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Kurioses Kontertor Schweiz schockiert Europameister Spanien

Die WM hat ihre erste Riesenüberraschung: Top-Favorit Spanien verliert trotz drückender Überlegenheit gegen die Schweiz. Dem Außenseiter reichte ein simpler Konter für das Siegtor. Dass der Favorit nicht noch den Ausgleich schaffte, verdanken die Schweizer ihrem überragenden Torwart.

Hamburg - Verkehrtes Bild in Gruppe H: Durch ein 1:0 (0:0) gegen Spanien haben die Schweizer gemeinsam mit Chile, das ebenfalls 1:0 gegen Honduras gewann, die Tabellenführung übernommen. Das Tor des Tages für die Eidgenossen erzielte Gelson Fernandes, der in der 53. Minute einen kuriosen Konter im Nachsetzen abschloss.

Die Schweizer konnten sich zudem bei ihrem Torhüter Diego Benaglio bedanken. Der Wolfsburger entschärfte gut ein Dutzend spanischer Schüsse. "Wir haben zusammengehalten bis zur letzten Sekunde, das war eine große Mannschaftsleistung", sagte Torschütze Fernandes nach dem Spiel. "Das war ein historischer Sieg, wir haben vorher in 105 Jahren nicht gegen Spanien gewonnen", sagte der Schweizer Trainer Ottmar Hitzfeld.

Bundesliga gegen Champions League war das Motto in dem ungleichen Duell zwischen Spanien und der Schweiz. Dabei sah alles nach einem klaren Vorteil für die Iberer aus. In der Startaufstellung des Europameisters standen acht Spieler, die in der vergangenen Saison in der europäischen Königsklasse aktiv waren. Es hätten sogar noch zwei mehr sein können, doch Spaniens Trainer Vicente del Bosque ließ die angeschlagenen Cesc Fàbregas (FC Arsenal) und Fernando Torres (FC Liverpool) zunächst auf der Bank.

Bei den Schweizern dagegen spielte nur Torwart Benaglio mit dem VfL Wolfsburg in der Champions League - und das nicht besonders erfolgreich. Dafür standen in der ersten Halbzeit vier Bundesliga-Legionäre für die Schweiz auf dem Platz. Trotzdem hielt der Außenseiter im ersten Durchgang erstaunlich gut mit, obwohl sich die Spanier von Beginn an in der Hälfte des Gegners einrichteten.

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Gruppe H: Fehlstart für Favorit Spanien

Foto: YVES HERMAN/ REUTERS

Mit David Villa als einziger Spitze versuchte Spanien, den Abwehrriegel zu knacken - und erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Das Hitzfeld-Team konnte sich bei Benaglio bedanken, dass es ohne Gegentor in die Kabine kam. Er stemmte sich mit schnellen Reaktionen und guten Paraden gegen die spanischen Angriffe, entschärfte Chancen von David Silva (17.) und Gerard Piqué (24.). Die Schweizer kamen lediglich zu einer Tormöglichkeit durch einen Freistoß von Reto Ziegler (26.).

Senderos grätscht den eigenen Mann um und muss verletzt raus

Mit 1:8-Torschüssen, nur 31 Prozent Ballbesitz und ohne Philippe Senderos ging es für die Schweizer in die Pause. Das Abwehr-Ass vom FC Everton hatte sich in der 35. Minute bei einer kuriosen Grätsche gegen seinen eigenen Teamkollegen Stephan Lichtsteiner am rechten Fuß verletzt und musste ausgewechselt werden. Senderos muss nun um weitere WM-Einsätze bangen. Für ihn kam der Herthaner Steve von Bergen (36.).

Nach dem Wechsel zunächst das gleiche Bild. Spanien drückte, die Schweiz mauerte - bis zur 53. Minute. Ein langer Abschlag von Benaglio landete bei Eren Derdiyok, der an der Strafraumgrenze nach einem heftigen Rempler von Piqué ins Fallen kommt. Während der Leverkusener seinen Gegenspieler bei einer Rolle vorwärts mit den Stollen neben dem Auge verletzte, staubte Fernandes zum völlig überraschenden 0:1 ab. "Ich war plötzlich da, bin drangeblieben und habe die Chance bekommen", sagte der Mittelfeldspieler vom französischen Erstligisten St-Etienne.

Dementsprechend wütend reagierten jetzt die Spanier, doch Benaglio parierte sowohl Villas Schlenzer (58.) als auch dessen Flachschuss nach einem Alleingang (60). Nur vier Minuten später zirkelte Andrés Iniesta knapp am Tor vorbei. Deutlich besser aber nicht gut genug machte es Xabi Alonso in der 69. Minute, der den Ball nach einer Ecke aus 20 Metern an die Unterlatte schoss.

Spanien hat ausgezaubert

Die Schweizer hatten jetzt immer mehr Mühe, aus der eigenen Hälfte zu kommen. Wenn Sie es dann doch mal schafften, wurde es gleich umso gefährlicher. In der 75. Minute war es erneut Derdiyok, der durch den spanischen Strafraum spazieren durfte, doch sein Versuch, den Ball flach gegen die Laufrichtung von Casillas zu schieben, scheiterte am Pfosten.

Spanien spielte in der Schlussviertelstunde zwar weiter nach vorn, doch von dem Zauberfußball der Europameisterschaft oder aus der WM-Qualifikation war nicht mehr viel zu sehen. Meist scheiterten die Offensivkünstler am entscheidenden Pass. Zudem wirkten die vielen Stars am Ende der Partie zunehmend müde. Kam doch mal ein Schuss durch, überzeugte der starke Benaglio mit glänzenden Paraden.

Die Niederlage könnte bittere Folgen für den Favoriten haben. Landet das Team am Ende der Gruppenphase auf dem zweiten Rang, könnte es bereits zu einem Duell mit Brasilien kommen. Die hatten in ihrem Auftaktmatch ebenfalls Mühe, siegten aber am Ende gegen Nordkorea 2:1. "Wir haben noch zwei Spiele in der Vorrunde und müssen uns motivieren. Wir sind gezwungen zu gewinnen", erkannte auch del Bosque abschließend.

Spanien - Schweiz 0:1 (0:0)
0:1 Fernandes (52.)
Spanien: Casillas - Sergio Ramos, Puyol, Pique, Capdevila - Busquets (61. Torres) - David Silva (62. Jesus Navas), Xabi Alonso, Xavi, Iniesta (77. Pedro) - Villa. - Trainer: del Bosque.
Schweiz: Benaglio - Lichtsteiner, Senderos (36. von Bergen), Grichting, Ziegler - Barnetta (90.+2 Eggimann), Inler, Huggel, Fernandes - Derdiyok (79. Yakin) - Nkufo. - Trainer: Hitzfeld.
Schiedsrichter: Webb (England)
Gelbe Karten: - Grichting, Ziegler, Benaglio, Yakin
Zuschauer: 62.452

Mit Material vom sid
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