Kommentar Erleichtert

Warum sich vor allem der Deutsche Fußball-Bund und die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten über die WM-Qualifikation der deutschen Fußball-Nationalmannschaft freuen dürfen.

Von Thomas Lötz


Das Erreichen der Weltmeisterschafts-Endrunde in Japan und Südkorea hat nicht nur bei Teamchef Rudi Völler, seinen Spieler und den Fans der DFB-Elf für Erleichterung gesorgt. Auch die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund dürften aufgeatmet haben, dass das Nationalmannschaftsjahr 2001 Mitte November doch noch erfolgreich geendet hat.

Denn im Falle einer Nicht-Qualifikation für das Turnier aller Fußballturniere hätten dem größten Einzelsportverband der Welt mittelfristig starke finanzielle Einbußen gedroht. Der massive Imageverlust hätte aktuelle Sponsoren über einen Absprung nachdenken lassen oder den Abschluss neuer Kooperationsverträge sichtlich erschwert. Und in Zeiten der Rezession wäre das Neugeschäft vermutlich gleich ganz zum Erliegen gekommen.

Auch die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten dürften am Mittwochabend vor den Bildschirmen veritable Freudentänze bei jedem der vier deutschen Tore gegen die Ukraine aufgeführt haben. 250 Millionen Mark hatten ARD und ZDF dem Medienhändler Leo Kirch für die Live-Senderechte überwiesen. Auf diese Summe hätte es auch keinen Rabatt für den Fall gegeben, dass das Turnier in Asien ab dem 30. Mai nächsten Jahres ohne die Mannschaft von Rudi Völler beginnen würde. Nun werden die Gebührenzahler jubeln, statt bohrende Fragen nach der Verschwendung ihrer Gelder zu stellen.

Nur eine Gruppe im deutschen Wirtschaftssystem wird trotz geschaffter WM-Qualifikation zu Recht verärgert sein. Die deutschen Wirte und Bierbrauer nämlich werden sich der Euphorie im Land des dreifachen Weltmeisters nicht anschließen, sondern sich weiterhin als Opfer fühlen müssen. Bei Anstoßzeiten zwischen früh morgens und mittags mitteleuropäischer Sommerzeit ist keineswegs davon auszugehen, dass es die "Rudisten" in allzu großer Zahl an die Zapfhähne oder zur Bierpulle ziehen wird.

Wobei das ausnahmsweise einmal nicht die Schuld von Oliver Bierhoff, Michael Ballack oder Gerald Asamoah ist. Denn für die Vergabe der WM und die daraus resultierenden Sendetermine ist immer noch der Weltfußballverband Fifa zuständig. Und auch an dessen Amtssitz in Zürich wird man nicht gerade traurig darüber sein, dass der solide Wirtschaftsstandort Deutschland ein Fußballteam zur WM entsenden wird. Denn auszahlen wird sich das allemal.



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