Kohler in Leverkusen "Udo Lattek ist mein Vorbild"

Acht Spieltage vor Saisonende soll Jürgen Kohler als Sportdirektor Bayer Leverkusen vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga retten. Der bisherige U21-Nationaltrainer setzt beim Tabellenvorletzten auf seine Erfahrungen in Dortmund.


Leverkusen - "Das Gute ist, dass ich mit Borussia Dortmund die gleiche Situation erlebt habe. Deshalb weiß ich genau, was in den Spielern vorgeht, erklärte Kohler, 37, am Montag bei seinem offiziellen Arbeitsbeginn und erinnerte an die Saison 1999/2000, als sein Ex-Verein vom Gespann Udo Lattek/Matthias Sammer vor dem Abstieg gerettet wurde. "Udo Lattek ist mein Vorbild als Mensch und Trainer", sagte Kohler.

Ein Herz und eine Seele: Jürgen Kohler (l.) und Reiner Calmund
DPA

Ein Herz und eine Seele: Jürgen Kohler (l.) und Reiner Calmund

Schon am Sonntag hatte er in langen Gesprächen mit Trainer Thomas Hörster und Profis wie Oliver Neuville, Jens Nowotny und Ulf Kirsten die prekäre Lage des Tabellen-17. der Fußball-Bundesliga erörtert. "Jetzt gilt es, die Kräfte zu bündeln und eine Fehleranalyse zu machen - alles in Ruhe und mit kühlem Kopf. Ich habe in schwierigen Situationen immer klare Vorstellungen gehabt, sagte Kohler, der sich mit einem 1:0-Sieg gegen Litauen am Freitag als U21-Trainer verabschiedet und sich für die kommenden fünf Jahre in Leverkusen verpflichtet hat.

"Er steht für Fleiß, Disziplin und Willenskraft. Und trotz seiner großen Erfolge hat er immer Bodenhaftung bewahrt", lobte Bayer-Manager Reiner Calmund seine Wunschlösung als Nachfolger von Rudi Völler. "Dass wir uns von ihm eine Initialzündung erwarten, ist auch klar." Kohler stellte klar, dass er Trainer Hörster nicht hineinreden will: "Er macht die Taktik und stellt die Mannschaft auf." Eine Ablösung des wenig charismatischen Trainers komme für ihn nicht in Frage. "Vielleicht werde ich in 20 Jahren Trainer in Leverkusen. Otto Rehhagel ist ja auch noch aktiv", spottete der Weltmeister von 1990.

Ob er am Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC auf der Trainerbank sitzen wird, will Kohler am Freitag der Mannschaft mitteilen. Dafür kündigte er an, zwei bis dreimal die Woche mit den Bayer-Profis zu trainieren und sich anhand von Video-Aufzeichnungen ein genaues Bild von der Werkself zu machen. " Die Mannschaft hat Potenzial. Und wenn ich gesehen habe, dass Bernd Schneider und Carsten Ramelow die Besten im EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen waren, sind das positive Indizien", sagte Kohler zuversichtlich.

Kohler teilt sich die Aufgabe mit Ilja Kaenzig, der für die Sportverwaltung und Verträge zuständig ist. Die Gesamtverantwortung behält aber Calmund, der dies noch einmal unterstrich: "Wenn einer auf die Idee kommen sollte, der Kohler kommt fünf vor Zwölf und ich würde mich heimlich davon stehen, der irrt."



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