DFB-Strategie im Jugendfußball Lieber leichtere Bälle als ein Kopfballverbot

In England und den USA dürfen Kinder unter zehn Jahren aus Angst vor Hirnschäden keine Kopfbälle trainieren. Der DFB hat ein Verbot nun ausgeschlossen: Fußball ohne Kopfball werde es »nie geben«.
Kinder spielen in Niedersachsen Fußball (Symbolbild)

Kinder spielen in Niedersachsen Fußball (Symbolbild)

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Julian Stratenschulte/ dpa

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will das Kopfballspiel bei Kindern und Jugendlichen nicht wie in anderen Ländern durch Verbote reglementieren. Der Verband setzt vielmehr auf leichte Bälle sowie auf eine geringe Zahl von Kopfball-Wiederholungen pro Training. Zudem sollen die zuletzt beschlossenen Spielformen dafür sorgen, dass das Spiel bei den jüngsten Aktiven vor allem am Boden stattfindet.

»Verbote bringen relativ wenig. Wir versuchen es mit Vernunft und Verstand. Wir haben die Grundlage dafür geschaffen, um mit dem Kopfball umzugehen«, sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann: »Fußballspiele ohne Kopfbälle wird es im älteren Juniorenbereich genau wie bei den Erwachsenen nie geben. Wir sind gut beraten, Kinder altersgerecht darauf vorzubereiten.«

In England sind Kopfbälle für Kinder bis zwölf Jahre verboten, in den USA liegt die Grenze bei zehn Jahren. Hintergrund ist die Sorge vor Kopfverletzungen und Hirnschäden.

DFB-Teamarzt Tim Meyer hält einen anderen Weg für besser. »Wir wollen Kinder und Jugendliche sinnvoll auf das Kopfballspiel vorbereiten – mit einer vernünftigen Technik und einer vernünftigen Muskulatur«, sagte Meyer: »Ich sehe im Erwachsenenspiel kein Kopfballverbot kommen.«

Auch der Neurologe Claus Reinsberger, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der Universität Paderborn, hatte dem SPIEGEL gesagt, ein Verbot sei ein »Schnellschuss«. Er forscht seit vielen Jahren zu Kopfverletzungen im Sport. Sein Resümee: Beim Thema Kopfbälle gibt es immer noch mehr Fragen als Antworten.

Reinsberger sieht in frühzeitigem, adäquatem Training eher »einen zentralen Schutzfaktor« vor Verletzungen. »Eine gut ausgebildete Nackenmuskulatur kann die Gefahr einer Gehirnerschütterung und ihre Folgen nachweislich reduzieren.«

Weltweit hatten sich zuletzt Wissenschaftler für ein Kopfballverbot von Kindern ausgesprochen, da ein Zusammenhang zwischen verschiedenen wiederkehrenden Kopfverletzungen im Sport und neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer vermutet wird.

Eine schottische Studie hatte 2019 ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung an Demenz oder Alzheimer bei Fußballern festgestellt. In England, Schottland und Nordirland gibt es seit Anfang 2020 ein Verbot von Kopfbällen im Training von Kindern unter elf Jahren.

bka/sid/dpa
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