Konfusion bei Kamerun Schäfer weiß nichts von Entlassung

Schon auf dem Platz herrschte in Kameruns Reihen ein heilloses Durcheinander. Nach dem Spiel gegen Deutschland nahm das Chaos sogar noch zu. Selbst Stunden, nachdem Verbandspräsident Mohamed Iya die Entlassung Winfried Schäfers ausgesprochen hatte, weiß dieser nichts von seiner Kündigung.


Ahnungslos in Leipzig: Winfried Schäfer nach dem Spiel im Mannschaftsbus der Kameruner
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Ahnungslos in Leipzig: Winfried Schäfer nach dem Spiel im Mannschaftsbus der Kameruner

Leipzig - "Mit mir hat keiner darüber gesprochen. Ich gehe deshalb davon aus, dass ich weiter Trainer von Kamerun bin", sagte Schäfer heute. "Ich trete auch nicht zurück, warum denn? Ich muss mich vor keinem einzigen Kameruner rechtfertigen. Ich glaube sogar, manchmal bin ich mehr Kameruner als manch andere bei uns", so der frühere Bundesligatrainer.

Kameruns Verbandspräsident Iya hatte in der Nacht bestätigt, das Vertragsverhältnis mit dem 54-jährigen Schäfer mit sofortiger Wirkung beendet zu haben. "Mit dieser Niederlage war er nicht mehr zu halten. Man kann keinem in Kamerun diese Leistung verkaufen", begründete Iya die vorzeitige Trennung von Schäfer.

"Bye-Bye Winnie"

Kurz nach Mitternacht musste Schäfer in gespenstischer Atmoshäre vor dem Mannschaftsquartier der Afrikaner üble Beschimpfungen einiger "Löwen"-Fans über sich ergehen lassen. "Bye-bye Winnie, ohne dich schaffen wir die WM-Qualifikation" und lautstarke "Schäfer raus"-Rufe der aufgebrachten Angänger waren zu hören, als Schäfer völlig erregt noch einmal zum Mannschaftsbus eilte und jeder der Beobachter den Eindruck haben musste, der blonde Coach wollte sich von seinen Profis auf längere Zeit verabschieden.

"Die Mannschaft ist auf eine Fete gefahren, ich hatte keine Lust auf die Party und musste nur noch was klären", kommentierte Schäfer später die Situation und offenbarte dann die wahren Gründe für seinen Gemütszustand. "Was hier heute vor dem Spiel abgelaufen ist, habe ich noch nie erlebt. Kurz vor dem Spiel haben die Mannschaft und Präsident Iya eine geschlagene Stunde über Prämien diskutiert. Anschließend wollte das Team wegen der ausstehenden Gelder sogar das Spiel boykottieren. Ich hatte gerade mal zehn Minuten Zeit, die Aufstellung an die Tafel zu malen", so Schäfer.

Iya verteidigte die Prämiendebatte und gab indirekt Schäfer die Schuld: "Wir sind ein chaotischer Verband, aber als chaotischer Verband sind wir 1990 ins WM-Viertelfinale gekommen. Da muss nicht ein Herr Schäfer kommen und versuchen, uns umzuerziehen. Er soll mit unseren Stärken und Schwächen Erfolg haben, und das hat er zuletzt nicht getan", sagte er und verwies auf die unzureichenden Resultate vor allem in der laufenden WM-Qualifikation.

Sehnsucht nach Deutschland

In der "Bild"-Zeitung hatte Schäfer vor dem Anpfiff seinen Willen bekundet, in die Bundesliga zurück zu kehren. "Die Sehnsucht nach Deutschland wächst. Die Frage ist nur, wann der richtige Zeitpunkt kommt", sagte der Ettlinger. Einen Gruß an die deutschen Fußballfans fügte er auch noch hinzu: "Ihr werdet mich bald wiedersehen."

Der ehemalige Bundesligaprofi Schäfer steht wegen des bisher schwachen Abschneidens in der WM-Qualifikation in der Kritik. Der Olympiasieger von 2000 liegt nach fünf von zehn Partien schon vier Punkte hinter Tabellenführer Elfenbeinküste, nur der Erste darf zur WM-Endrunde nach Deutschland. Schäfer ist seit September 2001 bei den Afrikanern tätig, der Vertrag läuft eigentlich noch bis einschließlich der WM 2006 in Deutschland.



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