EM-Gruppe C Kroatien feiert klaren Sieg im Außenseiterduell

Starker Auftritt von Mario Mandzukic: Der Angreifer war gegen Irland mit zwei Kopfbällen erfolgreich und sorgte so für die Vorentscheidung. Gegen die Mannschaft von Trainer Giovanni Trapattoni waren die Kroaten nur in der Anfangsphase gefordert.

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Hamburg - Spätestens seit Berti Vogts weiß man, dass es im Weltfußball "keine Kleinen" mehr gibt. Aber chancenlose Außenseiter, die gibt es noch. In der Gruppe C dürften das die Iren sein, die beim 1:3 (1:2) gegen Kroatien spielerisch an ihre Grenzen stießen. Dass auch Kroatien nur mit Glück in die K.o.-Runde wird einziehen können, ist dem Los-Pech geschuldet: Italien und Spanien bewiesen beim 1:1 am frühen Abend, dass sie die klaren Favoriten auf die ersten beiden Gruppenplätze sind.

Mann des Abends beim Sieger war Mario Mandzukic vom VfL Wolfsburg: "Ich muss meinem Vater danken. Er hat zu mir gesagt, dass ich ein Tor mit dem Kopf machen soll." Der Angreifer traf sogar gleich zweimal per Kopf. Bereits nach drei Minuten rutschte die halbe Hintermannschaft der Iren bei einer Flanke von Dario Srna aus, ebenso Mandzukic. Doch der 26-Jährige konnte sich immerhin bis auf Kniehöhe wieder aufrappeln und köpfte zum frühen 1:0 ein.

Irland war zwar um den Ausgleich bemüht, doch dem Team von Giovanni Trapattoni fehlen die spielerischen Mittel. Die Stars Robbie Keane, Damien Duff und John O'Shea sind alle über 30 Jahre alt, auch die Taktik der Iren wirkt in die Jahre gekommen: lange Bälle spielt kaum noch eine Team im Weltfußball, doch bei Trapattoni scheinen sie noch nicht aus der Mode gekommen zu sein. Eine Freistoßflanke brachte dann den Ausgleich durch Sean St. Ledger, der Innenverteidiger setzte sich am zweiten Pfosten im Kopfballduell durch (19. Minute).

Given mit Pech, Trapattoni bricht Rekord

Das mit Luka Modric, Dario Srna und Ivan Perisic stark besetzte Mittelfeld der Kroaten tat sich schwer, die gut organisierte irische Abwehr zu überwinden. Der Dortmunder Perisic (22./36.) und Modric (34.) scheiterten mit Distanzschüssen am erfahrenen Keeper Shay Given oder verfehlten das Tor knapp.

So musste die irische Abwehr bei der kroatischen Führung mithelfen: Stephen Ward legte mit einem Querschläger ungewollt auf Nikica Jelavic auf, der Given aus kurzer Distanz keine Chance ließ (43.). Knapper war da aus Givens Sicht schon das 1:3. Mandzukics Kopfball prallte vom Pfosten zurück gegen den Kopf des Keepers und von da ins Tor (48.).

Kroatien gab sich mit dem Ergebnis zufrieden, Irland kämpfte tapfer weiter, aber ohne Erfolg. Die Mittel, mit denen die Mannschaft angriff, stellten Kroatiens Abwehr vor keinerlei Probleme. Einen Rekord konnten die Iren dennoch verzeichnen an diesem Abend: Ihr Trainer brach den Altersrekord für Trainer bei einer Europameisterschaft. Mit 73 Jahren und 85 Tagen löste Trapattoni den früheren Bundesliga-Trainer Otto Baric (Kroatien/71 Jahre und 2 Tage) als Rekord-Halter ab.

