Krise in Dortmund "Wir wollen nur noch überleben"

Nach dem Scheitern im DFB-Pokal steht Borussia Dortmund erneut vor einem Scherbenhaufen. Das internationale Geschäft ist in weite Ferne gerückt und in der Bundesliga herrscht purer Abstiegskampf. Eine Studie sieht gar den Bestand des Unternehmens BVB in Gefahr.


Dortmunds Ewerthon, verzweifelt nach dem verschossenen Elfmeter: "Das ist bitter"
REUTERS

Dortmunds Ewerthon, verzweifelt nach dem verschossenen Elfmeter: "Das ist bitter"

Hannover - BVB-Trainer Bert van Marwijk hatte es nach der 0:1 (0:0)-Pleite im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Hannover 96 eilig: "Lasst uns anfangen. Die Mannschaft will nach Hause", sagte der Coach und verließ die Pressekonferenz, noch bevor 96-Trainer Ewald Lienen mit seinem Statement begann.

Die Krise beim Deutschen Meister von 2002 und dem Champions-League-Sieger von 1997 spitzt sich zu. "Es ist bitter, dass wir ein weiteres Saisonziel abhaken müssen", sagte van Marwijk, "wir müssen jetzt weiterkämpfen und haben nur noch ein Ziel: Wir wollen überleben. Dem Druck im Abstiegskampf müssen wir standhalten."

"Wir kämpfen weiter"

Manager Michael Meier hingegen wollte die Situation beim mit rund 118 Millionen Euro verschuldeten Revierclub nicht dramatisieren: "Das Pokalaus ist enttäuschend, aber die Einstellung der Mannschaft hat gestimmt. Man muss den Baum deshalb nicht wieder anzünden." Auch der designierte BVB-Präsident Reinhard Rauball versuchte Ruhe zu bewahren: "Es war ein sehr wichtiges Spiel, aber wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen."

Nach der verpatzten vergangenen Spielzeit, dem frühen UI-Cup-Aus und dem bisher enttäuschenden Saisonverlauf bedeutet die Pokalschlappe für die Westfalen einen weiteren Rückschlag. Das wirtschaftlich erforderliche Erreichen des internationalen Geschäfts ist nun nur noch über die Bundesliga möglich. Bei Platz zwölf und aktuell sechs Punkten Rückstand auf einen Uefa-Cup-Platz richten sich aber selbst die Blicke der Verantwortlichen in den Tabellenkeller. Drei Punkte beträgt der Abstand zum 1. FC Kaiserlautern auf Platz 16.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgt die Verletzungsmisere der Dortmunder. In der Partie gegen Hannover mussten der ohnehin angeschlagene Spielmacher Tomas Rosicky (Rückenprobleme) sowie Abwehrspieler Guy Demel (Muskelfaserriss) ausgewechselt werden und erhöhten die Anzahl der verletzten oder gesperrten Spieler vor der Bundesliga-Partie am Samstag in Kaiserslautern auf 14. "Das ist zuviel, aber wir kämpfen weiter", so van Marwijk.

Großaktionär Homm meldet sich zu Wort

Christian Wörns, in die Knie gezwungen: "Wir wollen überleben"
DDP

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Ungeachtet der sportlichen Misere werden hinter den Kulissen strukturelle Umbaumaßnahmen angekündigt. BVB-Großaktionär Florian Homm fordert vor der Mitgliederversammlung am kommenden Sonntag, auf der Präsident Gerd Niebaum seinen Rücktritt vollziehen wird, die Umwandlung der bestehenden "GmbH & Co KG auf Aktien" in eine reine Aktiengesellschaft.

Die Rechtsform "wird sich nächstes bis übernächstes Jahr ändern", so Homm im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Der Grund sei die undurchsichtige und wenig aktionärsfreundliche Struktur der Gesellschaft.

Zugleich verlangt Homm, der zurzeit angeblich rund ein Viertel der BVB-Aktien kontrolliert, vom Management noch mehr Sparmaßnahmen: "Alle Ausgaben müssen durch den Fleischwolf." Der Großaktionär kritisiert das Zahlenwerk des BVB: "Die Bilanzierungsmethoden sind merkwürdig."

"Katastrophal und Besorgnis erregend"

Das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) in Saarbrücken untersuchte zu diesem Zweck für "Capital" die Bilanzen des BVB seit dem Börsengang im Jahr 2000. Ergebnis der Analyse: "Sowohl die Ertrags- als auch die Finanzsituation muss man als katastrophal einschätzen", sagt Institutsleiter Professor Dr. Karlheinz Küting. "Die Liquiditätslage ist Besorgnis erregend. Verbessert sich die Situation nicht grundlegend, dürfte der Bestand des Unternehmens gefährdet sein."



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