Kurzpässe Bundesliga-Manager kritisieren die Fifa, italienischen Clubs droht Punktabzug

Olympia und kein Ende: Zahlreiche Bundesliga-Manager werfen der Fifa im Abstellungsstreit vor, ihre Kompetenzen zu überschreiten. In Italien drohen Livorno und Bergamo Punktabzüge. Die beiden Clubs sollen Ergebnisse abgesprochen haben.


Hamburg - Mit deutlichen Worten attackieren zahlreiche Bundesliga-Funktionäre im Steit um die Olympia-Freigabe ihrer Spieler den Weltverband Fifa und IOC-Präsident Jacques Rogge. "Es ist schon fast eine Frechheit, dass ein Mann, der für Olympia zuständig ist, dermaßen Druck auf die Vereine ausübt. Das ärgert mich", sagte Andreas Müller von Schalke 04. Rogge könne "vielleicht irgendeinen Leichtathleten sperren, aber keine Fußballer", erklärte Dieter Hoeneß von Hertha BSC Berlin: "Er geht weit über seine Kompetenzen hinaus."

Werder-Manager Klaus Allofs: Scharfe Kritik an der Fifa
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Werder-Manager Klaus Allofs: Scharfe Kritik an der Fifa

Rogge hatte gedroht, Spieler unter 23 Jahren, die von den Clubs keine Freigabe für Olympia erhalten, während der Spiele in Peking für die Liga sperren zu wollen. Dies lässt die Manager allerdings völlig kalt. Müller sieht "keinerlei Handhabe", auch Manager Jan Schindelmeiser von Aufsteiger 1899 Hoffenheim, der Chinedu Obasi die Freigabe für Nigeria verweigert, geht mit Rogge hart ins Gericht. "Ich wusste gar nicht, dass er eine Funktion bei der Fifa hat. Bei der Fifa muss man mit Überraschungen rechnen, aber bislang hat die sich immer an die eigenen Statuten gehalten." Der Verband pocht beim Thema Abstellungen in schwammigen Formulierungen weiter auf ein Gewohnheitsrecht, was die Bosse der Bundesliga-Klubs auf die Palme bringt. "Wie die Fifa handelt, ist fahrlässig und völlig unzureichend", sagte Klaus Allofs von Werder Bremen: "Die Fifa ist schließlich unser Verband. Sie ist da, um die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten."

Auch in Berlin beschäftigt der Streit um die Olympia-Freigabe den örtlichen Bundesligisten. Bei Hertha BSC Berlin scheint es zum Machtkampf zwischen dem Club und einem seiner Stars zu kommen: Stürmer Marko Pantelic pocht auf die Teilnahme an den Spielen in Peking (8. bis 24. August). "Mein Herz sagt mir, dass ich für Serbien spielen muss. Ich wäre wirklich sehr traurig, wenn ich nicht nach Peking fahren darf", sagte er dem "Berliner Kurier". Nach Angaben der Zeitung habe der Verein bisherige Forderungen des Serben nicht sehr ernst genommen. "Wirklich, Marko will zu Olympia?", zitiert das Blatt Trainer Lucien Favre: "Mit mir hat er noch nicht darüber gesprochen." Dieses Gespräch soll offenbar am Montag stattfinden. Größere Hoffnungen darf sich Pantelic jedoch nicht machen, wie Manager Dieter Hoeneß zu Protokoll gab: "Die Sache ist ganz klar. Es gibt Spieler, auf die kann man verzichten. Die kann man auch freistellen, wenn es zwei oder drei Alternativen gibt. Marko Pantelic gehört nicht dazu. " Der Verein habe eine wirtschaftliche Verantwortung und sei den Fans und Sponsoren verpflichtet. "Die Abstellung kommt daher nicht in Frage", sagte Hoeneß.

Dem italienischen Fußball steht möglicherweise ein neuer Manipulationsskandal ins Haus. Dem Erstligisten Atalanta Bergamo und dem künftigen Zweitligisten Livorno Calcio drohen wegen angeblicher Ergebnisabsprachen in der vergangenen Saison Punktabzüge. Wie der Chefankläger des italienischen Fußballverbands (FIGC), Stefano Palazzi, berichtete, sollen Atalanta vor der kommenden Serie-A-Saison sechs Punkte abgezogen werden, Livorno soll mit sechs Minuspunkten in die Serie B starten. Außerdem fordert Palazzi für die Kapitäne Giampaolo Bellini (Bergamo) und David Balleri (Livorno) eine Sperre von drei Jahren und einem Monat. Die Spieler Antonio und Emanuele Filippini sowie Alessandro Grandoni (alle vom diesjährigen Serie-A-Absteiger Livorno) sollen für fünf Monate gesperrt werden. Das Urteil des Verbandes wird am Montag erwartet, berichteten italienische Medien am Samstag. Der Verdacht bezieht sich auf die Begegnungen zwischen Atalanta und Absteiger Livorno, die am 23. Dezember 1:1 und am 4. Mai 3:2 endeten. Für Atalanta-Trainer Luigi Del Neri sind die Vorwürfe absurd: "Ich glaube nicht, dass es da irgendwelche Absprachen gab. Atalanta hat wie immer auf Sieg gespielt."

Vier bulgarische Erstligisten müssen ihre Heimspiele in der kommenden Spielzeit auf neutralem Boden austragen. Bei der Abnahme der Stadien durch den nationalen Verband BFU fielen die Arenen von Botew Plowdiw, Belasiza Petritsch, Lokomotiw Meszdra und Minjor Pernik wegen Sicherheitsmängel durch. Meister ZSKA Sofia muss sein Stadion bis zum 1. August nachrüsten, um einer Sperre zu entgehen.

Der frühere Bundesliga-Profi Ewerthon hat einen neuen Verein gefunden. Nach einem halben Jahr beim VfB Stuttgart und einem halben Jahr bei Espanyol Barcelona wird der brasilianische Stürmer nun für ein Jahr von Real Saragossa an den spanischen Erstliga-Aufsteiger FC Malaga ausgeliehen. Das gab Saragossas Sportdirektor Roberto Rodriguez bekannt. Der sechsmalige Nationalspieler stürmte von 2001 bis 2005 auch für Borussia Dortmund. Für den BVB absolvierte der heute 27-Jährige insgesamt 119 Bundesliga-Spiele und erzielte 47 Tore.

ruf/sid/dpa



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