Kurzpässe Berlusconi tritt ab, Hleb sagt Arsenal ab

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi gibt sein Amt als Präsident des AC Mailand auf. Alexander Hleb verlässt den FC Arsenal, der 1. FC Kaiserslautern wäre fast in der Oberliga gelandet. Die österreichischen EM-Profis haben Berater- und Prostituiertenverbot.


Hamburg - Der frühere Stuttgarter Bundesliga-Profi Alexander Hleb wird den FC Arsenal verlassen und steht offenbar vor einem Wechsel zum italienischen Meister Inter Mailand. "Alexander bereitet sich auf den wichtigsten Schritt seines Lebens vor", sagte sein Berater Nikolaj Schbilewski in der weißrussischen Zeitung "Pressball". "Er wird Arsenal verlassen, obwohl sie ihm einen neuen langjährigen Vertrag zu besseren Konditionen angeboten haben", sagte der Agent weiter: "Nur die Zeit wird zeigen, ob dies der richtige Schritt ist. Aber es gibt kein Zurück. Alles wird in den kommenden zwei Wochen über die Bühne gehen."

Arsenal-Profi Hleb: Raus aus London
Getty Images

Arsenal-Profi Hleb: Raus aus London

Als aussichtsreichster Kandidat gilt der italienische Meister aus Mailand. Arsenals Teammanager Arsène Wenger hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, den Tabellenführer der Serie A beim Weltverband Fifa zu melden, falls er Hleb abwerbe. Der 27-Jährige hat bei Arsenal noch einen Vertrag bis 2010. Sein Abgang würde den zweiten schweren Verlust für Arsenal bedeuten. Vor kurzem erst war der Wechsel von Mittelfeldspieler Mathieu Flamini zu Inters Stadtrivalen Milan bekannt geworden.

Beim amtierenden Champions-League-Sieger AC hat der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein Amt als Präsident aufgegeben. Die Rolle des Politikers sei mit jener des Präsidenten eines Fußballvereins unvereinbar, erklärte Berlusconi in einer Mitteilung, nachdem am Donnerstagnachmittag seine neue Mitte-Rechts-Regierung vereidigt worden war. Der AC Mailand wird künftig wie schon in Berlusconis bisherigen Amtszeiten als Regierungschef 1994 und zwischen 2001 und 2006 vom bisherigen Vizepräsidenten Adriano Galliani geleitet. Berlusconi ist seit 1986 Besitzer des AC Mailand.

Mit einem detaillierten Verhaltenskodex will Teamchef Josef Hickersberger die österreichische Nationalmannschaft zu einer erfolgreichen Heim-EM führen. Neben "Selbstverständlichkeiten" wie Pünktlichkeit und Respekt erlegte Hickersberger seinen Profis auch Verbote und Einschränkungen auf. So ist etwa Telefonieren mit Handys in der Kabine und beim gemeinsamen Essen untersagt. Zapfenstreich ist um 22.30 Uhr. Danach dürfen die Fußballer nur noch "ein gutes Buch" lesen, Würfeln oder Kartenspielen ist laut EM-Knigge strikt untersagt.

Auf Kuschelstunden mit ihren Ehefrauen oder Freundinnen müssen Österreichs Fußballer während der Europameisterschaft verzichten. Besuche seien zwar erlaubt, hier gelte jedoch: "Nur in der Hotel-Lobby oder im Aufenthaltsraum. Da muss jeder vernünftig sein", erklärte Hickersberger. Zudem gebe es auch völlig unerwünschte Personen: "Dazu zählen nicht nur Prostituierte, sondern auch Spielermanager oder -berater."

Für die Vereine hat es künftig nicht mehr nur einen hohen Werbewert, zahlreiche Spieler in den Aufgeboten der 16 Endrundenteilnehmer bei der EM zu stellen. Die Europäische Fußball-Union Uefa wird den Clubs künftig nach Angaben des G14-Präsident Jean-Michel Aulas 4000 Euro pro Tag und abgestelltem Spieler bezahlen. Dies erklärte der Präsident des sich noch bis Juni in der juristischen Auflösung befindlichen Zusammenschlusses führender europäischer Fußballvereine nach einem Gespräch mit Uefa-Präsident Michel Platini. "Wenn man zehn bis zwölf Spieler für eine Endrunde abstellt, kann man am Ende auf 1,2 Millionen Euro kommen", sagte Aulas, der erklärte, das für die Vereine zufriedenstellende Ergebnis sei "dank Michel Platini" zustande gekommen.

Nach Informationen des "Focus" stand der abstiegsbedrohte Zweitligist 1. FC Kaiserslautern kurz vor der Insolvenz. Nur die drastische Senkung der Pacht für das Fritz-Walter-Stadion durch die stadteigene Betreibergesellschaft Ende April habe die "Roten Teufel" vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet. "Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagte Lauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel. Wäre die Pacht nicht reduziert worden, hätte dies laut Weichel das "wirtschaftliche Ende des Vereins und sportlich Punktabzug und Abstieg in die Oberliga bedeutet". Die Betreibergesellschaft hatte Ende April nach Focus-Angaben die Stadionmiete von bisher 3,2 Millionen Euro pro Saison auf 1,8 Millionen Euro gesenkt.

Dank der Qualifikation für die Champions League und der erstmals in der Vereinsgeschichte überstandenen Gruppenphase hat Bundesligist Schalke 04 das Geschäftsjahr 2007 mit Rekordzahlen im wirtschaftlichen Bereich abgeschlossen. Bei einem Gesamtumsatz von 149,5 Millionen Euro erwirtschaftete der deutsche Vizemeister einen Gewinn von 12,8 Millionen. Der bisherige Umsatzrekord stammte aus dem Jahr 2005 und lag bei 131,8 Mio. Euro. Den Stand der Verbindlichkeiten konnten die Gelsenkirchener um rund 21 Prozent von 129,5 auf 102,2 Millionen senken, da der Club neben der planmäßigen Tilgung auch außerplanmäßige Sonderzahlungen leisten konnte.

fpf/sid/dpa



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