Krise in Hoffenheim Mäzen Hopp wirft Rangnick Erpressung vor

Das war das Hoffenheim der Hinrunde: Spielfreude, Siege, Zusammenhalt. Das ist das aktuelle Hoffenheim: Ein Trainer, der Verstärkungen fordert und indirekt mit Abschied droht. Und ein Mäzen, der sich "nicht erpressen" lassen will. Der Herbstmeister ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Hamburg - Zwölf Spiele in Folge sieglos, Absturz vom ersten auf den neunten Tabellenplatz und nun auch noch eine selbst entfachte Trainerdiskussion: Herbstmeister 1899 Hoffenheim ist vier Spieltage vor Saisonende nur noch ein Schatten des Überraschungsteams aus der Hinrunde. Nachdem sich in der Mannschaft im Verlaufe der 0:4 (0:0)-Pleite beim VfL Wolfsburg Auflösungserscheinungen bemerkbar machten, scheint bei Trainer Ralf Rangnick allmählich Amtsmüdigkeit einzusetzen.

Hoffenheim-Trainer Rangnick: "Nicht mit Mittelmaß zufrieden"

Hoffenheim-Trainer Rangnick: "Nicht mit Mittelmaß zufrieden"

Foto: DDP

"Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen", sagte der 50-Jährige nach der höchsten Saisonniederlage des Aufsteigers der "Bild am Sonntag" und stellte damit erstmals seinen Verbleib in Hoffenheim in Frage. Rangnicks Vertrag läuft zwar noch bis 2011, doch zufrieden scheint der Coach mit der derzeitigen Perspektive nicht: "Meine Vorgabe war, dass ich Hoffenheim in die Bundesliga führen sollte. Mir wurde gesagt: Dann geht es richtig los."

So fordert Rangnick unter anderem qualitativ hochwertige Verpflichtungen: "Wir müssen uns auf sechs, sieben Positionen verstärken." Von seinem Team erwartet er zudem ein Aufbäumen in der Endphase der Saison: "Wir müssen den Hebel umlegen und die letzten vier Spiele noch mit Anstand hinter uns bringen."

Für die sechs bis sieben Zugänge wurden ihm bisher nur zehn Millionen genehmigt, doch dem ehrgeizigen Trainer reicht dies nicht. Der Etat des Dorfvereins soll zur neuen Runde von 23 auf nur 26 Millionen Euro aufgestockt werden. "Selbst Hannover hat mehr Geld", klagte Rangnick. "Profis mit Qualität kommen nun mal nicht wegen der guten Landluft nach Hoffenheim."

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp reagierte verärgert auf Rangnicks indirekte Drohung. "Ich lasse mich nicht erpressen. Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn der Trainer nach solch einer Vorstellung sein Bleiben in Frage stellt", sagte der 69-Jährige, der Rangnick keinen Blankoscheck zur personellen Aufrüstung ausstellen will: "Der Etat muss in erster Linie wirtschaftlich ausgewogen und sinnvoll sein. Wir haben uns diesbezüglich aber noch nicht final unterhalten."

Er lasse sich "durch den Ehrgeiz von anderen nicht zu halsbrecherischen Aktionen verleiten", sagte Gesellschafter Hopp der "Rhein-Neckar-Zeitung" und übte erstmals Kritik an der Personalpolitik seiner leitenden Angestellten: "Wäre Wellington nicht verpflichtet worden, stünden fünf Millionen Euro mehr zur Verfügung." Der brasilianische Stürmer gilt als Fehleinkauf und hat die Verletztenmisere in Hoffenheims Angriff ebenso wenig auffangen können wie der von Werder Bremen ausgeliehene Boubacar Sanogo.

"Wir sind die schlechteste Rückrundenmannschaft. Wenn es so weitergeht, steigen wir nächste Saison ab. Da können wir doch nicht von einem internationalen Wettbewerb reden", warnte der 69-jährige Hopp.

Rangnick bestritt allerdings, sich bereits konkret mit Wechselgedanken getragen zu haben. Derzeit konzentriere er sich ausschließlich auf Hoffenheim: "Ich befasse mich mit nichts anderem, so lange ich das Gefühl habe, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Ob ich das Gefühl habe, wird man in den nächsten sechs, sieben Wochen sehen."

Derweil scheint eine erste Personalie bereits vom Tisch zu sein. Offensivtalent Lewis Holtby von Zweitligist Alemannia Aachen, um den sich die Hoffenheimer bemüht hatten, soll dem Club bereits abgesagt haben. "Er hat mir gesagt, dass er nach Hoffenheim kommt, wenn die Modalitäten stimmen", berichtete Rangnick: "Wenn wir diesen Spieler nicht bekommen, hat das die Aussagekraft, dass wir nicht die Möglichkeit haben, solche Spieler zu holen."

goe/sid/dpa
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