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08. Januar 2013, 08:42 Uhr

Traditionsclub in der Krise

1860-Investor droht mit Zahlungsstopp

Wie geht es weiter bei 1860 München? Nach einem Krisentreffen zwischen Investor und Clubführung ist die Zukunft des Zweitligisten völlig offen. Geldgeber Hasan Ismaik fordert den zügigen Bundesliga-Aufstieg, die Vereinsbosse verfolgen eine andere Strategie.

Hamburg - Das Treffen am Montagabend sollte endlich Ruhe für 1860 München bringen. Doch nach fast vierstündigen Verhandlungen zwischen dem jordanischen Investor Hasan Ismaik und der Vereinsführung droht dem Fußball-Zweitligisten eine Zerreißprobe. Die Sitzung sei "sehr schlecht" gelaufen, sagte Ismaik, als er die Geschäftsstelle verließ und stellte in Richtung Präsidium klar: "Ich kann mit diesen Leuten nicht mehr zusammenarbeiten."

Bei dem Streit geht es um die zukünftige Ausrichtung des Clubs. Ismaik hatte zuletzt den erst im Mai beschlossenen Dreijahresplan aufgekündigt und das Ziel Bundesliga-Aufstieg früher als ursprünglich abgemacht ins Auge gefasst. Er fordert eine Abkehr vom Sparkurs, Verstärkungen für die Mannschaft und personelle Veränderungen in der Clubführung. Derzeit sind die Münchner Tabellensechster, fünf Punkte hinter dem Relegationsplatz.

Die 1860-Bosse um Präsident Dieter Schneider wollen allerdings nicht zu viel finanzielles Risiko eingehen, den forschen Ismaik bremsen - und bringen ihn damit gegen sich auf. Wie die Vereinsführung nach dem Treffen berichtete, habe Ismaik indirekt damit gedroht, den finanziell angeschlagenen Sechzigern den Geldhahn zuzudrehen. "Wir haben versucht, Ismaik dazu zu bringen, die ihm im Rahmen des Dreijahresplans vereinbarten Zahlungen zu gewährleisten. Das hat er abgelehnt", sagte Schneider. Der Investor habe die Gespräche dann nach fast vier Stunden von sich aus abgebrochen.

Ismaik habe personelle Einflussnahme gefordert

Schon vor der Sitzung hatte Ismaik gesagt: "Ich kann nicht mehr mit Herrn Schneider zusammenarbeiten. Er ist nicht ehrlich. Das geht nicht mehr. Ich hoffe, dass er zurücktritt." Während des Krisengipfels verzichtete der Jordanier aber offenbar darauf, im direkten Gespräch mit der Vereinsspitze den Rücktritt von Schneider zu verlangen. "Eine Forderung, Herrn Schneider abzulösen, ist Herrn Ismaik nicht über die Lippen gekommen", sagte Vizepräsident Wolfgang Hauner. Allerdings sagte Schneider, Ismaik habe "personelle Einflussnahmen gefordert, die weit über das von der DFL erlaubte Maß hinausgehen".

Wie es jetzt beim Traditionsclub weitergeht, ist offen. Eine direkte Einflussnahme Ismaiks beim Club verhindert die "50+1"-Regel der DFL, nach der die Mehrheit eines Vereins nicht von einem Investor übernommen werden kann. Ismaik war im Mai 2011 zunächst mit 18,4 Millionen Euro bei 1860 eingestiegen, hatte dafür 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile des Clubs erworben (13 Millionen Euro), ein Darlehen für den Abbau der Schulden gewährt (5,4 Millionen) und die Münchner so vor dem finanziellen Aus bewahrt.

ham/sid/dpa

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