Kurzpässe Blatter kritisiert, Palermo schäumt

Joseph Blatter macht sich große Sorgen um die WM 2010 in Südafrika. Der US Palermo fühlt sich von West Ham United, Gegner der Italiener im Uefa-Cup, beleidigt. Unruhe gibt es wieder einmal beim italienischen Fußballverband.


Hamburg - Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, hat das Organisations-Komitee (OK) der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika kritisiert. Grund ist der inzwischen beunruhigende Verzug bei der Errichtung neuer Stadien und bei Umbaumaßnahmen. Blatter will in absehbarer Zeit selbst nach Südafrika reisen und vor Ort mit Präsident Thabo Mbeki und Mitgliedern der Regierung die Lage erörtern.

Fifa-Chef Blatter: "Allerhöchste Zeit"
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Fifa-Chef Blatter: "Allerhöchste Zeit"

"Ich will ihnen nochmals die Bedeutung der WM vor Augen führen und das OK auffordern, besonders die fünf Stadionneubauten schnellstens in Angriff zu nehmen. Denn es ist allerhöchste Zeit", sagte Blatter. "Sie haben Pläne, Geld und bereits Entscheidungen getroffen, aber ich habe dort noch niemanden mit Spitzhacke und Spaten gesehen, der mit der Arbeit beginnt", so der 70-Jährige. Blatter hofft, dass man in Südafrika inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt hat die Anstrengungen erhöht. Er habe weiterhin Vertrauen in die Verantwortlichen und bot den Südafrikanern Hilfe aus England, Frankreich, Deutschland oder von Experten aus anderen Ländern an.

Ein T-Shirt, das vor dem Uefa-Cup-Spiel zwischen West Ham United und US Palermo (0:1) außerhalb des Stadions Hupton Park am vergangenen Donnerstag zu kaufen war, sorgt für große Empörung in Italien. "West Ham against Mafia" war auf dem Kleidungsstück zu lesen. "Palermo mit der Mafia zu verbinden, bedeutet, ganz Sizilien zu beleidigen. Und der Slogan auf den T-Shirts beschädigt das Image der Fans von West Ham, einem Club, der aber auf dem Spielfeld Fairplay bewiesen hat", sagte der Präsident der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro. Die italienische Senatorin, Maria Burani Procaccini, forderte den Ausschluss des englischen Klubs aus der Uefa. "Diese T-Shirts beleidigen die Jahrtausende alte Tradition Siziliens, die aus Kultur, Kunst, Theater und Leidenschaft besteht. Ich hoffe, dass die Uefa mit geeigneten Sanktionen eingreifen wird", sagte die Senatorin der konservativen Partei Forza Italia.

Unklar ist, wie es an der Spitze des italienischen Fußballverbandes (FIGC) weitergeht. Der kommissarische Verbandspräsident Guido Rossi, der nach der Aufdeckung des Manipulationskandals die Führung des FIGC an Stelle des zurückgetretenen Franco Carraro übernommen hatte, könnte demnächst wegen Befangenheit zum Aufhören gezwungen sein. Rossi, ein angesehener Wirtschaftsexperte, wurde gestern Abend zum neuen Präsidenten der italienischen Telefongesellschaft Telecom Italia ernannt. Er sehe keinen Interessenkonflikt, betonte Rossi. Die italienische Sportministerin, Giovanna Melandri, hatte sich bereits besorgt gezeigt, dass durch Rossis möglichen Rücktritt auch die Erneuerung des Fußballverbands zu einem Ende kommen könnte. Rossi hat einen bis November dieses Jahres laufenden Vertrag mit dem Fußballverband unterzeichnet, im Gespräch ist eine Verlängerung bis Juni 2007.

fpf/sid



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