Korruptionsvorwürfe Fifa ermittelt gegen eigenen Boss

Bizarrer Fifa-Wahlkampf: Die Ethikkommission des Weltfußballverbands ermittelt nun auch gegen Präsident Joseph Blatter. Damit erfüllt die Fifa eine Forderung des Blatter-Herausforderers Bin Hammam. Konsequenzen wird dies allerdings nicht haben.

Fifa-Chef Blatter: Gegenstand von Ermittlungen im eigenen Haus
AFP

Fifa-Chef Blatter: Gegenstand von Ermittlungen im eigenen Haus

Von


Hamburg - Nächste Wendung im Wahlkampf um den Fifa-Vorsitz: Der Weltfußballverband leitet im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen nun auch eine Untersuchung gegen den eigenen Präsidenten Joseph Blatter ein. Wie die Fifa am Freitag mitteilte, hat der Schweizer bis Samstagmittag Gelegenheit, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen schriftlich Stellung zu nehmen - vier Tage, bevor die Fifa-Vollversammlung in Zürich darüber entscheidet, ob Blatter als Chef des Verbands wiedergewählt wird.

Sein Herausforderer Mohamed Bin Hammam aus Katar hatte dem Amtsinhaber vorgeworfen, von angeblichen Zahlungen an Fifa-Mitglieder gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Blatter wurde wie Bin Hammam und drei weitere hochrangige Exekutivmitglieder am Sonntag zur Anhörung vor die Ethikkommission der Fifa bestellt.

Gegen Bin Hammam wird bereits seit Dienstag bei der Fifa ermittelt. Als Retourkutsche hatte der Chef des Asiatischen Fußballverbandes am Mittwoch verlangt, dass auch gegen den Amtsinhaber ermittelt werden solle. Blatter habe Kenntnis über Zahlungen an Mitglieder der Karibischen Fußball-Union gehabt, die ihre Stimmen bei der Vorsitzendenwahl zu verkaufen bereit gewesen seien.

Vorwürfe richten sich eigentlich gegen Bin Hammam

Das Paradoxe daran: Bin Hammam bezieht sich auf Vorwürfe, die an sich gegen ihn selbst gerichtet sind. Der Funktionär soll gemeinsam mit Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad den Plan gefasst haben, die Stimmen der karibischen Funktionäre zu kaufen, um die eigenen Chancen bei der Wahl zu erhöhen. Bin Hammam hat alle diese Vorwürfe stets zurückgewiesen - und machte sie gleichzeitig zur Grundlage, um Ermittlungen gegen Blatter zu verlangen.

Die Ethikkommission der Fifa hat diese Forderung jetzt erfüllt - was allerdings eher als taktischer Schritt Blatters gewertet wird. Nach dem Motto: Der Fifa-Präsident lässt Ermittlungen gegen sich selbst zu, um zu beweisen, wie unabhängig und transparent der Weltverband gegen Korruption vorgeht. Man darf davon ausgehen, dass die Ermittlungen zeitnah wieder eingestellt werden.

An einer Wiederwahl Blatters bei der Fifa-Vollversammlung in der kommenden Woche in Zürich herrscht unabhängig davon ohnehin kaum ein Zweifel. Der 75-Jährige hat die Unterstützung der einflussreichen Verbände aus Europa, Südamerika und Afrika sicher. Lediglich Asien steht auf Seiten des Herausforderers Bin Hammam. Die zahlreichen Korruptionsvorwürfe in Bezug auf die WM-Vergabe 2022 an Katar haben das Standing des Herausforderers zudem auch nicht verbessert.

Blatter würde bei einer Wiederwahl in seine vierte und dann letzte Amtszeit gehen. 1998 wurde er als Nachfolger des Brasilianers João Havelange Chef des Weltfußballverbandes.

