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05. Februar 2010, 17:07 Uhr

Konflikt um Vertrag

Löw geht gegen DFB in die Offensive

Joachim Löw erhebt im Streit über seinen Vertrag schwere Vorwürfe. Der DFB habe ihm ein nicht verhandelbares Angebot vorgelegt, über das er innerhalb 48 Stunden entscheiden sollte. Der Bundestrainer beklagt "Unwahrheiten" und bestreitet, dass es je einen "Handschlagvertrag" gegeben habe.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat mit seiner Reaktion auf die abgebrochenen Vertragsverhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) für weiteren Zündstoff gesorgt. "Ganz bewusst haben wir uns in den vergangen Wochen nicht konkret zur Vertragssituation geäußert. Umso verwunderter sind wir über die plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails. Dadurch sind viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen. Einen Handschlagvertrag hat es zum Beispiel nicht gegeben", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des 50-Jährigen.

Am Donnerstag waren die Vertragsverhandlungen bei einer DFB-Präsidiumssitzung nach nur fünf Minuten abgebrochen worden, weil die Vorstellungen beider Seiten nicht in Einklang zu bringen waren. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung sollen Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff für ihre Unterschrift unter einen neuen Vertrag einen Bonus in Höhe eines Jahresgehalts gefordert haben, Bierhoff zudem ein Vetorecht bei der Besetzung des Bundestrainerpostens.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte vor Weihnachten 2009 öffentlich bekanntgegeben, dass man sich mit Löw per Handschlag auf eine Vertragsverlängerung geeinigt habe. In Löws Mitteilung klingt jetzt der Ärger über den DFB als Verhandlungspartner durch: "Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht-verhandelbares Angebot zugestellt, über das ich innerhalb von 48 Stunden entscheiden sollte."

Aufeinandertreffen in Warschau

Löw kündigte an, er werde sich "zu gegebener Zeit" genauer zu den Vertragsdetails und den Umständen der verschobenen Verlängerung äußern.

Der Bundestrainer will jedoch keine Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. In der Erklärung heißt es: "Unsere ganze Konzentration gilt seit sechs Jahren dem Erfolg der Nationalmannschaft - auch im Sinne der Entwicklung und Reputation des deutschen Fußballs. Dabei stehen Teamwork, Loyalität und Respekt an erster Stelle für mich. In diesem Sinne werden wir uns in den nächsten Wochen intensiv auf die WM in Südafrika vorbereiten."

DFB-Boss Zwanziger reagierte zurückhaltend auf die Stellungnahme des Coaches: "Ich habe die Aussagen des Bundestrainers zur Kenntnis genommen und freue mich darüber, dass er es genauso sieht wie wir, dass wir die volle Konzentration auf die WM legen müssen", so Zwanziger.

Bereits am Sonntag werden sich Löw, Zwanziger und Bierhoff erneut über den Weg laufen. In Warschau werden dann die Qualifikationsgruppen für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ausgelost.

aha/sid

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