Kurswechsel mit Jupp Heynckes "Für Bayern und für Uli Hoeneß"

Nun soll der alte Routinier es richten: Mit der Nominierung von Jupp Heynckes können die Bosse in München nichts falsch machen - und vielleicht doch noch den Meistertitel sichern. Der Trainer-Veteran verspricht: "Ich tue es für den FC Bayern und Uli Hoeneß."

München - Kaum war der Abgesang der Bayern-Bosse auf den gefeuerten Jürgen Klinsmann vorbei, meldete sich der Neue zu Wort. "Ich tue das für den FC Bayern, der mir das Sprungbrett in den internationalen Fußball gegeben hat, und aus Freundschaft zu Uli Hoeneß", sagte Jupp Heynckes in einem Interview der "Rheinischen Post". In den Jahren 1989 und 1990 war Heynckes mit den Bayern Deutscher Meister geworden.

Freundschaft ist eine der Tugenden, auf die Uli Hoeneß reflexartig zurückgreift- jetzt, wo das Experiment Klinsmann gescheitert ist. Dieser Rückschlag muss gerade den Bayern-Manager doppelt hart treffen. Schließlich war er es, der sich für Klinsmann als neuen Trainer stark machte, obwohl er noch vor und während der WM als einer seiner größten Kritiker auftrat. Obwohl Klinsmann die Erfahrung als Vereinstrainer fehlte, ging Hoeneß das Risiko ein. Und das zu einem Zeitpunkt, als bereits feststand, dass Hoeneß' Rückzug aus dem operativen Geschäft nur noch eine Frage der Zeit war.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, muss jetzt jeder Handgriff sitzen. Oder, wie es Hoeneß auf der Pressekonferenz zum Klinsmann-Rauswurf ausdrückte: "Wir brauchen Aufbruchstimmung, wir haben so viele Bremsen gehabt." Und vor allem: "Wir brauchen einen Fußballlehrer." Da erscheint die Verpflichtung Heynckes' als Übergangslösung nur konsequent. Der 63-Jährige steht wie kaum ein anderer für Tradition statt Innovation. Er hat die Champions League mit Real Madrid gewonnen, hat große Vereine wie eben den FC Bayern trainiert und gilt als absoluter Fachmann.

Heynckes' Ruf hat bei seinen beiden letzten Kurzengagements gelitten - beim FC Schalke (2003 bis 2004) und bei Borussia Mönchengladbach (2006 bis 2007) brachte er nicht die erhofften Erfolge. Trotzdem kann Hoeneß mit seiner Verpflichtung nichts falsch machen. Heynckes ist eine Respektsperson, er versteht viel von Taktik. Ein Sieg im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Samstag könnte die Initialzündung für eine Miniserie sein, an deren Ende doch noch der ersehnte Meistertitel stehen könnte. Bei den unkonstanten Leistungen der Konkurrenz sicher kein ganz unrealistisches Szenario.

Selbst, wenn Bayern am Ende "nur" die direkte Qualifikation für die Champions League erreicht, hätten alle alles richtig gemacht: Heynckes Ruf wäre durch einen weiteren Erfolg wieder aufpoliert. Rummenigge und Hoeneß könnten sich dafür feiern lassen, im richtigen Moment die Reißleine gezogen zu haben und den Rauswurf Klinsmanns vor sich und der Öffentlichkeit rechtfertigen. Ganz nebenbei würde Hoeneß durch den Einzug in die Champions League die finanzielle Basis schaffen, um dem neuen Bayern-Trainer ein erfolgversprechendes Wunschteam zusammenzustellen. Geht alles auf, könnte sich Hoeneß wie geplant mit ruhigem Gewissen im Winter vom Managerposten zurückziehen.

Solidarität für Klinsmann

Sein Verhältnis zu Bayern sei nach wie vor ein ganz besonderes, sagte Heynckes der "Süddeutschen Zeitung": Beim Spiel gegen Schalke habe ich viele ehemalige Spieler und Mitarbeiter des FC Bayern auf der Tribüne getroffen. "Da merkt man eben, dass doch ein großer Respekt vorhanden ist und dass ich sicher irgendwelche Spuren hinterlassen habe - nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch", so Heynckes. "Das hat mich hoch erfreut. Für mich ist es immer schön, nach München zum FC Bayern zu kommen."

Heynckes zollte zugleich seinem Vorgänger Respekt: Dieser habe sehr intensiv gearbeitet und sei einen innovativen Weg gegangen. So etwas brauche manchmal Zeit. "Im Fußball zählt aber oft nur der direkte Erfolg, und darum bekommt man diese Zeit leider nicht", sagte Heynckes, der beim FC Bayern zwar nur fünf Spiele, aber irgendwie doch alle Zeit der Welt hat.

Klinsmann bleibt immerhin die Solidarität der Kollegen. "Man hätte Jürgen Klinsmann mehr Zeit geben müssen. Man muss bedenken, dass er die Mannschaft nicht zusammengestellt, sondern nur übernommen hat. Der Unterschied zu seiner Arbeit bei der Nationalmannschaft war, dass er es dort mit jungen Spielern zu tun hatte und beim FC Bayern mit arrivierten Stars. Ich halte ihn nach wie vor für einen guten Trainer, der begeistern kann", sagte Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Aufmunternde Worte kamen auch von Bundestrainer Joachim Löw, den Klinsmann als Teamchef zur Nationalmannschaft geholt hatte. "Die letzten Wochen waren unmenschlich, alle Kritik galt einer Person. Das war massiv. Aber Jürgen hat Stärke bewiesen, war immer loyal zum Verein und zur Mannschaft. Das zeugt von einem starken Charakter", so Löw: "Es war extrem schwierig, alles hatte sich fokussiert auf ihn. Jürgen hatte trotz Kritik Spaß an der Arbeit. Er ist gradlinig geblieben." Das kann man FC Bayern nicht behaupten. Dennoch könnte genau das am Ende doch noch zum Erfolg führen.

Mit Material von sid und dpa
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