Kuriose Vereinsnamen Goldschmuggel und ein wilder Häuptling

Es sind schon langjährige Freundschaften zerbrochen, weil es Streit um Fußballfachfragen gab. Das konnte Christoph Biermann nicht mitansehen. Deshalb hat er ein Buch geschrieben. Bei SPIEGEL ONLINE widmet er sich heute Clubs, deren Namen sehr ungewöhnlich sind.


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Churchill Brothers (Goa, Indien)

Der indische Spitzenclub und sechsfache Titelgewinner von Goa wurde 1988 von Alemão Churchill gegründet. Der Fischer, Schmuggler, Politiker und Fußballfan ehrte damit sich selbst und seine Brüder. Sein Bruder Alvernaz wurde von der Zollpolizei getötet, als er angeblich gerade Gold an den Strand schmuggeln wollte. Ein weiterer Bruder verlor ebenfalls im Zusammenhang mit Goldschmuggel sein Leben.

Jomo Cosmos (Johannesburg, Südafrika)
Der Südafrikaner Jomo Sono spielte bei Cosmos New York zusammen mit Pelé und Franz Beckenbauer. Er kaufte nach seiner Rückkehr 1982 den Fußballclub Highland Park und benannte ihn in Jomo Cosmos um, seit 1994 ist er auch Chefcoach seines Clubs und war bei der Weltmeisterschaft 2002 zudem Nationaltrainer Südafrikas.

Club Atlético Bolívar (La Paz, Bolivien)
Das Jahr der Vereinsgründung, 1925, war zugleich das des hundertsten Jubiläums der Unabhängigkeit Boliviens. An den Befreier von der spanischen Vorherrschaft in Südamerika, Simón Bolívar, sollte der Vereinsname erinnern.

Clube de Regatas Vasco da Gama (Rio, Brasilien)
Die portugiesische Community von Rio de Janeiro benannte den Club nach dem berühmten Entdecker, der den Seeweg nach Indien fand und so das portugiesische Weltreich mitbegründete.

Club Social Deportvo Colo Colo (Santiago, Chile)
Der 1560 gestorbene Colo Colo war ein Mapuche-Häuptling, der erfolgreich gegen die spanischen Eroberer kämpfte und für seinen Mut, Scharfsinn und seine Weisheit verehrt wird.

Julius Berger FC (Lagos, Nigeria)
Der deutsche Ingenieur Julius Berger gründete 1890 eine Baufirma, die hierzulande in der Bilfinger Berger AG aufgegangen ist. Von 1965 an machte das Unternehmen in Nigeria Geschäfte und wurde dort vor 20 Jahren zu einer eigenständigen Firma. Die gleichnamige Fußballmannschaft wurde 1976 gegründet und ist eine Art Konzernclub. Sie gewann etliche nationale Titel, das Unternehmen stellt die Förderung aber bis 2008 ein.

Kaizer Chiefs (Johannesburg, Südafrika)
1969 von Kaizer Moutang gegründet, der zuvor bei den Atlanta Chiefs in der amerikanischen Profiliga NASL gespielt hatte. Das Team absolvierte zunächst als Kaizer XI nur Einladungsspiele, ist inzwischen aber neben dem Lokalrivalen Orlando Pirates populärster Club Südafrikas und wird nach wie vor von Kaizer Moutang geführt.

Jorge Wilstermann (Cochabamba, Bolivien)
Der 1949 von Arbeitern der bolivianischen Fluggesellschaft Lloyd Aéreo Boliviano gegründete Club hieß zunächst San José de la Banda. Seinen heutigen Namen bekam der neunfache bolivianische Meister 1953, er soll an Boliviens ersten Berufspiloten erinnern, der Jorge Wilstermann hieß.

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Vélez Sarsfield (Buenos Aires, Argentinien)
Dalmacio Vélez Sarsfield (1800 bis 1875) war Politiker und Jurist. Er schrieb die Verfassung von Buenos Aires und arbeitete an Argentiniens erstem bürgerlichen Gesetzbuch mit.

Willem II (Tilburg, Niederlande)
Der 1896 gegründete Club hieß zunächst Tilburgia, wurde aber im Januar 1898 in Willem II umbenannt, der zunächst Prinz von Oranje und von 1840 bis 1849 holländischer König gewesen war. Der Monarch hatte während eines Aufstands der Belgier sein Hauptquartier in Tilburg bezogen und seitdem eine besondere Verbindung zu dieser Stadt.

Newell's Old Boys (Rosario, Argentinien)
Der Engländer Isaac Newell wanderte 1869 mit 16 Jahren aus Kent in Argentinien ein. Er gründete in Rosario ein argentinisch-englisches Kolleg und beeindruckte seine Schüler so, dass sie den Club 1903 nach ihrem Lehrer benannten.

Xamax Neuchâtel (Schweiz)
Die Namensgebung erklärt sich hier aus einem Spiel mit dem Namen eines der Mitgründer: Max Abegglen. Der Stürmer war einer der erfolgreichsten Torjäger in den frühen Jahren des Schweizer Fußballs. Bei der Vereinsgründung 1912 entschied man sich für ein Palindrom, der Vorname von Abbelgen wurde dazu einmal von hinten und einmal von vorne geschrieben.



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