Körperliche und mentale Probleme Calmund steigt bei Leverkusen aus

Eine Fußball-Institution tritt ab. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Reiner Calmund hat überraschend seinen Rückzug bekannt gegeben. Der schwergewichtige Manager führte körperliche und mentale Probleme als Gründe an. Nachfolger wird der bisherige Co-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Leverkusen - Calmund, 55, scheidet bereits zum 30. Juni als Geschäftsführer in Leverkusen aus. "Ich bin nach 27 Jahren Arbeit an vorderster Front körperlich und mental nicht mehr in der Lage, die Anforderungen meines Jobs zu hundert Prozent zu erfüllen", wurde Calmund in einer Pressemitteilung von Leverkusen zitiert.

Mit Tränen in den Augen sowie stockender Stimme äußerte sich Calmund am Abend auf einer Pressekonferenz: "Ich war immer auf dem Bock, immer in der Verantwortung, ob es um die Jugendarbeit, das Marketing oder die Profi-Abteilung ging. Ich bin platt!"

Er habe sich bereits vor einiger Zeit Gedanken über seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft gemacht, dies dann aber so lange zurückgestellt, bis der Club wieder erfolgreich war. Das sei mit Platz drei in der gerade abgelaufenen Spielzeit und der damit verbundenen Rückkehr auf die internationale Bühne gelungen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Arbeit für Bayer hatte er einst als sein "Lebenswerk" bezeichnet.

Unter der Regie von Calmund wurde Leverkusen Uefa-Cup-Sieger 1988, DFB-Pokalsieger 1993, viermal deutscher Vizemeister und erreichte sechsmal die Champions-League. Höhepunkt war dort im Jahre 2002 die Finalteilnahme gegen Real Madrid (1:2).

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XXL-Manager Calmund: Ein Unikum der Bundesliga

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Calmund war mehr als zweieinhalb Jahrzehnte die Galionsfigur der Bayer-Fußballer. Mit seinem rheinischen Humor wurde er zu einem Unikat in der Bundesliga. Seit dem Bundesliga-Aufstieg 1979 war "Calli" unumschränkter Herrscher bei Bayer. Er verpflichtete Star-Trainer wie Dettmar Cramer, Rinus Michels, Christoph Daum und Berti Vogts. Außerdem sorgte Calmund mit den Transfers von Stars wie Bernd Schuster, Rudi Völler, Jorginho, Lucio, Paulo Sergio, Emerson, Ulf Kirsten und Andreas Thom für Schlagzeilen. Calmund gehörte nach dem EM-Debakel 2000 auch der Task Force der Bundesliga an, die die Arbeit von Teamchef Völler in der Nationalmannschaft unterstützen sollte.

Zwei Ehen gingen in die Brüche

Schwer zu schaffen machte Calmund die "Daum"-Affäre im Oktober 2000. Als bekannt wurde, dass der damalige Trainer Kokain konsumiert hatte, musste Calmund seinen langjährigen Weggefährten und Erfolgstrainer schweren Herzens entlassen.

Durch sein großes Engagement für den Verein, dem er fast rund um die Uhr zur Verfügung stand, litt aber auch sein Privatleben. Zwei Ehen gingen in die Brüche. Im vergangenen September heiratete Calmund unmittelbar nach der zweiten Scheidung seine Lebensgefährtin Sylvia Häusler.

Nachfolger als Sprecher der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen wird zum 1. Juli Wolfgang Holzhäuser. Der 54-Jährige galt bislang als designierter Nachfolger von Wilfried Straub, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Ich kann den Verein in dieser Situation nicht im Stich lassen", sagte Holzhäuser, der im Verein für die Finanzen zuständig ist.

Vor Calmund hatte Bayer bereits Manager Ilja Kaenzig, der zu Hannover 96 wechselte, als weitere Führungspersönlichkeit verloren. Eigentlich sollte Kaenzig sogar als Nachfolger Calmunds beim Uefa-Cup-Sieger von 1988 aufgebaut werden. Er sah allerdings zuletzt nicht mehr die entsprechende Perspektive in Leverkusen, nachdem Calmund offen über eine Rückkehr von DFB-Teamchef Rudi Völler nach der WM 2006 in Deutschland nachgedacht hatte. "Ich bedaure sehr, was passiert ist. Ich bin herbe enttäuscht und geschockt", sagte Kaenzig. Dass er Bayer verlassen habe, "steht aber in keinem Zusammenhang mit der Entwicklung".

Wir waren gezwungen, für Kontinuität zu sorgen. Das ist uns gelungen. Herr Holzhäuser wird zum 1. Juli Sprecher der Geschäftsführung. Damit sind all seine Überlegungen, zur Liga zu wechseln, erledigt", sagte der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink. Zwischen Calmund und Holzhäuser hatte es intern mehrfach Konflikte gegeben. Nun muss der aus Frechen stammende Calmund die Macht an seinen langjährigen Weggefährten abtreten.

Seine Kollegen reagierten verwundert auf die Ankündigung Calmunds. "Das ist eine große Überraschung und wundert mich", sagte Klaus Allofs von Deutschen Meister Werder Bremen. "Von solchen Ideen hatte ich nichts geahnt und gehört. Klar, der Job ist eine nervenaufreibende Geschichte. Und er zehrt, wenn man ihn so lange wie Calmund macht."

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