Krieg der Sterne BFC Dynamo zieht mit Bayern gleich

Zehnmal in Folge war der BFC Dynamo DDR-Meister, doch auf den weinroten Trikots war davon bisher nichts zu sehen. Grund: Die DFL hatte die Vergabe von Meistersternen lediglich auf die Bundesliga-Champions seit 1963 beschränkt. Der Oberligist beklagte sich über diese Ungerechtigkeit – und bekam jetzt Recht. Freuen dürfen sich jedoch auch andere Clubs.

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BFC-Trainer Backs mit neuem Trikot: Mit Bayern gleichgezogen
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BFC-Trainer Backs mit neuem Trikot: Mit Bayern gleichgezogen

Hamburg - "Das ist ein weiterer Schritt, den BFC Dynamo wieder in der Realität zu etablieren", sagte BFC-Sprecher Yiannis Kaufmann heute SPIEGEL ONLINE. Der Oberligist hatte im Sommer 2004 bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantragt, wie der (bundes-)deutsche Rekordmeister FC Bayern München ebenfalls drei kleine Sterne als Insignum von zehn Titeln auf dem Trikot tragen zu dürfen. "Heute morgen haben wir dann erfahren, dass der DFB pro BFC entschieden hat", so Kaufmann.

Nicht ganz verhehlen konnte der Sprecher des Oberligisten seine Freude darüber, der bundesdeutschen Konkurrenz ebenfalls zu ihrem Recht verholfen zu haben. "Der BFC ist Vorreiter gewesen für eine Entscheidung, die ganz andere Dimensionen hat", sagte Kaufmann. Denn künftig werden nicht nur die ehemaligen Meister der DDR-Oberliga wie Dynamo Dresden (acht Titel), Vorwärts Berlin/ Frankfurt an der Oder (6), Wismut Aue (4) sowie Magdeburg und Carl Zeiss Jena (je 3) ihre Spielkleidung umgestalten dürfen.

Der DFB, der diesen Grundsatzbeschluss auf einer Präsidiumssitzung am Freitag fasste, entschied auch, dass neben den Vereinen des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR, dessen Rechtsnachfolger der DFB als Folge der Wiedervereinigung wurde, alle deutschen Meister vor 1963 ebenfalls Sterne tragen dürfen.

DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer, der sich für eine solche Regelung eingesetzt hatte, bestätigte SPIEGEL ONLINE den Grundsatzbeschluss des DFB. "Das ist zu meiner Freude positiv entschieden worden", sagte Moldenhauer. Es sei um die Frage gegangen, ob der DDR-Meister mit dem Deutschen Meister gleichzusetzen sei.

Grundsätzlich hätten daran nie Zweifel bestanden, denn "im Handball wurden direkt nach der Wende ja auch alle Titel, Länderspiele und Tore übernommen. Doch das Problem war, dass die DFL mit der Einführung der Sterne ein Marketingsignal für die Bundesliga setzen wollte." Und damit nicht nur die Titelträger der DDR außen vor gewesen seien, sondern auch die deutschen Meister vor 1963, dem Jahr der Gründung der Bundesliga.

Das hat sich nach der Sitzung des Verbandspräsidiums nun geändert. Jeder Verein, der seit 1903 drei Titel holte, dürfte sich theoretisch einen Stern aufs Trikot kleben, der neunmalige Meister 1. FC Nürnberg zwei - und der BFC Dynamo gleich drei davon. Moldenhauer, der früher beim Oberligisten 1. FC Magdeburg im Tor stand, wies gegenüber SPIEGEL ONLINE jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Entscheidung des DFB - die DFL hatte sich zuvor für nicht zuständig erklärt - keine in einem Ost-West-Konflikt sei. "Ich habe pragmatisch argumentiert, schließlich sind ehemalige Dynamo-Spieler wie das Hertha-Trainerduo Falko Götz und Andreas Thom oder HSV-Coach Thomas Doll auch in der Bundesliga heute in entscheidenden Positionen tätig."

Viertligist BFC Dynamo will übrigens am kommenden Freitag im Oberliga-Spiel gegen die Amateure von Energie Cottbus erstmals mit dem neuen Sterne-Trikot auflaufen. Ansonsten übt man sich in Berlin in Bescheidenheit. Der Verein habe gerade wegen fehlender Strukturen auf den möglichen Aufstieg in Liga drei verzichtet - sehr zum Unwillen der euphorisierten Fans, die ihren Verein lieber schon morgen in der Champions League sehen würden, heißt es beim BFC.

Dort spielt in zwei Wochen der FC Bayern München gegen den FC Chelsea um den Einzug ins Halbfinale. In Berlin hat man zumindest auf dem Trikot mit den Bayern schonmal gleichgezogen.



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