Krisenklub Stuttgart Die Schwächen im System

Alles mies beim VfB Stuttgart? Nein, der neue Trainer Alexander Zorniger wird Erfolg haben. Aber nur, wenn die Qualität in der Defensive erhöht wird - und jeder im Kader versteht, dass Fußball ein Mannschaftssport ist.

VfB-Sportdirektor Dutt (l.), Trainer Zorniger: Null Punkte, Platz 17
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VfB-Sportdirektor Dutt (l.), Trainer Zorniger: Null Punkte, Platz 17


Alexander Zorniger brachte die Leistung seiner Elf am Samstag auf eine griffige Formel: "Extrem scheiße" sei das 1:4 gegen Eintracht Frankfurt gewesen. Widersprochen hat niemand. Nach drei Spieltagen, null Punkten und zehn Gegentoren ist die Versuchung groß, die beiden Worte auch auf den gesamten Saisonstart der Schwaben anzuwenden. Doch das wäre genau so einfach wie das Welterklärungsschema dieses Fußball-Jahrzehnts: Das System ist schuld. Ob es gut läuft oder schlecht.

Das ist im Fall des VfB Stuttgart nicht nur deshalb Unsinn, weil genau dieses System noch bis Samstag, 15.30 Uhr, als das allein seligmachende gepriesen worden war. Sowohl das offensive Verteidigen als auch die offensive Grundausrichtung sind nicht etwa Zwangsvorstellungen des Trainers Zorniger. Es ist der Fußball, der zu dieser Mannschaft passt, der Fußball, den die Leute in Stuttgart sehen wollen.

Wenn der Trainer wiederholt, er werde auch künftig "keinen Zement anrühren" lassen, ist das deshalb nur logisch. Defensivfußball gibt ein Kader auch nicht her, der in der Offensive überdurchschnittlich gut und in der Abwehr unterdurchschnittlich flink ist. Unabdingbar wäre es bei dieser Ausgangslage aber, dass der VfB bald lernt, den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten. Genau das gelang bisher nicht.

Es geht also nicht um eine Abkehr vom Spielsystem, sondern um dessen bessere Umsetzung. Dass die Offensivspieler des VfB die gegnerischen Abwehrspieler tief in deren Hälfte attackieren, ist gewünscht. Doch zum Teil geschieht das in vorderster Front noch zu unkoordiniert, die Reihe hinter Daniel Ginczek und Martin Harnik kam nicht nur gegen Frankfurt mit dem Verschieben nicht mehr hinterher, Lücken klafften auf, die einen Großteil der bisher zehn Saisongegentore zur Folge hatten.

Lücken in der Defensive, vorne fehlt die Körperspannung

Dass beim VfB derzeit mal wieder die Abwehr in der Diskussion steht, hat seine Berechtigung. Hier ist die Qualität am geringsten. Doch nach dem vergangenen Samstag hätte man trotzdem noch ein anderes Thema suchen können. Es geht um einen Spieler, dessen Hauptproblem noch nie das Potenzial gewesen ist. Die Rede ist von Martin Harnik. Anstatt einen Ball, der ihm von Filip Kostic nach tollem Antritt und zentimetergenauem Zuspiel aufgelegt wurde, einfach über die Linie zu schieben, schoss er den Ball übers Tor.

Die Körperspannung hatte den Mann in den entscheidenden Hundertstelsekunden vor dem Abschluss verlassen. Wie es eben so ist, wenn man sich zu früh über ein wunderschönes Tor direkt unter die Latte freut - und dabei vergisst, dass man das erst noch schießen muss. Warum das hier erzählt wird? Weil Harnik das in den vergangenen Jahren schon häufig so praktiziert hat, muss er sich die Frage gefallen lassen, ob ihm seine Eitelkeit in der Mannschaftssportart Fußball nicht manchmal im Wege steht.

Sein Treffer hätte jedenfalls das 2:1 bedeutet, ein Spielstand, der eine verunsicherte Mannschaft beflügelt hätte. "Vorne ist überhaupt nix gut", sagte dann auch Sportdirektor Robin Dutt. Was und wen er gemeint hatte, war ebenso klar wie seine Feststellung, dass man "vorne zu viel liegenlassen und hinten alles zugelassen" habe.

