Künftig 24 EM-Teilnehmer Uefa stärkt kleine Verbände

Teilnehmerfeld aufgestockt: Ab dem Jahr 2016 sollen 24 Mannschaften an einer EM-Endrunde teilnehmen. Auch der Uefa-Cup bekommt einen neuen Namen. Ob die Europameisterschaften 2012 tatsächlich am geplanten Ort stattfinden, ist allerdings noch unklar.


Hamburg - An Fußball-Europameisterschaften werden vom Jahr 2016 an 24 Mannschaften teilnehmen, wo die EM 2012 stattfindet ist aber weiter ungewiss. Die Entscheidung über Polen und die Ukraine als Gastgeber für 2012 ist längst zu einem brisanten Politikum geworden und auch Franz Beckenbauer wollte vor der entscheidenden Uefa-Exekutivsitzung in Bordeaux diesbezüglich keine Prognose wagen.

Fifa-Funktionär Beckenbauer: EM-Aufstockung ist beschlossene Sache
DPA

Fifa-Funktionär Beckenbauer: EM-Aufstockung ist beschlossene Sache

Beckenbauer verriet aber nach dem ersten Sitzungstag immerhin, dass die Aufstockung um acht Teams für das übernächste Kontinentalturnier schon beschlossene Sache ist. "Es sprechen einige Gründe dafür. Und die EM wird durch die Erweiterung nicht an Qualität verlieren", sagte Beckenbauer. Uefa-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder bestätigte derweil, dass der Uefa-Cup ab der Saison 2009/2010 "Uefa-Europaliga" heißen soll.

Uefa-Präsident Michel Platini hatte bereits zuvor erklärt, er wolle auch kleineren Nationen die Chance geben, an einer EM-Endrunde teilzunehmen. Die EM würde ab 2016 damit um eine auf vier Wochen verlängert und um ein Achtelfinale im K.o.-System erweitert. Fast die Hälfte aller 53 Uefa-Mitglieder wird dann alle vier Jahre bei der EM-Endrunde dabei sein. Zur Qualifikation wird dann in der Regel schon ein dritter Platz in der Ausscheidungsgruppe reichen.

Die Uefa sucht derweil verzweifelt nach einer diplomatischen Lösung für das Jahr 2012 - auch um ihren eigenen Ruf nicht zu ramponieren. Ausgerechnet Polens Fußball-Präsident Michal Listkiewicz präsentierte kurz vor der Bordeaux-Tagung mit dem Vorschlag einer Verschiebung auf 2016 einen aus seinem Munde nicht erwarteten Lösungsansatz.

Doch die Lage ist komplizierter. Die Organisationsschwierigkeiten der Osteuropäer sind längst zu einem ernsthaften Problem für die mächtigsten Fußball-Funktionäre des Kontinents geworden. "Es ist völlig offen. Ich möchte da gar keine Prognose abgeben", sagte das deutsche Exekutivmitglied Gerhard Mayer-Vorfelder kurz vor Beginn der bis Freitagmittag angesetzten Tagung. Auch Fifa-Funktionär Beckenbauer, als Beobachter stets bei Uefa-Sitzungen anwesend, wollte sich nicht festlegen. "Man muss den Bericht abwarten", sagte er.

Egal wie die Entscheidung um das Turnier 2012 ausfällt, ein EM- Makel wird auf der Uefa und ihrem Präsidenten Michel Platini vorerst haften bleiben. Auch eine Gastgeber-Verlegung um vier Jahre wäre kein Königsweg - zumal für dieses Turnier ausgerechnet Platinis Heimatland Ansprüche angemeldet hat. "Frankreich hat sich für 2016 schon in Stellung gebracht. Da gibt es ein großes Interesse", bestätigte Mayer-Vorfelder. Der sich sonst für 2012 so optimistisch gebende Pole Listkiewicz hatte mit seinen Äußerungen überrascht: "Wenn die EM erst 2016 stattfinden würde, hätten wir überhaupt kein Problem", sagte er zu "ZEIT ONLINE". "Wenn es jetzt nicht gut läuft, und die Uefa einen anderen Vorschlag hat, dann wäre es in Ordnung."

Ein neuer Uefa-Vorschlag wird mit Spannung erwartet. 17 Monate nach der überraschenden EM-Vergabe an Polen und die Ukraine ist zumindest offenkundig, dass die Entscheidung von Cardiff wenn nicht unbedacht, dann doch etwas vorschnell war und zum jetzigen Diplomatie-Dilemma führte. Marode Stadien, mangelhafte Verkehrsnetze und zu geringe Hotelkapazitäten waren auch schon im Vorjahr prognostizierbar, was kein gutes Licht auf das Uefa-Gremium wirft, das seinen eigenen Entschluss nun neu bewerten muss.

Mayer-Vorfelder gesteht längst ein, dass die Vergabe im April 2007 unter keinem guten Stern stand. "Es war eine einmalige Situation. Es gab den Wunsch, Osteuropa einzubinden und nur einen Konkurrenten in Italien, der selbst genug Problem hatte. Den konnte man nicht auch noch belohnen", sagte der Uefa-Vizepräsident.

Italien hat die 4:8-Abstimmungsniederlage gegen den Außenseiter nur schwer verwunden, gilt aber nicht als ernsthafter Ersatzkandidat. Spanien werden im Falle einer bislang nicht dagewesenen Aberkennung weiter die größten Chancen als Ersatz-Ausrichter nachgesagt. Die "deutsch-polnische Lösung" mit Spielen in Berlin und Leipzig ist vorerst wohl kaum mehr als ein Medien-Gerücht. Zu deutlich haben die DFB-Protagonisten Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Wolfgang Niersbach abgewiegelt. Manches spricht dafür, dass Platini und seine Kollegen Polen und der Ukraine so lange wie irgendmöglich Aufschub gewähren. 2011 - ein Jahr vor der EM - sind Uefa-Präsidentschaftswahlen und Platini braucht auch Stimmen aus Osteuropa.

ruf/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.