Kurzpässe Fifa ermittelt gegen Nordkorea, Basler betreut Burghausen

Öffentliche Demütigung der Spieler, Zwangsarbeit für den Trainer? Wegen der angeblich drastischen Strafen gegen Nordkoreas WM-Fußballer ermittelt die Fifa. Mario Basler ist neuer Trainer in Burghausen, der FC Bayern laut einer Umfrage heißer Favorit auf die Meisterschaft.

Ex-Profi Basler: Neuer Mann an der Linie von Wacker Burghausen
dpa

Ex-Profi Basler: Neuer Mann an der Linie von Wacker Burghausen


Hamburg - Bei der WM scheiterte Nordkoreas Nationalmannschaft kläglich, seitdem gibt es Gerüchte über öffentliche Demütigungen der Profis sowie Strafarbeit für Trainer Kim Jong Hun. Nun laufen Untersuchungen der Fifa. Präsident Joseph Blatter bestätigte am Mittwoch in Singapur, dass der Weltverband Ermittlungen aufgenommen hat. "Wir wollen herausfinden, ob die Medienberichte über die Bestrafungen einiger Spieler und des Trainers wahr sind. Das ist ein erster Schritt, wir werden sehen, was wir für eine Antwort bekommen", sagte Blatter.

Nordkorea war in Südafrika nach drei Niederlagen in der Vorrunde ausgeschieden. Das 0:7-Debakel gegen Portugal wurde als erstes internationales Spiel überhaupt live im TV übertragen. Die Führung des kommunistische Regimes hatte deshalb alle Nationalspieler nach der Rückkehr aus Südafrika aufgefordert, Trainer Kim öffentlich zu kritisieren. Kim musste zudem aus der Arbeiterpartei austreten und wurde angeblich zu harter körperlicher Arbeit auf einer Baustelle verurteilt. Die Spieler mussten auf einer Bühne in Pjöngjang sechs Stunden lang "ideologische Kritik" über sich ergehen lassen.

Außerdem erklärte Blatter, dass sich die Fifa mit der Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fußball befassen werde. Das Thema werde vom International Football Association Boards (IFAB) auf seiner Sitzung im Oktober besprochen. "Bei diesem Meeting werden wir über Torlinien-Technologie diskutieren. Es steht jetzt auf der Tagesordnung", sagte Blatter. Der Schweizer gilt als Gegner von technischen Hilfsmitteln, hatte nach diversen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika aber angekündigt, dass das Thema neu besprochen werde.

Mario Basler ist neuer Trainer beim Drittligisten SV Wacker Burghausen. Der frühere Bundesliga-Profi leitete am Mittwochvormittag bereits das erste Training und wird am Mittag der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 41-jährige Basler ist Nachfolger von Jürgen Press, der nach nur vier Spieltagen in der dritten Liga am Dienstag entlassen worden war.

Titelverteidiger Bayern München ist auch vor der Saison 2010/2011 wieder der Top-Favorit auf die Meisterschaft. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" tippten 42 Prozent der Befragten auf die Münchner. Erst mit deutlichem Abstand folgt Vizemeister Schalke 04 mit zwölf Prozent auf dem zweiten Rang. Vier Prozent trauen Werder Bremen die Meisterschaft zu. Jeweils zwei Prozent stimmten für den VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen, ein Prozent für Borussia Dortmund.

Der Hamburger SV muss beim Auftaktspiel des DFB-Pokals auf Nationalspieler Dennis Aogo verzichten. Der 23-jährige Linksverteidiger ließ sich am Dienstag bei Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München untersuchen und am lädierten Ischiasnerv behandeln. Der WM-Fahrer konnte bisher noch nicht voll am Mannschaftstraining teilnehmen. Auch der Einsatz zum Bundesliga-Start am 21. August gegen den FC Schalke 04 ist in Gefahr.

Trotz Ausschreitungen seiner Anhänger beim letzten Finalspiel darf Oberligist BFC Dynamo Berlin wieder am Landespokal-Wettbewerb teilnehmen. Der Verein legte gegen ein anderslautendes Urteil des Verbands erfolgreich Berufung ein. "Wir waren in Berufung gegangen, weil wir vor dem Finale alle Auflagen des Verbandes erfüllt hatten", sagte BFC-Sprecher Martin Richter. Nach dem 0:1 gegen den Berliner AK Anfang Juni hatten 150 Dynamo-Anhänger bei der Siegerehrung den Platz gestürmt und die Feierlichkeiten gestört. Trotz der aufgehobenen Sperre muss der BFC eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen und im laufenden Pokalwettbewerb bei jedem Spiel 20 eigene Ordner stellen.

Fans des Halleschen FC und von Union Berlin haben das Sicherheitskonzept vor dem DFB-Pokalspiel am Sonntag kritisiert. In einem offenen Brief an die Stadt Leipzig bemängeln die Dachorganisationen beider Fangruppen die Begrenzung der Zuschauerzahl auf 12.500. Dies käme einem Teilausschluss der Öffentlichkeit gleich und sei ein unverhältnismäßiger Eingriff. Das brisante Duell der Traditionsclubs, deren Anhänger als verfeindet gelten, findet aufgrund von Bauarbeiten in Halle im Leipziger Zentralstadion statt, das eigentlich 43.500 Plätze bietet

Die deutsche Nationalmannschaft belegt in der Weltrangliste der Fifa weiter den vierten Platz. Insgesamt gab es in der August-Auflage der Liste, die von der Fifa noch vor den zahlreichen Länderspielen des Mittwochabends veröffentlicht wurde, kaum Änderungen. Allerdings rutschte WM-Achtelfinalist USA um fünf Plätze auf Rang 18 ab, weil vier Siege beim Gold-Cup im Sommer 2009 aus der Wertung gefallen sind. Auf Platz eins liegt Weltmeister Spanien (1883 Punkte), der im Juli nach dem ersten WM-Triumph seiner Geschichte die Spitzenposition übernommen hatte, vor Finalgegner Niederlande (1659) und Rekord-Weltmeister Brasilien (1524). Deutschland folgt mit 1464 Punkten vor den bei der WM jeweils besiegten Teams aus Argentinien (1288), Uruguay (1152) und England (1125) auf Rang vier.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version hatten wir ein Bild des nordkoreanischen Stürmers Jong Tae Se verwendet. Dieser soll aber ebenso wie der ebenfalls in Japan geborene An Yong Hak von möglichen Repressionen verschont worden sein.

jok/sid/dpa



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