Irland - Kroatien 1:3 (1:2)
0:1 Mandzukic (3.)
1:1 St. Ledger (19.)
1:2 Jelavic (43.)
1:3 Mandzukic (48.)
Irland: Given - O'Shea, St. Ledger, Dunne, Ward - McGeady (54. Cox), Whelan, Andrews, Duff - Doyle (53. Walters), Keane (75. Long)
Kroatien: Pletikosa - Srna, Corluka, Schildenfeld, Strinic - Vukojevic - Rakitic (90.+2 Dujmovic), Modric, Perisic (89. Eduardo) - Mandzukic, Jelavic (72. Kranjcar)Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)
Zuschauer: 39.550 (in Posen)
Gelbe Karten: Andrews - Modric, Kranjcar



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Stäffelesrutscher 10.06.2012
1.
Na ja, wollen wir mal nicht unterschlagen, dass bei dem Schuss eines Kroaten in der 43. Minute, den der arme Ire unglücklich weiterbeförderte, zwei Kroaten meilenweit im Abseits standen, unter anderem der gefeierte Torschütze. Mangels "neuer Spielsituation" hätte also abgepfiffen werden müssen.
Wal-Ire 10.06.2012
2. Das war eine der schlechtesten Leistungen
Eines Unparteiischen, die ich in den letzten Jahren auf internationalem Niveau habe sehen muessen. Das 2:1 war ein klares Abseitstor, spaeter wurden boese Fouls an den Iren einfach uebersehen und schlussendlich sogar ein klarer Elfmeter nicht gegeben. Ich will die Leistung der Iren nicht schoenreden, da hat es an allen Eckennund Enden gefehlt ... Aber die Kroaten waren auch nicht viel besser. Der Schiedsrichter hingegen gehoert aus dem Verkehr gezogen. Sowas geht gar nicht. Egal, in der Gruppe mit Spanien und Italien ist sowieso nichts zu holen und selbst fussballerische Grossnationen wie Deutschland haettennhier ein mehr als schweres Spiel.
on-the-move 11.06.2012
3. Lichtblick
Mann kann nur hoffen, das Kroatien der spanischen Aroganz einen ordentlichen Daempfer versetzten wird. Das sie es koennen durften die Iren erleben. Auf geht's Kroatien!!!
PeaceNow 11.06.2012
4. ??
Zitat von StäffelesrutscherNa ja, wollen wir mal nicht unterschlagen, dass bei dem Schuss eines Kroaten in der 43. Minute, den der arme Ire unglücklich weiterbeförderte, zwei Kroaten meilenweit im Abseits standen, unter anderem der gefeierte Torschütze. Mangels "neuer Spielsituation" hätte also abgepfiffen werden müssen.
Hätten Sie Ahnung vom Fussball, dann wüssten Sie das es eben KEIN Abseits war, weil der Ball vom Gegenspieler kam. Für unkundige wurde dies auch mehrfach von Olli Kahn u.a. erklärt. Die Iren waren mit 3:1 noch gut bedient, denn es hätte auch locker 5:1 für Kroatien ausgehen können. Trotz des herben Verlustes für die Kroaten, mit der Verletzung von Olic und dessen Ausscheiden, hat diese Mannschaft Potential und wird auch gegen Italien (die sie schon mehrfach besiegten) und Spanien für eine Überraschung gut sein.
TS_Alien 11.06.2012
5. .
Wenn man die Südländer spielen sieht, sieht man erst, wie wenig die deutschen Spieler technisch können. Wieso lernen das die deutschen Spieler nicht? So schlecht haben die Iren gar nicht agiert. Lange Bälle sind nicht per se schlecht, genauso wie das Kurzpassspiel (der Spanier) per se gut ist. Es kommt auf die Abwechslung an, und auf die jeweilige Situation. Der Schiedsrichter hat insgesamt ordentlich gepfiffen (kein Schiedsrichter macht alles richtig), den Elfmeter für die Iren hätte man geben können, wenn das Foul überhaupt eindeutig im Strafraum gewesen ist. Den Ellbogenschlag gegen den kroatischen Torhüter hätte man auch ahnden sollen.
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