Kuntz-Interview "Für Bochums Aufstieg fast nichts getan"

Wie Aachen schaffte auch Bochum bereits vier Spieltage vor dem Saisonende den Bundesliga-Aufstieg. VfL-Sportdirektor Stefan Kuntz spricht im Interview über starken Charakter, feste Familienbande und seinen eigenen Beitrag zum erfolgreichen Saisonverlauf.


Frage: Herr Kuntz, drei Wochen nach ihrem Amtsanstritt als Sportdirektor dürfen Sie mit dem VfL Bochum bereits den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga feiern. Was für ein Gefühl ist das?

Kuntz: Es ist unglaublich, wie dieser Verein es im Gegensatz zum Beispiel zu 1860 München immer wieder schafft, direkt hochzukommen. Das ist eine ganz besondere Charaktereigenschaft. Dennoch würden wir mit dem nächsten Aufstieg natürlich gerne noch ein paar Jahre warten.

Sportdirektor Kuntz (r.), VfL-Profi Butscher: "Große Familie"
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Sportdirektor Kuntz (r.), VfL-Profi Butscher: "Große Familie"

Frage: Da Ihr früherer Club TuS Koblenz, für den Sie bis April tätig waren, in der Regionalliga Süd beste Chancen hatte, könnten Sie sogar der erste Manager sein, der in einer Saison zwei Aufstiege feiern darf.

Kuntz: Auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Ich kenne tatsächlich keinen Kollegen, dem Ähnliches gelungen wäre. Aber realistisch betrachtet hätte ich zum möglichen Aufstieg von Koblenz mehr beigetragen. Die Hauptdarsteller an so einem Tag sind in Bochum natürlich andere. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Ich habe für diesen Aufstieg noch so gut wie nichts getan.

Frage: Dafür beginnt Ihre Arbeit nach kurzer Eingewöhnungsphase nun richtig. Wie sehr hilft es Ihnen dabei, dass der Aufstieg so früh feststeht?

Kuntz: Das hilft natürlich ungemein. Es gab schon entsprechende Vorgespräche, die nun forciert werden können. Mit einem Etat von knapp 29 Millionen Euro sind keine großen Sprünge möglich, aber zum Glück hat der Verein durch seine seriöse Arbeit in den vergangenen Jahren etwas erwirtschaftet. Außerdem hat Marcel Koller schon eine sehr tolle Truppe aufgebaut. So dominant wie der VfL in diesem Jahr muss man erst mal durch die zweite Liga durchkommen.

Frage: Sie waren bereits zweimal als Spieler in Bochum tätig. Was hat sich seit Ihrem letzten Abschied 1999 beim VfL verändert?

Kuntz: Die Infrastruktur hat sich wesentlich verändert. Aber es wurden nur Projekte verwirklicht, die zum VfL passen und niemals irgendwelche Luftschlösser gebaut. Grundsätzlich ist dieser Verein daher immer noch der gleiche. Er hat sich zwischen Dortmund und Schalke als große Familie behauptet. Das ist unsere Stärke, und darauf können wir auch bauen. Spielern, die woanders vielleicht nicht so zurecht kommen, weil sie ein familiäres Umfeld brauchen, bieten wir eine ideale Plattform.

Aufgezeichnet von Holger Schmidt, sid



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