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
glen13 27.05.2011
1.
Zitat von sysopBizarrer Fifa-Wahlkampf: Die Ethikkommission des Weltfußballverbandes ermittelt nun auch gegen Präsident Joseph Blatter. Damit erfüllt die Fifa eine Forderung des Blatter-Herausforderers Bin Hammam.*Konsequenzen wird dies allerdings nicht haben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,765261,00.html
Ich bin darüber nicht überrascht, nur darüber, dass es solange gedauert hat bis endlich gegen ihn ermittelt wird.
dhein987 27.05.2011
2.
---Zitat--- Ich bin darüber nicht überrascht, nur darüber, dass es solange gedauert hat bis endlich gegen ihn ermittelt wird. ---Zitatende--- Wie, was - wieso ueberrascht ? Schockiert bin ich, ob der unhaltbaren Vorwuerfe. Lesen Sie doch bitte den Artikel: ---Zitat--- Das Paradoxe daran: Bin Hammam bezieht sich auf Vorwürfe, die an sich gegen ihn selbst gerichtet sind. Der Funktionär soll gemeinsam mit Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad den Plan gefasst haben, die Stimmen der karibischen Funktionäre zu kaufen, um die eigenen Chancen bei der Wahl zu erhöhen. Bin Hammam hat alle diese Vorwürfe stets zurückgewiesen - und machte sie gleichzeitig zur Grundlage, um Ermittlungen gegen Blatter zu verlangen. ---Zitatende--- Die Fifa-Ethikkommission wird diese absurden Behauptungen nachvollziehbar und endgueltig entkraeften..
Justitia 27.05.2011
3. ...
Zitat von sysopBizarrer Fifa-Wahlkampf: Die Ethikkommission des Weltfußballverbandes ermittelt nun auch gegen Präsident Joseph Blatter. Damit erfüllt die Fifa eine Forderung des Blatter-Herausforderers Bin Hammam.*Konsequenzen wird dies allerdings nicht haben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,765261,00.html
Richtig, Konsequenzen wird das für Blatter nicht haben, das ist jetzt schon absehbar. Wirklich bizarr an der ganzen Geschichte und vor allem den Vorgeschichten, in denen Blatter schon mehrfach Bestechung vorgeworfen wurde ist allerdings, daß die zuständige Schweizer Staatsanwaltschaft bis heute noch nicht einmal erste Ermittlungen eingeleitet hat, ob zumindest ein Anfangsverdacht gegen Blatter vorliegt. Dabei wäre das nach Art. 4a CH-UWG ohne weiteres möglich, denn die FIFA handelt bei der Ausrichtung der WM zweifelslos gewerblich und die Interessenten bei der Vergabe der WM sind Wettbewerber. Damit müsste Art4a UWG anwendbar sein. Genauso bizarr ist dann aber, daß es in der Schweiz anscheinend keine gesetzliche Grundlage gibt gegen Bestechung und Korruption bei der Wahl von Funktionären von internationalen Sportverbänden vorzugehen, deren Sitz in der Schweiz ist, selbst wenn dann auch noch die Wahl in der Schweiz stattfindet.
heuwender 27.05.2011
4. olala
Zitat von dhein987Wie, was - wieso ueberrascht ? Schockiert bin ich, ob der unhaltbaren Vorwuerfe. Lesen Sie doch bitte den Artikel: Die Fifa-Ethikkommission wird diese absurden Behauptungen nachvollziehbar und endgueltig entkraeften..
Blatter hat schon immer seine nötigen Stimmen für eine Wiederwahl gekauft ,mit FIFA Penunzen versteht sich.
frigor 27.05.2011
5. Dann mal ab nach Deutschland
Zitat von JustitiaRichtig, Konsequenzen wird das für Blatter nicht haben, das ist jetzt schon absehbar. Wirklich bizarr an der ganzen Geschichte und vor allem den Vorgeschichten, in denen Blatter schon mehrfach Bestechung vorgeworfen wurde ist allerdings, daß die zuständige Schweizer Staatsanwaltschaft bis heute noch nicht einmal erste Ermittlungen eingeleitet hat, ob zumindest ein Anfangsverdacht gegen Blatter vorliegt. Dabei wäre das nach Art. 4a CH-UWG ohne weiteres möglich, denn die FIFA handelt bei der Ausrichtung der WM zweifelslos gewerblich und die Interessenten bei der Vergabe der WM sind Wettbewerber. Damit müsste Art4a UWG anwendbar sein. Genauso bizarr ist dann aber, daß es in der Schweiz anscheinend keine gesetzliche Grundlage gibt gegen Bestechung und Korruption bei der Wahl von Funktionären von internationalen Sportverbänden vorzugehen, deren Sitz in der Schweiz ist, selbst wenn dann auch noch die Wahl in der Schweiz stattfindet.
Die meisten Schweizer hätten nichts dagegen, wenn der Fifa-Sitz nach Deutschland verlegt würde. Dort würde man dann sicher für Ruhe und Ordnung sorgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.