Korruptionsverdacht in der Fifa Transparency fordert neuen Termin für WM-Vergabe

Zwei Tage vor der geplanten WM-Vergabe gibt es wieder Bestechungsvorwürfe gegen die Fifa. Der Verband weist den Verdacht aber ebenso zurück wie die beschuldigten Funktionäre. Die Anti-Korruptions-Experten von Transparency International verlangen, einen neuen Vergabetermin zu suchen.
Fifa-Boss Blatter: Augen zu und durch bei den Korruptionsvorwürfen?

Fifa-Boss Blatter: Augen zu und durch bei den Korruptionsvorwürfen?

Foto: STEFFEN SCHMIDT/ AP

Hamburg - Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International hat den Fußball-Weltverband Fifa aufgefordert, die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verschieben. Die für Donnerstag geplante Veranstaltung dürfe nicht über die Bühne gehen, "bis endgültig Licht in die Vorwürfe gebracht ist, die derzeit in den Zeitungen stehen". Die Vorwürfe, so die Organisation, hätten "die Entscheidungsprozesse der Fifa so in Misskredit gebracht, dass eine Entscheidung unter den momentanen Umständen die Kontroverse nur weiter anheizen würde".

Bislang hat die Fifa eine Terminverschiebung allerdings abgelehnt. Franz Beckenbauer, der für Deutschland im Exekutivkomitee sitzt, hatte noch am Montag gesagt: "Wir ziehen das durch." Allerdings hatte Beckenbauer es im Nachhinein als Fehler bezeichnet, die WM-Turnier 2018 und 2022 gleichzeitig zu vergeben.

Am Montag waren nach Recherchen der britischen BBC drei weitere korruptionsverdächtige Exekutiv-Mitglieder namentlich genannt worden. Demnach sollen Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun sowie die Exekutivmitglieder Nicolas Leoz aus Paraguay und der Brasilianer Ricardo Teixeira in den Neunziger Jahren von der damaligen Fifa-Hausagentur ISL Zahlungen erhalten haben.

"Das ist nichts Ernsthaftes"

Die Fifa selbst hält die jetzt an die Öffentlichkeit geratenen Vorwürfe für "gegenstandslos". Es handele sich um Vorgänge, die von den zuständigen Schweizer Strafbehörden bereits untersucht worden seien, teilte der Verband am Dienstag in einer Presseerklärung mit. "In seinem Urteil vom 26. Juni 2008 hat das Strafgericht Zug keinen Fifa- Funktionär verurteilt", heißt es darin. Es sei auch kein Mitglied des Weltverbandes wegen krimineller Delikte angeklagt worden.

Die beschuldigten Leoz und Teixeira hatten zuvor bereits die Vorwürfe zurückgewiesen. Leoz, der auch Präsident der südamerikanischen Fußball-Konföderation Conmebol ist, sagte: "Das ist nichts Ernsthaftes. Vor zehn Jahren hat die Schweizer Justiz Klarheit geschaffen." Die Vorwürfe seien nur ein Versuch "bestimmter Personen, vor der Entscheidung am 2. Dezember Druck aufzubauen". Leoz ist mit 82 Jahren das älteste Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee. Die Beschuldigungen hätten "keine Grundlage", sagte Conmebol-Sprecher Néstor Benítez in Asunción. "Jedes Mal, wenn Wirbel erzeugt werden soll, werden die Anschuldigungen, die keine Grundlage haben, erneuert", sagte Benítez.

IOC wünscht sich Beweise von der BBC

Vor Leoz hatte Teixeira eine ähnliche Stellungnahme abgeben lassen. "Es gibt nichts Neues. Das ist eine alte Geschichte, die aufgewärmt wird, weil wir vor der Wahl von zwei WM-Endrunden sind", teilte der Sprecher des brasilianischen Verbandes CBF mit.

Das Internationale Olympische Komitee hat die BBC gebeten, Beweise für die geäußerten Vorwürfe vorzulegen. "Das IOC hat von den Vorwürfen Kenntnis genommen und bittet die Programmmacher der BBC, entsprechende Beweise weiterzureichen", heißt es in einer ersten Stellungnahme der Organisation.

Das Olympische Komitee ist von der Angelegenheit betroffen, weil der afrikanische Fifa-Vertreter Hayatou auch Mitglied des IOC ist. Man wolle die Vorwürfe untersuchen. "Das IOC wird die Angelegenheit an die IOC-Ethik-Kommission weiterleiten", heißt es in der Mitteilung des IOC.

Bereits im Oktober hatte die Fifa zwei Mitglieder des Exekutivkomitees suspendiert,weil sie britischen Journalisten ihre Stimmen zum Kauf angeboten hatten. Einer der beiden, der ozeanische Vertreter Reynald Temarii, soll nach dem Willen der Fifa seine Schuld eingestehen und das Strafmaß akzeptieren - im Gegenzug könne Ozeanien bei der Abstimmung am Donnerstag einen Ersatzkandidaten benennen. Das geht aus einem Brief des Weltverbandes an die ozeanische Fußball-Konföderation hervor, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert.

aha/dpa/sid
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