Tatsächlich scheint zum Beispiel Torwart Przemyslaw Tyton mehr Eingewöhnungszeit zu brauchen als dem VfB lieb sein kann. Der Pole ist beim Herauslaufen zu zögerlich und strahlt nicht genug Sicherheit aus. Dass gegen Frankfurt lange Bälle auf die Außen oder scharfe Direktpässe in die Spitze reichten, um die Abwehr komplett auszuhebeln, ist eine Qualitätsfrage.

Der VfB verliert auch in dieser Spielzeit zu viele Defensivzweikämpfe, weil die Gegner einen Tick schneller sind. Abhilfe soll nun der Bosnier Toni Sunjic schaffen, der nach der Länderspielpause sein Ligadebüt feiern soll. Auch auf der rechten Außenbahn dürfte sich etwas tun. Man sollte also nicht zu früh mit dem VfB abrechnen. Womöglich wäre einem das schon im Winter peinlich.



insgesamt 22 Beiträge
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swingsession 31.08.2015
1. Mit Dutt und Zorninger wird das nix
Wer ist beim VFB eigentlich auf die hirnrissige Idee gekommen, Dutt und Zorninger einzustellen? Nen Trainer, der den Beweis seiner Klasse trotz drückender finanzieller Überlegenheit durch die Brausekohle schuldig geblieben ist, trainiert jetzt nen Erstligisten. Wäre es ein Buch würde man das als Fiktion abtun. Wenn Stuttgart nach dem 5ten verlorenen Hurraspiel immer noch keinen Punkt hat, sollten die Verantwortlichen die Reißleine ziehen. Zeitgleich noch dem Dutt ne Marke aufkleben und Tschüss sagen. Dann klappt das auch mit dem Klassenerhalt.
PowlPoods 31.08.2015
2. Das
Elend begann mit Horst Heldt. Der wird auch noch Schalke niederwirtschaften und dann am besten zum FC Bayern wechseln.
hapebo 31.08.2015
3. Wo ist Stuttgart?
Seit der MV tot ist geht es mit dem VfB bergab. Selbst die Amateure (VfB ll) sind Tabellenletzter,am besten ihr schließt das Stadion und baut es um als Flüchtlingsquartier.
austromir 31.08.2015
4. merkwürdig
Das merkwürdige an dieser Analyse ist doch, dass diese Mannschaft in der letzten Saison nur mti sehr viel Mühe udn sehr viel Glück den Klassenerhalt geschafft hat. Durch einen Trainerwechsel jetzt zu erwarten, dass die gleiche Mannschaft erheblich besser spielen kann, ist doch ein Trugschluss. Der Abgang von Rüdiger und Ulreich hat den VFB sicher nicht gestärkt. Statt eines Ulreich mit kleinen Schwächen hat der VFB jetzt einen unsicheren neuen Tormann. Dass man dem Zeit geben muss ist klar, aber das kostet eben Punkte. Die werden ind er Endabrechnung fehlen. Statt eines jungen wilden Rüdiger hat der VFB derzeit offenbar gar keinen Innenverteidiger mehr. Auch das geht im Fussball erfahrungsgemäß selten gut. Den Gegner von der eigenen Verteidigung fernzuhalten kann sich Bayern als Taktik in der Bundesliga erlauben (wenn es nicth gerade gegen Wolfsburg oder Dortmund geht). Der VFB hat sicher nicht die Klasse, dieses Konzept zu verfolgen. Wenn bei diesem Verein nicht bald der Übergang vom System Mayer-Vorfelder zum modernen Profifussball stattfindet dann findet sich der VFB sehr bald in Gesellschaft von Düsseldorf, Duisburg und Darmstadt wieder. Dort gehört ein Verein, der so fahrlässig mti seinem Potential umgeht aber auch hin.
metalslug 31.08.2015
5. Rechne fast nur mit Niederlagen
Sorry dass ich das sagen muss, aber meine Rechnung geht bisher auf. Kann mich nur dem Vorredner anschließen: VfB bleibt Punktelieferant für alle anderen. Das ist auch gut so, weil ich brauche diese Stuttgarter Konstante für meine Wettergebnisse. Bitte nichts daran ändern. Danke.
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