Beiersdorfers Aus beim HSV Er war stets bemüht

Beim HSV ist die romantische Idee gescheitert, mit einem Helden der Vergangenheit die Zukunft zu gestalten. Das Aus für Klubchef Beiersdorfer war überfällig. Sein Nachfolger ist nicht zu beneiden.

Ehemaliger HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer
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Ehemaliger HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer

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Es wurde zuletzt mal wieder gefeiert beim Hamburger SV. "Oh, wie ist das schön! So was hat man lange nicht gesehn!", sangen die Zuschauer im Volksparkstadion nach dem 1:0-Erfolg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende. Es war der erste Heimsieg seit April, der zweite Sieg nacheinander, das vierte Spiel ohne Niederlage. Der Klub hat sich vom letzten auf den Relegationsplatz vorgearbeitet, der Klassenerhalt ist wieder eine realistische Option. Für HSV-Verhältnisse geht es steil bergauf.

Trotzdem ist es richtig, dass der Aufsichtsrat die Abberufung von Klubchef Dietmar Beiersdorfer beschlossen hat. Die Frage, ob jemand geeignet ist für dieses Amt oder nicht, muss grundsätzlich beantwortet werden und darf nicht nur von ein paar Spielen abhängig sein. Und Beiersdorfer ist nicht geeignet für dieses Amt, das haben die vergangenen zweieinhalb Jahre gezeigt.

Der ehemalige HSV-Spieler und Sportdirektor des Klubs hat es nicht geschafft, auf den wichtigsten Posten Konstanz herzustellen, hat zwei Manager und vier Trainer verschlissen, Übergangslösungen eingerechnet. Trotz neuer Spieler für insgesamt rund 90 Millionen hat sich der Klub sportlich keinen Zentimeter bewegt, zumindest nicht nach vorne. Auch die Abhängigkeit von Geldgeber Klaus-Michael Kühne hat Beiersdorfer zu verantworten. Und dann ist da noch die verheerende Außendarstellung. Zuletzt blamierte sich Beiersdorfer mit der Suche nach einem Sportchef, die nicht nur erfolglos geblieben, sondern nach Aussage verschiedener Kandidaten auch höchst unprofessionell gelaufen war.

Zweieinhalb Jahre Beiersdorfer, das waren zweieinhalb Jahre voller Missgeschicke, zweieinhalb Jahre des Zögerns und Zauderns. Beim HSV ist die romantische Idee gescheitert, mit einem Helden der Vergangenheit einen Neuanfang zu starten und die Zukunft zu gestalten. Beiersdorfers Aus war überfällig.

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Beiersdorfer beim HSV: Eine Geschichte aus zwei Amtszeiten

Bei der Moderation des Vorgangs hat der Aufsichtsrat ein schlechtes Bild abgegeben. Er hat den Klubchef in den vergangenen Wochen öffentlich demontiert, vor allem in Person von Karl Gernandt, dem Vorsitzenden des Gremiums. Ein von ihm gestelltes Ultimatum hatte Beiersdorfer zwar überstanden, weil der HSV plötzlich zu punkten begann. Doch anstatt dem Klubchef danach den Rücken zu stärken und Geschlossenheit zu demonstrieren, wie es in der prekären Lage der Hamburger nötig gewesen wäre, beließ ihn der Aufsichtsrat im Schwebezustand. Er war ein Klubchef auf Abruf.

Zum Ende der Zusammenarbeit musste sich Beiersdorfer anhören, dass seine Arbeit in vielen Bereichen erfolgreich gewesen sei, aber eben leider nicht im Kerngeschäft Fußball-Bundesliga. Nach dem Motto: er war stets bemüht.

Erstaunlich, dass sich jemand gefunden hat, der unter diesen Bedingungen arbeiten und Beiersdorfers Nachfolge antreten möchte.

Heribert Bruchhagen
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Heribert Bruchhagen

Die Hamburger gehen bei der Neubesetzung des Klubchefpostens nach einem alten Muster vor. Sie holen jemanden zurück, der schon mal da war: Heribert Bruchhagen, Anfang der Neunziger Manager beim HSV, ist allerdings niemand, der wie Beiersdorfer romantische Gefühle bedient. Das muss er auch nicht. Es geht ums Überleben für die Hamburger.

Für Bruchhagen sprechen seine Erfahrung und seine vielfältigen Kontakte. Besonders originell ist es allerdings nicht, für die wichtigste Position im Klub jemanden zu engagieren, der eigentlich schon im Ruhestand war.



insgesamt 21 Beiträge
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heinzi55555 12.12.2016
1.
Statt seinen Ruhestand zu genießen, und bei SKY ein paar "wichtige Kommentare" abzugeben, stürzt er sich beim HSV ins Unglück. Aber manche Menschen denken, sie sind die Besten und daher unersetzlich.
goat777 12.12.2016
2.
Vielleicht ist Bruchhagen nicht sehr kreativ aber Dutt, Eichin und Veh waren auch frei und der Kelch ist immerhin am HSV vorbeigegangen.
HH-Hamburger-HH 12.12.2016
3. Ein überfälliger Schritte
Dietmar Beiersdorfer war weder in der Lage, den Verein angemessen nach außen zu repräsentieren noch verfügt er über die erforderlichen Branchenkontakte und/oder das Verhandlungsgeschick um eine Mannschaft zu verstärken. Bei aller Sympathie im Übrigen: Er war der falsche Mann an der Stelle
Lisa_can_do 12.12.2016
4. Was ist nur los in diesem Männer-Verein los
es hört nicht auf mit den eigenartigen Personalentscheidungen; Bruchhagen - 68 Jahre alt, er sieht jünger aus, aber mit Verlaub, wie sieht es mit modernen Management-Methoden aus, wie versteht der junge Profis im Alter von 20 Jahren - er könnte der Urgrossvater sein. Dagegen wäre grundsätzlich nix zu sagen, aber es gibt fast nix dazwischen und wir brauchen endlich moderne Manager mit ungewöhnlichen neuen Methoden, mit Professionalität und Menschlichkeit und einem Händchen für Psychologie - einen Typen. Ist das Herr Bruchhagen?
mantrid 12.12.2016
5. Jugendwahn
Bruchhagen hat Erfahrung und in Frankfurt bewiesen, dass er etwas kann. Warum sollen es immer nur junge Leute sein, die etwas auf die Reihe bekommen? In München und Dortmund sitzen auch alte Männer an der Spitze und leisten unbestreitbar hervorragende Arbeit. Alter ist für diese Aufgabe kein Kriterium. Beiersdorfer war mit der Aufgabe schlichtweg überfordert. Der Abgang war überfällig.
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