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17. Oktober 2010, 21:12 Uhr

Korruptionsverdacht bei der Fifa

Dunkle Flecken im Reich des Sonnenkönigs

Von Jan Reschke

Zwei Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees sollen angeboten haben, bei der Vergabe der Fußball-WM ein Bewerberland zu bevorzugen - gegen Geld. Eine Ausnahme? Offenbar wohl nicht: Seit Jahren gibt es Bestechungsvorwürfe rund um den Verband und seinen Präsidenten Joseph Blatter.

Es gibt ein Video von Joseph "Sepp" Blatter, das ihn in einem leeren Konferenzsaal zeigt. Im Hintergrund ist eine Bühne zu sehen, die Wände des großen Raums sind weiß gestrichen. Locker sitzt Blatter auf einem der Stühle der hinteren Reihen. Sein Jackett hat er abgelegt, um den Kragen seines weißen Hemds hängt ein Schlüsselband. Er stellt sich vor: Er sei Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. "Und ich bin der Meinung, dass die Welt keine Anti-Korruptionsorganisation braucht."

Doch damit liegt er augenscheinlich falsch. Nicht nur die Welt bräuchte eine Anti-Korruptionsorganisation, sondern wohl auch sein eigener Verband.

Zwei Funktionäre aus dem mächtigen Fifa-Exekutivkomitee, das unter anderem über die Vergabe der Weltmeisterschaften entscheidet, sollen Reportern der "Sunday Times" angeboten haben, ihre Stimmen bei der Entscheidung über die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und 2022 zu verkaufen. Die Reporter hatten sich als Lobbyisten für das Bewerberland USA ausgegeben. Unschuldsbeteuerungen des nigerianischen Funktionärs und eines ranghohen Mitarbeiters des Fußballverbands Ozeaniens scheinen zwecklos, denn sie wurden dabei auch noch auf Video aufgenommen.

Die Fifa will die Vorgänge untersuchen. In einem offenen Brief an das Exekutivkomitee sprach Blatter von einer "unangenehmen Situation". "Die Informationen, die in dem Artikel stehen, haben eine negative Wirkung auf die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022", schrieb der 74-Jährige. Die Fifa habe umgehend das Material von der "Sunday Times" angefordert. Sobald die Dokumente vorlägen, werde die Fifa zusammen mit der Fifa-Ethikkommission den Fall prüfen.

Doch ob der Verband das richtige Organ dafür ist, scheint zweifelhaft. Denn seit Jahren ranken sich um die Vergabe von Weltmeisterschaften oder TV-Rechten und die Präsidentenwahl Gerüchte um korrumpierte Entscheidungsträger.

"Wir haben einen Geldbetrag angenommen"

Von derartigen Vorwürfen wird die Fifa schon lange begleitet. Derjenige, der für die größte Transparenz und Aufklärungsarbeit sorgen könnte, muss sich selbst immer wieder des Vorwurfs erwehren, Wahlen zu seinen Gunsten zu beeinflussen - Fifa-Präsident Joseph Blatter. Als Präsident ist er oberster Chef einer Organisation mit 208 Mitgliedsverbänden. Bei der Wahl Blatters 1998 und 2002 soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein.

2002 berichtete die "Daily Mail", Blatter solle sich 1998 seine Wahl erkauft haben. Mohiadin Hassan Ali, ehemaliger Vizepräsident des somalischen Verbands, erklärt damals, Schmiergelder entgegengenommen zu haben. "Wir haben einen Geldbetrag angenommen, um im Namen des Verbands von Somalia für J.S. Blatter bei der Fifa-Präsidentenwahl in Paris zu stimmen", stand in dem Bekenntnis, das der "Daily Mail" vorlag.

"Über Nacht 30 Stimmen verloren, da muss etwas passiert sein"

Der somalische Verbandspräsident Farah Addo erklärte in einer Stellungnahme im Schweizer Fernsehen, man habe ihm unmittelbar vor der Wahl insgesamt 100.000 Dollar geboten, wenn er für Blatter und nicht für den Schweden Lennart Johansson, Blatters Konkurrenten, stimme. Das Geld sei von einem arabischen Fifa-Exekutivmitglied überreicht worden. Blatter sagte dazu: "Farah Addo ist Verbandspräsident von Somalia und eine zwielichtige Gestalt."

Schon damals gab es Zweifel an der Korrektheit der Wahl. Der unterlegene Johansson hatte seinerzeit erklärt: "Wir haben über Nacht 30 Stimmen verloren, da muss etwas passiert sein." Später nahm er seine Vorwürfe aber wieder zurück und erklärte, "nie derartige Bestechungsvorwürfe" gegen Blatter erhoben zu haben. Blatter selbst wies stets alle Vorwürfe "in aller Form vehement zurück".

Auch Blatters Wiederwahl 2002 wurde von Vorwürfen begleitet. Der ehemalige Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen warf Blatter Korruption, Betrug, Vetternwirtschaft, Amtsmissbrauch und finanzielles Missmanagement vor. Elf Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees hatten Blatter angezeigt, die Mehrheit von ihnen die Klage nach Blatters Wiederwahl im Mai 2002 aber zurückgezogen. Die für den Kanton Zürich, wo die Fifa ihren Hauptsitz hat, zuständige Bezirksanwaltschaft teilte im Dezember 2002 mit, dass Blatter kein strafbares Verhalten unterstellt werden könne.

Im Juni 2011 möchte sich Blatter erneut wählen lassen. Seine Mission, die Fifa noch besser aufzustellen, sei "noch nicht beendet".

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