Kritik am DFB-Teammanager Völler geht auf Bierhoff los

Rudi Völler rastet aus: Mit drastischen Worten hat Leverkusens Sportchef den Teammanager der Nationalmannschaft kritisiert. Völler hält Oliver Bierhoff Selbstgefälligkeit vor - und stellt dessen fußballerische Fähigkeiten in Frage.

Hamburg - Wutreden haben offenbar Saison in der Bundesliga. Erst wütete Bayerns Manager Uli Hoeneß gegen die eigenen Fans, jetzt knöpft sich Rudi Völler den Teammanager der DFB-Elf via Interview vor.

"Ich möchte Bierhoff zu etwas mehr Demut raten, zu größerer Zurückhaltung. Er sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen", sagte der Sportchef von Bayer Leverkusen im "kicker" und "Express" und attackierte damit seinen ehemaligen Kapitän. Bierhoff hatte angesichts des schwachen Abschneidens der deutschen Vereine im Europacup einen runden Tisch mit den Clubtrainern angeregt.

Das Verhalten von Bierhoff verschafft Völler nach eigener Aussage "schlimmste Magenkrämpfe". Vor allem der öffentlich immer wieder geäußerte Wunsch von Bundestrainer Joachim Löw und Bierhoff nach einer einheitlichen Spielphilosphie regt Völler maßlos auf. "Die Spielphilosophie von heute ist zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen", sagte der 47-Jährige.

"Mit Spielern, die Clubs wie Köln, Bayern München, Stuttgart, Bremen oder Bayer Leverkusen ausgebildet haben, kannst du diese Philosophie umsetzen. Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht", sagte er und stellte damit die fußballerischen Qualitäten Bierhoffs in Frage: "Jeder Trainer würde gerne offensiv spielen lassen. Aber wenn du zum Beispiel einen Spielertypen wie Bierhoff im Team hast, kannst du eben auch nicht brasilianisch spielen", sagte Völler.

Damit spielte Völler auf seine Zeit als DFB-Teamchef an, als er häufig für eine unattraktive Spielweise kritisiert worden war. Damals, so Völler, habe er nicht das Spielermaterial zur Verfügung gehabt wie nun Joachim Löw. Zudem solle man beim DFB nicht vergessen, dass "die Bundesliga dafür sorgt, dass gut ausgebildete Spieler im Nationalteam für Furore sorgen".

Völler erhielt aus der Bundesliga in Bezug auf die Kritik von Bierhoff und Löw an der Arbeit in den Clubs Rückendeckung. So meinte Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel: "Jogi soll sich um die Nationalelf kümmern. Wir kümmern uns um die Vereine." Auch Bremens Sportdirektor Klaus Allofs konterte die Kritik: "Wir müssen uns keinen Vorwurf gefallen lassen, dass wir uns keine Gedanken machen und den Anforderungen nicht gerecht werden." Einem runden Tisch steht der ehemalige DFB-Kapitän skeptisch gegenüber: "Eine sinnlose Diskussion, wenn nur Dinge thematisiert werden, die schon besprochen worden sind."

ulz/sid

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