Bayern-Trainingslager in Katar Luxus schlägt Skrupel

Sein Trainingslager schlug der FC Bayern in Katar auf, danach legte er noch einen Stopp in Saudi-Arabien ein. Geschäft und Annehmlichkeiten scheinen die Zustände in diesen Ländern vergessen zu lassen.
Bayern-Trainer Guardiola: Pressekonferenz in Saudi-Arabien

Bayern-Trainer Guardiola: Pressekonferenz in Saudi-Arabien

Foto: FAISAL AL NASSER/ REUTERS

Viele stellen sich gerade eine simple Frage: Wie kann das sein? Dass der FC Bayern erst sein Trainingslager ausgerechnet in Katar abhält, einem Land, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden, um dann, auf dem Rückweg nach München, noch einen Testspiel-Stopp einzulegen, ausgerechnet in Saudi-Arabien? Wo sich dieser große Klub doch als Botschafter des Fußballs in aller Welt sieht.

Die Erklärungen des Vereins machen ratlos. Das Spiel in Saudi-Arabien sei ein "Spiel für die Menschen" gewesen, das sagte Trainer Josep Guardiola diplomatisch unpolitisch (obwohl er in seiner Heimat Katalonien kein Problem damit hat, sich politisch zu positionieren). Die Bedingungen seien so hervorragend. Man habe alles, was man brauche; für die Fußballer sei das das Beste, sagte Vorstand Karl-Heinz Rummenigge.

Das sollen im Ernst die Antworten auf die Frage nach dem Warum sein? Der Verweis auf die exzellente Infrastruktur soll reichen, um Hässlichkeiten jenseits des Trainingsgeländes nicht thematisieren zu müssen oder sie diplomatisch zu ignorieren?

Ja, es scheint so. Otto Pfister, mittlerweile 77, hat von 1997 bis 1999 als Trainer der saudi-arabischen Nationalmannschaft gearbeitet. Er sagt: "Ich würde es jederzeit wieder machen." Kann er die Aufregung um das Bayern-Testspiel denn gar nicht nachvollziehen? "Überhaupt nicht. Es geht doch um Fußball!"

"Es geht doch um Fußball!" Ob Pfister, Rummenigge, Guardiola oder die Münchner Profis, die zuletzt zu Katar und Saudi-Arabien gefragt worden sind - sie alle vermitteln einem das Gefühl, der Fußball würde für sich stehen und damit irgendwie erhaben sein über politische Realitäten. Über Menschenwürde. Über Moral. Der Fußball wird überhöht, und in dieser Logik ist es am Ende wichtiger, dass der Fußball funktioniert, dass die Trainingsbedingungen, die Hotels, der Rasen, das Wetter perfekt und die Sponsoren zufrieden sind.

Luxus schlägt Skrupel. Man kennt es vom Weltverband Fifa nur zu gut.

"Glauben Sie, der FC Bayern hat aus purer Lust in Saudi-Arabien gespielt?", fragt Pfister, der die Empörung so gar nicht nachvollziehen kann. "Es geht um viel Geld." Das hat in der Vergangenheit schon bei manchem großen Namen gewirkt: Carlos Alberto Parreira oder Frank Rijkaard - auch sie haben in Saudi-Arabien als Trainer gearbeitet und die Vorzüge des Geldes genossen. "Jeder Klub hat ein eigenes Hotel, jeder Spieler bekommt eine Suite mit allem Komfort. Wir hatten ein ganzes Stockwerk nur zur Unterhaltung, eine eigene Bowlingbahn", schwärmt Pfister.

Vielleicht kann man für Josep Guardiola in dieser Hinsicht sogar Verständnis aufbringen: Einer, der perfekten Fußball spielen lassen will, sucht die perfekten Bedingungen. Und die fand er als Spieler dort vor, wo er seine Karriere ausklingen ließ: in Katar. Seine freundschaftliche und wirtschaftliche Verbundenheit mit dem Land rührt noch aus jener Zeit vor rund zehn Jahren.

Guardiola und Rummenigge sind keine Menschenrechtler, sie sind auch keine Politiker. Sie sind nur Fußballer, Funktionäre des FC Bayern. Aber genau das sollte reichen, um auf dem moralischen Auge nicht völlig blind zu sein.

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