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16. Januar 2001, 11:34 Uhr

Kommentar

Daum auf dem Weg nach oben

Von Thomas Lötz

Vertreter dreier Bundesligaclubs würden Christoph Daum nach dessen "Kokain-Geständnis" eine neue Chance geben. Die verbleibenden 15 Vereine aus Deutschlands oberster Spielklasse zögern noch oder können sich das gar nicht vorstellen.

So schlicht die Umfrage der "Bild"-Zeitung ist (immerhin droht Daum derzeit noch ein Gerichtsprozess und was heißt eigentlich "zweite Chance geben"?), interessant bleibt das Meinungsbild allemal. Auch weil es erneut das grundsätzliche Problem des "Falls Christoph Daum" berührt.

Gehen wir einmal davon aus, Daum käme straffrei davon. Dann bleiben nach seinen Aussagen ein bisschen privater Kokainkonsum und das lächelnde Eingeständnis, öffentlich gelogen zu haben.

Kokain ist zur so genannten "Gesellschaftsdroge" geworden; nach wissenschaftlichen Expertisen sind nahezu sämtliche in Deutschland im Umlauf befindlichen Geldscheine Kokain-kontaminiert. Und dass in der Bundesliga die Unwahrheit gesagt wird, erleben wir quasi täglich. Was also bleibt?

Wer beispielsweise glaubt, das Erreichen der Champions League rechtfertige in der Bundesliga nicht mehr alle zur Verfügung stehenden Mittel, irrt.

Denn an eins wird man sich in den nächsten Jahren in ambitionierten Bundesligavereinen gerne mal wieder erinnern. Überall da, wo der lügend-koksende Daum unterwegs war, war immer auch oben.

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