Krumme Geschäfte DFL nimmt Lautern Punkte weg

Die fortwährenden Verstöße gegen die Lizenzierungsregeln der Deutschen Fußball Liga kommen dem 1. FC Kaiserslautern teuer zu stehen. Die DFL verurteilte den hoch verschuldeten Erstligisten zu einer Geldstrafe. Zudem werden dem FCK drei Punkte abgezogen - allerdings erst in der kommenden Saison.


FCK-Boss René C. Jäggi: "Eine sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht harte Strafe"
DDP

FCK-Boss René C. Jäggi: "Eine sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht harte Strafe"

Hamburg - In mehreren Fällen seien Verstöße gegen das DFB-Lizenzspielerstatut und gegen die Lizenzordnung des Ligaverbandes festgestellt worden, hieß es am Donnerstag in einer Presseerklärung der DFL. Dem Ligaverband seien "wesentliche Verträge im Zusammenhang mit Persönlichkeitsrechten der Spieler vom 1. FC Kaiserslautern vorenthalten" worden.

Beanstandet wurden ganz offensichtlich die mit den früheren FCK-Profis Youri Djorkaeff und Taribo West abgeschlossenen Verträge. Die ehemalige Vereinsführung soll durch den Kauf von Persönlichkeitsrechten verdeckte Gehaltszahlungen geleistet haben. Die Unregelmäßigkeiten in den Lizenzunterlagen der Pfälzer beziehen sich laut DFL auf die Spielzeiten 1997/98 bis 2002/2003.

Die Zahlung der Geldstrafe in Höhe von 125.000 Euro ist binnen vier Wochen fällig. Der Abzug der drei Punkte wird mit Beginn der kommenden Saison wirksam. Dass der Punktabzug nicht schon zum Ende dieser Spielzeit erfolgt, begründete die DFL damit, dass die festgestellten Verstöße in den vergangenen Spielzeiten begangen worden seien und keinen Bezug zur laufenden Saison hätten.

Legt Lautern Berufung ein?

"Das ist eine sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht harte Strafe", sagte der FCK-Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi, "zufrieden stellt mich, dass durch die sportlichen Sanktionen nicht die Arbeit von Trainer und Mannschaft in der laufenden Saison belastet wird." Der Club kann innerhalb einer Woche gegen den DFL-Beschluss Beschwerde einlegen.

Auf einer eigens für Donnerstagabend einberufenen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat soll entschieden werden, ob der FCK Rechtsmittel gegen die DFL-Entscheidung einlegen will. "Eine solche Strafe ist aus meiner Sicht das Schlechteste, was uns passieren kann", klagte FCK-Trainer Erik Gerets, der die seit acht Ligaspielen ungeschlagene Mannschaft vom letzten Platz auf Rang elf geführt hat.

Konkurrenz kritisiert DFL-Entscheidung

Bei der Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt traf die DFL-Entscheidung auf Unverständnis. "Das Urteil ist halbherzig. Es hilft uns und den anderen Vereinen im Abstiegskampf nicht mehr", kritisierte der Nürnberger Sportdirektor Edgar Geenen, "Kaiserslautern hat sich die Vorteile in der vergangenen und der laufenden Saison erschlichen. Deshalb wäre eine aktuelle Bestrafung gerechtfertigt gewesen."

In der Bundesliga gab es bislang zwei vergleichbare Fälle. In der Saison 1993/94 wurden Dynamo Dresden vier Punkte abgezogen, 1999/2000 erwischte es Eintracht Frankfurt (zwei Punkte). Beide Teams schafften aber dennoch den Klassenerhalt. DFB oder DFL zogen einem Proficlub bislang noch nie in einer laufenden Spielzeit Punkte ab. Der Regionalligist 1. FC Saarbrücken muss jedoch noch diese Saison für Verstöße mit vier Zählern büßen. Vor Beginn dieser Serie war der Zweitligist SSV Reutlingen zu einem Sechs-Punkte-Abzug verurteilt worden.

Den FCK drücken 40 Millionen Euro Schulden

Die Lauterer Verbindlichkeiten in Höhe von 40 Millionen Euro Schulden hat vor allem die alte Vereinsführung um FCK-Boss Jürgen Friedrich, Ex-Vorstandsmitglied Gerhard Herzog und dem früheren Aufsichtsratsvorsitzeden Robert Wieschemann zu verantworten. Gegen diese Personen hat der Club bereits Schadenersatzansprüche geltend gemacht.

Das Sanierungskonzept des FCK sieht unter anderem die Gründung einer Objektgesellschaft vor, die das Fritz-Walter-Stadion und das Trainingsgelände Fröhnerhof zum Kaufpreis von 60,3 Millionen Euro übernimmt. Die Stadt fungiert dabei als Hauptgesellschafter, die Banken übernehmen die restlichen Anteile.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.