Kurzpässe Hiddink in Russland, Rebellion bei Real

Weltenbummler Guus Hiddink zieht es nach Russland, in Spanien und Frankreich sorgen zwei Traditionsvereine für Wirbel. Auch bei WM-Teilnehmer Ecuador geht es drunter und drüber, Grund ist eine Visa-Affäre.


Erfolgstrainer Hiddink steht kurz vor der Unterschrift als russischer Nationaltrainer. Der Niederländer, der derzeit sowohl den PSV Eindhoven als auch WM-Teilnehmer Australien betreut, soll einen Zweijahresvertrag als Trainer und Technischer Direktor bei den Russen unterzeichnen. Laut Hiddinks Berater Cees van Nieuwenhuizen hatten dem 59-Jährigen Angebote aus vier Nationen vorgelegen, darunter auch eines aus England. Hiddink hatte vor zwei Wochen trotz des Titelgewinns seinen Abschied vom holländischen Meister verkündet. Gründe dafür nannte der Fußballlehrer bislang nicht, allerdings gilt der PSV als wirtschaftlich angeschlagen.

Coach Hiddink: Auf zu neuen Ufern
AP

Coach Hiddink: Auf zu neuen Ufern

Rein sportliche Probleme hat Madrid, wo Vereinspräsidenten Fernando Martín immer weiter unter Druck gerät. Ein großer Teil der Vorstandsmitglieder will laut spanischen Zeitungsberichten noch vor dem Sommer zurücktreten und so die Wahl einer neuen Clubführung erzwingen. Dafür müssten allerdings 15 der 19 Vorstandsmitglieder ihre Ämter niederlegen. Real Madrid ist derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz und hat bei sechs verbleibenden Meisterschaftsspielen elf Punkte Rückstand auf den führenden FC Barcelona. In der Champions League schied das Starensemble im Achtelfinale gegen den FC Arsenal aus.

Auch beim französischen Traditionsclub Paris St. Germain ist die Stimmung angespannt. Der Pay-TV-Sender Canal Plus, der in den vergangenen 15 Jahren massiv in den Hauptstadtclub investiert hatte, verkaufte PSG an eine Investoren-Gruppe um Luc Dayan, ehemals Präsident des Erstligisten OSC Lille. Der Verkaufspreis soll bei über 40 Millionen Euro liegen. Ursprünglich hatte Canal Plus durch die 1991 vollzogene Übernahme seinen Kundenstamm erweitern wollen. Allerdings gab es Proteste und Abbestellungen aus Regionen mit anderen französischen Erstligisten, weil der Sender zugleich Millionenbeträge in PSG investierte. Doch der Verein blieb trotzdem zuletzt sportlich erfolglos. Aktuell liegt die Mannschaft auf dem achten Tabellenplatz, 25 Punkte hinter Tabellenführer Olympique Lyon.

Mit eher unsportlichen Meldungen sorgt derzeit WM-Teilnehmer Ecuador für Schlagzeilen. Der Skandal um illegal beschaffte US-Visa hat ein weiteres Delegationsmitglied des Fußballverband FEF erfasst. Nach Vinicio Luna, Pressesprecher und Koordinator der Auswahlmannschaften, wurde in der Nacht zu Montag auch Teamarzt Patricio Maldonado für ein Verhör vorübergehend verhaftet. Luna sitzt bereits seit drei Wochen in Untersuchungshaft. Der Funktionär soll Personen gegen Bezahlung bei Auslandsreisen der ecuadorianischen Nationalelf mit Zwischenstopp in Nordamerika als Delegationsmitglieder getarnt und ihnen damit die Einreise in die USA ermöglicht haben. Zwei Ecuadorianer, die sich auf diesem Wege erfolglos um Visa bemüht hatten, klagten nun auch Maldonado an, in den illegalen Machenschaften verwickelt zu sein. Vizepräsident Carlos Villacis hat zudem zuvor bereits erklärt, dass Luna so lange im Amt bleibt, bis ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn ausgesprochen werde.

mig/sid/dpa



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