Krise in Dortmund BVB soll Transferrechte abgetreten haben

Borussia Dortmund muss derzeit viele Brandherde löschen. Nachdem die Pleite des Fußball-Bundesligisten vorerst abgewendet wurde, wehrt sich der Club nun gegen den Vorwurf, beim Börsengang falsche Angaben gemacht zu haben. Doch es droht neuer Ärger: Laut "Handelsblatt" hat die Borussia Transferrechte fast aller Spieler abgetreten.


Ex-BVB-Chef Niebaum: "Vorwürfe sind haltlos"
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Ex-BVB-Chef Niebaum: "Vorwürfe sind haltlos"

Dortmund - "Die gegen die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA und gegen Michael Meier und Dr. Gerd Niebaum erhobenen Vorwürfe sind haltlos", erklärte der Verein in einer Mitteilung. Das gelte auch für den Vorwurf einer Verletzung der Publizitätspflicht.

Der Verein reagierte damit auf die Ankündigung des Münchner Rechtsanwalt Klaus Rotter, er werde wegen "unsauberer Praktiken der Geschäftsführung" Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstatten. Der Jurist wirft dem BVB-Management vor, im Börsenprospekt die millionenschwere Verpfändung der Borussia-Markenrechte an den Gerling-Konzern bewusst unterlassen und die "katastrophale BVB-Finanzmisere" viel zu spät öffentlich bekannt gemacht zu haben.

Borussia wies diese Vorwürfe kategorisch zurück. Der Emissionsprospekt sei höchst sorgfältig von einer renommierten, auf Börsenzulassungen spezialisierten Frankfurter Anwaltskanzlei erarbeitet worden. "Diese Kanzlei hat der konsortialführenden Großbank im Hinblick auf die Prospekterstellung direkt Bericht erstattet", hieß es in Dortmund. Auch der Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit im Zusammenhang mit der Ad-hoc-Publizitätspflicht sei haltlos. Der Anwalt des Borussia-Geschäftsführers Meier, Christian Richter, hatte bereits gestern die Vorwürfe zurückgewiesen. "Die Staatsanwaltschaft soll prüfen, sie wird nichts Strafbares finden", erklärte er.

Unterdessen berichtet das "Handelsblatt", dass der ehemalige Deutsche Meister die Transferrechte fast aller Spieler von Wert als Sicherheit für Darlehensverträge hinterlegt habe. Während der Wirtschaftsprüfer und Sanierungshelfer des BVB, Jochen Rölfs, dem Blatt zufolge dies "in dieser Lage" keineswegs für überraschend hält, da die Spieler neben Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring und Kartenverkauf das wichtigste Kapital eines Fußballvereins darstellten, nutzen Bundesliga-Konkurrenten wie Bochum, Schalke, Rostock, Stuttgart, Bremen und der Hamburger SV diese Möglichkeit der Zeitung zufolge nicht. Dazu, welche der Geldgeber einen Spielervertrag als Sicherheit bekommen haben sollen, äußerte sich Rölfs nicht.

Am Sonntag hatten die "Ruhr Nachrichten" veröffentlicht, dass der BVB die Transferrechte an Mittelfeldspieler Rosicky als Gegenleistung für eine 15-Millionen-Euro-Geldspritze des Grevener Bauunternehmers Sahle abgetreten habe. Rosicky selbst zeigte sich über den Vorgang "schockiert": "Wenn so etwas passiert, dann müssen ich und mein Berater informiert sein. Aber wir wussten das nicht", sagte der Tscheche dem DSF.

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