Kurzpässe Denilson verlässt Vietnam, Gerstner übernimmt Bielefeld

Ein Spiel, ein Tor, ein Missverständnis: Denilson, ehemals teuerster Fußballer der Welt, flüchtet wegen einer Verletzung aus Vietnam. Arminia Bielefeld hat endlich einen neuen Trainer. Der DFB verliert einen Nationalspieler, ein südafrikanischer Kommentator wohl seinen Job.


Hamburg - Denilson hat bei Vietnams Fußballfans für eine große Enttäuschung gesorgt. Der 31-jährige Brasilianer, der bei seinem Debüt für seinen neuen Club Hai Phong Cement im Punktspiel gegen Hoangh Anh Gia Lei (3:1) am Sonntag gleich in der ersten Minute per Freistoß ein Blitztor erzielt hatte, kündigte wegen einer Verletzung seinen Vertrag nach nur einem Spiel und will nun das Land direkt wieder verlassen.

Profi Denilson: Abschied nach einem Spiel
AP

Profi Denilson: Abschied nach einem Spiel

Bei seiner Premiere für Hai Phong Cement war Denilson wegen einer Verletzung am rechten Bein bereits nach der ersten Halbzeit ausgewechselt worden. Dank seines Treffers hatte Denilson, der 1998 für die damalige Weltrekordablöse von umgerechnet 31,5 Millionen Euro vom FC São Paulo zu Betis Sevilla gewechselt war, seine Kritiker in Vietnam aber zunächst verstummen lassen.

Zuvor war Denilson argwöhnisch betrachtet worden, da der Südamerikaner in Hai Phongs ersten beiden Spielen nach seiner Verpflichtung ebenfalls wegen einer Verletzung gefehlt und sein Club dennoch die Eintrittspreise wegen Denilson um 30 Prozent erhöht hatte. Mit der Flucht aus Vietnam wurde Denilson in den Augen der Anhänger nun dem Ruf des Abkassierers gerecht.

Thomas Gerstner wird neuer Trainer von Arminia Bielefeld. Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier bestätigte eine entsprechende Meldung der "Bild"-Zeitung. "Er erhält einen Vertrag über ein Jahr, der nur für die Zweite Liga Gültigkeit besitzt", sagte Dammeier. Thomas Gerstner, 42, ehemaliger Bundesliga-Profi, war zuletzt Co-Trainer von Sturm Graz.

"Wir kennen uns gut, haben zusammen in Wolfsburg gespielt. Auch danach sind wir immer in Kontakt geblieben. Für ihn ist es eine gute Chance. Das Ziel ist ganz klar der Wiederaufstieg", sagte Dammeier. Gerstner, geboren in Worms, spielte von 1985 bis 1988 auf der Alm und absolvierte für die Ostwestfalen 99 Zweitliga-Spiele (Sieben Tore). Mit dem FC Homburg stieg er 1989 in die Bundesliga auf, ein Jahr später folgte der Abstieg.

"Ich war am Dienstag in Bielefeld und wir haben uns geeinigt. Wir wollten die Jahreshauptversammlung abwarten. Jetzt will ich ganz schnell die Mannschaft kennenlernen", sagte Gerstner. Nach dem Ende seiner Karriere trainierte er Carl Zeiss Jena, den SV Straelen und den FC Schönberg. 2007/08 wurde er Co-Trainer in Graz unter Franco Foda.

Mit Kevin-Prince Boateng geht dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein weiterer Spieler nach Einsätzen für eine deutsche Nationalmannschaft verloren. Der zuletzt an Borussia Dortmund ausgeliehene Mittelfeldspieler, der insgesamt 41 Spiele für die Jugend-Auswahlmannschaften des DFB bestritt, will künftig für Ghana spielen. Er ist nach dem Schalker Jermaine Jones, der sogar schon drei A-Länderspiele absolvierte und künftig für die USA auflaufen will, der zweite Akteur, der sich vom DFB aufgrund der neuen Fifa-Regel zu Verbandswechseln abkehrt.

"Ich will ab sofort für Ghana spielen", sagte der 22-Jährige der "Sport Bild": "Ich habe Kontakt zu den Verantwortlichen aufgenommen. Diese Entscheidung habe ich für mich getroffen. Ich wollte mich beim DFB durchsetzen. Ich habe alles versucht. Nun möchte ich mich in Ghana weiterentwickeln. Das ist der nächste große Schritt." In Dortmund konnte er sich wie bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League nicht durchsetzen, der BVB zog die Option auf eine feste Verpflichtung nicht. Boateng hat einen Vater aus Ghana und eine deutsche Mutter. Er ist der Großneffe von Helmut Rahn, der Deutschland 1954 durch den Siegtreffer beim 3:2 im Endspiel gegen Ungarn zum Weltmeistertitel schoss.

Wegen heftiger Kritik an der heimischen Nationalmannschaft Bafana Bafana ist ein südafrikanischer TV-Moderator nach Medienberichten suspendiert worden. Der Sportjournalist Walter Mokoena hat einen öffentlichen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er die Ablösung des brasilianischen Bafana-Trainers Joel Santana sowie von Teamchef Aaron Mokoena forderte, berichtete die Zeitung "The Citizen" am Mittwoch.

Anlass für seine Forderung war das spielerisch enttäuschende Auftreten des südafrikanischen Teams am Samstag gegen Spanien im Rahmen des Confederations Cups. Südafrika hatte trotz einer 0:2-Niederlage gegen Europameister Spanien das Halbfinale erreicht und muss an diesem Donnerstag gegen Brasilien antreten.



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