwinden, und da ich ihn nichtm ag würde ich das begrüßen.
panzerknacker51, 06.03.2012
2. FC und System
Dreimal kurz gelacht oder wie in Kölle üblich Alaaf! Beim FC von systematischen Handlungen zu sprechen ist in etwa so, als wenn man von einer Kuh erwarten würde, sie würde eine Sonate von Beethoven abliefern. Der Finke kann einem eigentlich nur leidtun. Aus dem beschaulichen Freiburg, wo man als - im richtigen Sinne - Fußball-Lehrer arbeiten kann, kommt er nach Köln und muß sich mit unterdurchschnittlichem Spielermaterial und der grandiosen nur von Berlinern noch übertroffenen Großmannssucht auseinandersetzen. Daß man einen knapp über dem Durchschnitt befindlichen Spieler wie Podolski in der Presse als Prinz und damit zum Hoffnungsträger hochschreibt, gehört zum "Feeling" in der Domstadt. Diesen Mann von Bayern, wo er sich nicht durchsetzen konnte, zurückzukaufen (Hoeneß lacht sich jetzt noch schlapp) war nicht der einzige Kardinalfehler im Verein. Man kann für den FC, dessen Anhänger kölnbesoffen bei der Rückkehr von "Poldi" schon von der Champions-Leage faselten, nur hoffen, daß die Verantwortlichen endlich Kassensturz, und nicht nur im Finanzbereich, machen, um einen akzeptablen Weg in die Zukunft zu finden. Naja - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt ...
tylerdurdenvolland 07.03.2012
3. ???
Zitat von Bee1976Der gute Volker Finke ? Spieler zu kaufen die Solbakken eh nicht aufstellt ? Das Poldi geht wird ihm wohl keiner verdenken, mit seinen ambitionen und als Nationalspieler sollte er schon bei einem club spielen der mindestens in der EL spielt. Wenn er nach England geht wird er aber Probleme haben sich da durchzusetzen. Für mich haette es den vorteil er würde aus dem öffentlichen blick hier verschwinden, und da ich ihn nichtm ag würde ich das begrüßen.
Sie meinen wirklich Poldi würde Probleme bekommen einen van Persie zu verdrängen? (Ironie aus)
panzerknacker51, 07.03.2012
4. Der war gut
Zitat von tylerdurdenvollandSie meinen wirklich Poldi würde Probleme bekommen einen van Persie zu verdrängen? (Ironie aus)
Ich lach' jetzt schon, wenn der nach einem Jahr wieder vor der Tür der FC-Geschäftsstelle steht und heult: "Ich will hier wieder rein!"
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