Krawalle in Sevilla Chaos nach dem Hass-Derby

Ein Flaschenwurf, ein bewusstloser Trainer und ein Spielabbruch: Bei der Pokalpartie zwischen Betis und dem FC Sevilla spielte der Fußball am Ende keine Rolle mehr. FC-Coach Juande Ramos konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Er zeigte sich versöhnlich, die Justiz unnachgiebig.


Hamburg - "Der Fußballverband und die staatliche Anti-Gewalt-Kommission müssen mit aller Härte dagegen vorgehen", sagte Spaniens Sportminister Jaime Lissavetzky. Im Pokalspiel zwischen Betis und dem FC war Ramos in der 59. Minute von einer Flasche im Genick getroffen worden und bewusstlos zusammengesackt. Der Schiedsrichter brach daraufhin die Partie beim Stande von 1:0 für den FC Sevilla ab.

Am Morgen wurde Ramos aus dem Krankenhaus entlassen und besuchte schon wieder das Training seines Teams, obwohl der Arzt ihm 48 Stunden Ruhe verordnet hatte. "Das sind Dinge, die passieren, wenn Partien aufgeheizt sind", sagte Ramos, "die Betis-Fans sind nicht gleichzusetzen mit dem Irren, der die Flasche geschmissen hat." Sogar der Krankenwagen, der Ramos aus dem Stadion transportierte, war von Betis-Anhängern mit Steinen beschmissen worden.

Tränen in den Augen

Schon vor dem Spiel war die Stimmung zwischen den beiden Clubs hochgekocht. Nach einem Disput zwischen den beiden Vereins-Bossen wollte Betis zunächst ein lebenslanges Stadion-Verbot für FC-Chef Jose Maria Del Nido aussprechen. Dieser soll während des Spiels von einem Feuerzeug getroffen worden sein. Die Zeitung "El Pais" berichtete zudem, die Umkleide vom FC Sevilla sei mit so scharfen Putzmitteln gereinigt gewesen, dass sich die Spieler über tränende Augen beschwert hätten.

Der Verband beriet heute über mögliche Konsequenzen. Zwei Varianten werden offenbar in Erwägung gezogen: Eine Wertung zugunsten des FC, der durch den Treffer von Frederic Kanoute in der 57. Minute führte. Ebenfalls denkbar ist die in vergleichbaren Fällen übliche Fortsetzung des Viertelfinal-Rückspiels unter Ausschluss der Fans.

In der vergangenen Saison war das Viertelfinale zwischen dem FC Valencia und Deportivo La Coruna zur Halbzeit abgebrochen worden, nachdem ein Schiedsrichter-Assistent von einer Münze getroffen worden war. Eine Woche später wurde die Partie ohne Zuschauer mit den zweiten 45 Minuten fortgesetzt.

Der mutmaßliche Flaschenwerfer konnte Stunden nach der Partie ermittelt werden. Er sei mit Hilfe der Überwachungskameras im Stadion identifiziert worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Noch habe die Polizei den Mann aber nicht festnehmen können. Augenzeugen erzählten, er sei augenscheinlich betrunken gewesen.

Betis-Präsident Pepe Leon kündigte unterdessen seine Hilfe an, um den Vorfall aufzuklären. "Sollte der Täter ein Mitglied von Betis sein, wird er abgesehen von juristischen Konsequenzen vom Verein ausgeschlossen", sagte Leon. Sein Pendant del Nido nahm die Verantwortlichen des Lokalrivalen in Schutz. "Betis kann man keinen Vorwurf machen. Solche Verrückten gibt es sowohl hier als auch in St. Petersburg. Das wird man leider nie ganz verhindern können."

Das Hinspiel zwischen den Clubs der Deutschen David Odonkor (Betis) und Andreas Hinkel (FC) war torlos geblieben. Während Odonkor im Rückspiel weiterhin verletzt fehlte, stand Hinkel in der Anfangsformation des Tabellenzweiten.

bri/sid/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.