Kölns Sportdirektor Finke "Ich übernehme die Verantwortung"

Beim 1. FC Köln und seinen Fans gilt er als umstritten: Sportdirektor Volker Finke hat sich daran gemacht, den Verein grundlegend zu verändern. Im Interview spricht er über die Rolle von Lukas Podolski, den Kapitänsstreit und den neuen Trainer.  
FC-Sportdirektor Finke: "Von Podolskis Qualität brauchen wir mehr"

FC-Sportdirektor Finke: "Von Podolskis Qualität brauchen wir mehr"

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

SPIEGEL ONLINE: Ihr Nationalspieler Lukas Podolski hat dieser Tage verlauten lassen, er werde in Zukunft auch ohne Kapitänsbinde weiter für den 1. FC Köln auflaufen. Wie bewerten Sie das?

Finke: Ich freue mich über jede positive Äußerung von Lukas Podolski, weil er der talentierteste Spieler unserer Mannschaft ist. Mit seinen 89 Länderspielen und seinen herausragenden Qualitäten in der Offensive macht er für uns oft den Unterschied aus. Daher wünsche ich mir und arbeite zugleich daran, dass er noch sehr lange für den 1. FC Köln spielen wird.

SPIEGEL ONLINE: Wie passt denn diese Aussage damit zusammen, dass der Kölner Boulevard seit Wochen mutmaßt, Sie seien an Podolskis Entmachtung, also der Maßnahme, ihm die Kapitänsbinde zu entziehen, mitschuldig?

Finke: Das sind eben Spekulationen. Es ist müßig, das immer wieder zu kommentieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten mit der Kapitänsentscheidung also nichts zu tun?

Finke: Diese Entscheidung ist alleine Trainersache. Nur der Trainer entscheidet, ob er den Kapitän wählen lässt oder eben selbst entscheidet. Das ist doch nicht der Job eines Sportdirektors.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie haben den neuen Trainer Stale Solbakken bei seiner Entscheidung nicht beeinflusst?

Finke: Der Trainer hat sich selbst ein Bild gemacht. Er hatte viele Einzelgespräche, auch mit Lukas. Er hat verschiedene Spieler als Kapitäne auflaufen lassen und sich ihre Rolle auf dem Feld angeschaut. Rechtzeitig vor Beginn der Pflichtspiele hat er eine Entscheidung gefällt, die man akzeptieren muss. Und mir jetzt zu unterstellen, ich habe diese Entscheidung beeinflusst, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Dafür gibt es überhaupt keine Argumente.

SPIEGEL ONLINE: Aber der Trainer wird Sie, der die Mannschaft seit einem halben Jahr hautnah erlebt, doch sicherlich gefragt haben, wen Sie als Kapitän befürworten.

Finke: Natürlich haben wir über die Kapitänsfrage gesprochen. Ich habe ihm als Gesprächspartner aber überhaupt keine konkreten Empfehlungen gegeben, welchen Spieler ich für geeignet halte. In dem Zusammenhang habe ich Solbakken die emotionale und mediale Situation in Köln versucht zu erläutern.

SPIEGEL ONLINE: Dementsprechend wussten Sie, welches Medien- und Fan-Echo durch Podolskis Entmachtung ausgelöst wird. Warum haben Sie Solbakken nicht von seiner Entscheidung abgehalten?

Finke: Weil er der Trainer ist und ich der Sportdirektor. Wir können uns austauschen, aber die letzte mannschaftsinterne Entscheidung trifft eben er. Ich finde das gut so und akzeptiere seine Entscheidungen.

SPIEGEL ONLINE: Aber hat sich diese Entscheidung nicht zu lange hingezogen?

Finke: Lukas ist wegen seiner Länderspielaktivität später zur Mannschaft gestoßen, so dass Solbakken nur eine gewisse Zeit hatte, mit ihm und seinen Mitspielern zu sprechen. Der Trainer wollte sich einen Eindruck von seinen Spielern machen und hat die Binde eben auch eine Weile rotieren lassen, bis er wusste, wen er will. Zudem hat Solbakken immer betont, er werde sich eine Woche vor dem Pflichtspielstart auf seinen Kapitän festlegen. Das ist doch nachvollziehbar.

SPIEGEL ONLINE: Die Kapitäns-Diskussion wirkte zeitweise wie eine Demontage Podolskis. Gab es von Ihrer Seite jemals den Wunsch, Podolski zu verkaufen?

Finke: Nie. Wirklich niemals. Lukas ist der talentierteste und wertvollste Spieler dieser Mannschaft. Von dieser Qualität braucht man eigentlich viel mehr Spieler beim FC.

SPIEGEL ONLINE: Degradiert man mit dieser Aussage nicht die anderen Spieler?

Finke: Keineswegs. Denn viele unserer anderen Leistungsträger haben eben auch bestimmte hervorragende Qualitäten und Funktionen, die wichtig für eine Mannschaft sind. Und so wie ich den Trainer verstanden habe, ist genau das der Grund, warum man eben jemanden anderen die Kapitänsbinde tragen lässt. Es geht darum, die Verantwortung auf viele Schultern aufzuteilen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben beim FC innerhalb eines halben Jahres fast jeden Stein umgedreht und sich mit etlichen Personen angelegt. Ist es notwendig so anzuecken?

Finke: Ich finde, das ist eine sehr eigenwillige Interpretation. In Wirklichkeit arbeitet der Club an einer Neuausrichtung, die vom Vorstand auf der letzten Mitgliederversammlung in Auftrag gegeben wurde. Im Rahmen dieser Entscheidung ist es in meinem Aufgabenbereich, die sportlichen Strukturen zu überprüfen und in diesem Bereich für die Zukunft die sportliche Verantwortung zu übernehmen. Mit der sportlichen Kompetenz, die ich in vielen Jahren in der Bundesliga erworben habe, versuche ich, mit anderen zusammen Dinge zu verbessern. So etwas geht nur im Team. Das heißt: Ich übernehme Verantwortung, arbeite aber mit anderen an dieser Optimierung.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das konkret?

Finke: Wir haben professionellere Strukturen im Umfeld der Mannschaft geschaffen. Das geht von der Scouting-Abteilung bis zum Medizinstab. Diese Veränderungspläne wurden im Vorfeld innerhalb des Vereins von allen Seiten bejaht. Die Umsetzung tut dann aber manchmal etwas weh. Allerdings war sie unausweichlich.

SPIEGEL ONLINE: Wie muss denn der FC in Zukunft funktionieren?

Finke: Es ist notwendig, dass wir die einzelnen Abläufe weiterhin auf den Prüfstand stellen und alle Entscheidungen hinterfragen. Die Emotionalität, die den Verein ausmacht, soll dabei natürlich erhalten bleiben. Sie muss sich aber auch mit der modernen Sachlichkeit des Profisports vertragen. Es kann nicht sein, dass ein solch großer Club wie der FC seine Zukunft immer aus der Vergangenheit zieht. Wir müssen den FC dahin bekommen, dass er sich wieder eine neue Zukunft, mit neuen Höhepunkten erarbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Ist der FC Ihr bislang schwerster Job?

Finke: Zumindest ist es der unruhigste.

Das Interview führte Rafael Buschmann
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