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18. November 2010, 12:30 Uhr

Korruptionsvorwürfe

Fifa sperrt umstrittene Funktionäre

Die Fifa hat auf die Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 reagiert. Die Funktionäre Reynald Temarii und Amos Adamu wurden für ein beziehungsweise drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen. Eine anschließende Rückkehr ist möglich.

Hamburg - Der Fußball-Weltverband Fifa hat auf die Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit WM-Bewerbungen reagiert. Die Ethikkommission der Fifa schloss zwei Exekutivmitglieder vorübergehend aus. Sie dürfen damit nicht am 2. Dezember bei der Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 mit abstimmen. Reynald Temarii aus Tahiti wurde am Donnerstag ein Jahr lang von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, Amos Adamu aus Nigeria für drei Jahre. Sie dürfen damit weder im Weltverband noch in ihren kontinentalen und nationalen Verbänden tätig sein. Auch Funktionärstätigkeiten in Vereinen sind ihnen untersagt.

"Ich bin unschuldig in allen Anklagepunkten, die die Ethikkommission gegen mich vorgebracht hat, und ich lehne die getroffene Entscheidung völlig ab", teilte der "zutiefst enttäuschte" Adamu in einer Presseerklärung mit. Temariis Anwältin Geraldine Lesieur sagte, ihr Mandant habe gemischte Gefühle, denn das Wichtigste sei für ihn gewesen, von allen Korruptionsvorwürfen freigesprochen zu werden.

Nach Erhalt der schriftlichen Begründung haben die beiden zehn Tage Zeit, Einspruch zu erheben. Adamu soll dies bereits getan haben. Neben den zwei Berufungsinstanzen der Fifa, könnten die Betroffenen auch den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne oder ordentliche Gerichte bemühen.

Vier weitere Funktionäre gesperrt

"Diese Entscheidungen mussten getroffen werden, und ich glaube, dass unsere Entscheidungen Wirkung zeigen", sagte der Ethikkommissions-Vorsitzende Claudio Sulser auf einer Pressekonferenz in Zürich. Natürlich gehe der Skandal mit einem "großen Image-Schaden für die Fifa einher", so Sulser. Man könne die Welt nicht von einen Tag auf den anderen verbessern, "aber wir können damit anfangen", so der Schweizer. Temarii muss zudem 5000 Schweizer Franken zahlen, Adamu wurde mit 10.000 Franken bestraft.

Sulser kündigte zwar an, die beiden vakanten Positionen nach der WM-Vergabe temporär neu zu besetzen, schloss allerdings auch eine Rückkehr von Adamu und Temarii nach abgeleisteter Suspendierung nicht aus. Für die WM 2018 haben sich Belgien/Niederlande, Spanien/Portugal sowie England und Russland beworben. Die WM vier Jahre später wollen Australien, Japan, Südkorea, Katar und die USA austragen.

Gesperrt wurden außerdem vier ehemalige Fifa-Exekutivmitglieder, die wie Temarii und Adamu ebenfalls schon suspendiert worden waren. Die längste Sperre erhielt mit vier Jahren Ismael Bhamjee aus Botsuana, jeweils drei Jahre wurden Ahongalu Fusimalohi aus Tonga und Amadou Diakite aus Mali ausgeschlossen. Slim Aloulou aus Tunesien darf sich zwei Jahre lang nicht im Fußball betätigen. Auch dieses Quartett muss jeweils 10.000 Franken Strafe zahlen. Als Sprecher der sechsköpfigen Kommission betonte Sulser zudem, dass jeder Fall unterschiedlich gelagert gewesen sei.

Einem Artikel der "Sunday Times" zufolge hatten Adamu und Temarii Reportern der Zeitung angeboten, ihre Stimmen bei der Entscheidung über die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen. Die Journalisten filmten den nigerianischen Funktionär Adamu und Temarii, einen Vertreter des Fußballverbandes Ozeaniens, dabei, wie sie Geld für bestimmte Projekte forderten. Die Reporter hatten sich als Lobbyisten für ein Konsortium amerikanischer Firmen ausgegeben, die angeblich die Weltmeisterschaft in die USA holen wollten.

Gegen die Bewerberländer wird es keine Sanktionen geben

Temarii und Adamu gehören zu den 24 Mitgliedern des Fifa-Ausschusses, der am 2. Dezember in Zürich in geheimer Abstimmung über die Gastgeberländer für die Titelkämpfe 2018 und 2022 entscheidet.

Darüber hinaus wurde bekannt, dass es gegen die Bewerberländer keine Sanktionen geben werde. Die gemeinsame Kandidatur von Spanien und Portugal sowie die Bewerbung Katars wurden von Vorwürfen der Absprache freigesprochen. Der Vorsitzende der Ethikkommission, Claudio Sulser aus der Schweiz, sprach insgesamt von einem großen Imageverlust für die Fifa. Präsident Joseph Blatter will sich nach Angaben von Generalsekretär Jerome Valcke am Freitag nach einer Sondersitzung des Exekutivkomitees äußern.

jar/dpa

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