Kommentar Legal, Pokal, scheißegal!

Von Thomas Lötz


Eigentlich müsste der Deutsche Fußball-Bund Uli Hoeneß allein für die öffentlich geäußerte Idee, eine Reserve-Mannschaft von Bayern München im Pokalfinale gegen Werder Bremen antreten zu lassen, mit einer schmerzhaften Geldstrafe belegen. Keine Angst, liebe Bayern-Fans, der DFB wird es nicht tun. Und sei es auch nur, weil es ihm an den dazu nötigen Rechtsmitteln mangelt.

Ob in Spanien, Deutschland oder anderswo auf diesem Kontinent wird in diesen Tagen vor allem eines deutlich: Die Macht der Verbände schwindet nicht, tatsächlich ist sie gar nicht mehr vorhanden. Funktionäre dürfen den Spielbetrieb organisieren, höflich bei den Vereinen anfragen, ob ihnen die Ansetzungen der lästigen Begegnungen genehm sind und sich schließlich auch noch dafür abstrafen lassen, dass sie eine Nationalmannschaft für die Europameisterschaft vorbereiten müssen. Wozu sie Spieler brauchen, und zwar die besten ihres Landes.

Bayern München und der FC Barcelona haben den Terminplan abgesegnet. Sie wussten um die Schwierigkeiten, die die Flut aus Meisterschafts- und Pokalspielen plus Champions League und EM-Vorbereitung nach sich ziehen kann. Jetzt versuchen sie, ihre nationalen Verbände dafür verantwortlich zu machen. Hoeneß noch dazu auf die besonders widerliche "Ich bin doch ein Mann des Volkes"-Tour, indem er behauptet, durch die Fehlplanung des DFB werde der Pokal "total abgewertet".

Natürlich wird so öffentlichkeitswirksam versucht, von eigenen Fehlern abzulenken. Pokal und Nationalmannschaft spielen vergleichsweise wenig Geld in die Kassen von Europas Top-Clubs. Deswegen, und weil beide Veranstaltungen die Gefahr in sich bergen, kostbares Spielermaterial durch Verletzungen im Kampf ums richtige Geld (Meisterschaft, Champions League, Uefa-Cup) nicht einsetzen zu können, erklären Hoeneß und Konsorten sie für fragwürdig. Tatsächlich sind sie ihnen einfach egal. Scheißegal.



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