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Krawalle um Pokal-Spiel in Hannover "Ein angsteinflößendes Szenario"

Die Polizei war vorbereitet - und wurde doch überrumpelt: Einige hundert Dresdner Fans stürmten vor dem Anpfiff des Pokal-Spiels gegen Hannover das Stadion, mehrere Polizisten wurden verletzt. Schwerere Ausschreitungen konnten aber verhindert werden.

Hamburg - Ein Großaufgebot der Polizei, 18 Personen in Gewahrsam, mehrere Verletzte: Die ganz großen Ausschreitungen rund um das DFB-Pokal-Spiel zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden (4:3 i.E.) konnten zwar verhindert werden - doch das Aufeinandertreffen der Anhänger lief alles andere als friedlich ab. 1000 Polizisten hatten vor allem vor der als Risikospiel eingestuften Partie jede Menge zu tun.

"Wir wussten, dass etwa 500 der erwarteten 10.000 Dresdner Fans als gewalttätig einzustufen sind", sagt Hannovers Polizeisprecher Dirk Hallmann. Die Sicherheitskräfte hätten deshalb versucht, das Krawall-Risiko durch Vorkontrollen möglichst gering zu halten. Zudem hatte der gastgebende Club den Dresdner Anhängern die komplette Südtribüne zur Verfügung gestellt. Dorthin sollte der Fanmarsch von 1400 Dynamo-Fans unter Polizeibewachung geleitet werden.

"Schon während des Marsches haben sie Glasflaschen auf Polizisten geworfen und Pyrotechnik gezündet", sagt Hallmann. Vor dem Eingang zur Südtribüne kam es dann zur Eskalation: Etliche Dresden-Fans vertrieben und bedrohten die Ordner und Sicherheitskräfte mit Flaschen und Metallgegenständen, die Wachmänner flüchteten. 300 bis 400 Anhänger seien unkontrolliert über die Zäune ins Stadion gelangt, sagt Hallmann. Drei Polizisten und ein Sicherheitsmann seien auf ihrer Flucht verletzt worden. "Das war ein extrem angsteinflößendes und gewalttätiges Szenario", sagt Hellmann, "wir verstehen nicht, warum die Dresdner Fans sich so verhalten müssen."

DFB reagiert zurückhaltend auf die Vorkommnisse

Im Innenraum konnten Sicherheitskräfte die Fangruppe auf die Tribüne leiten, schlossen hinter ihr aber die Stadionzugänge. "Das hat natürlich für Unmut gesorgt", sagt Hallmann. Während des Spiels verhielten die Anhänger sich bis auf das Abbrennen einiger bengalischer Feuer weitgehend ruhig. Nach dem Abpfiff liefen etwa 200 Dresdner Fans auf den Platz, ließen sich von den Sicherheitskräften aber wieder auf die Tribüne führen.

Auch nach der Partie hielten sich die Krawalle in Grenzen, allerdings mussten die Beamten mehrere Sperren errichten, um gegnerische Fangruppen voneinander zu trennen. Insgesamt wurden 18 Personen in Gewahrsam genommen, und es gab drei Festnahmen wegen Körperverletzung. Da Pyrotechnik verboten ist, müssen beide Vereine mit Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) rechnen.

Dynamo Dresden war vor knapp einem Jahr nach Ausschreitungen rund um das Pokalspiel bei Borussia Dortmund vom laufenden DFB-Pokal-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Das DFB-Bundesgericht hatte dieses Urteil später aufgehoben und stattdessen ein Spiel in der zweiten Bundesliga ohne Zuschauer sowie eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro verhängt.

Derweil hat der DFB eher zurückhaltend auf die neuen Vorfälle reagiert. "Wir wollen Bilder wie in Hannover nicht sehen", sagte Generalsekretär Helmut Sandrock nach einem Treffen mit Vertretern des Ligaverbandes sowie der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Es sei aber "die Aufgabe unserer unabhängigen Sportgerichtsbarkeit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen".

psk/dpa
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